Hamburg III: Der Elbtunnel und die Musik

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Am Ostersonntag hatte ich eine ganz besondere Begegnung.

Ich bin durch den alten Elbtunnel zum Werfthafen gegangen. Die meisten Touristen machen am Ende des Tunnels entweder direkt auf dem Absatz kehrt und gehen zurück zu den Landungsbrücken oder sie pilgern zur Aussichtsplattform. Aber ich bin froh, dass ich das nicht gemacht habe. Sonst hätte ich wirklich was verpasst. Auf der Suche nach einem schönen Fotomotiv ging ich über einen leeren Parkplatz und da hörte ich plötzlich Musik. Es klang nach einem einzelnen Instrument und irgendwie traurig. Zuerst dachte ich, sie käme von einem der Ausflugsboote. Aber als ich dem Klang folgte wurde mir klar, dass die Quelle viel näher sein musste.

Vielleicht hatte ich einfach Glück und sonst sind mehr Menschen im Hinterland des Werfthafens unterwegs. Ich war aber ganz allein, während ich dem Geräusch nachging. Ich kam zu einem Durchlass in der Hafenmauer und eine schwankende Holztreppe führte zu einem schwimmenden Landungssteg. Von dort kamen die Töne. Ich setzte mich oben auf die Treppe und hörte zu. Sehen konnte ich zuerst niemanden. Auf dem Steg war ein kleiner Unterstand, er sah fast aus wie das Wartehäuschen an einer Bushaltestelle. Nach einer Weile trat ein Mann heraus, eine Trompete in der Hand. Als er mich sah hatte ich Angst, dass er mich wegschicken würde. Aber er ignorierte mich einfach, putzte seine Trompete und fing an das nächste Stück zu spielen.

An der Elbe from Rosas Reisen on Vimeo.

Insgesamt haben wir eine halbe Stunde zusammen verbracht, ich oben auf der Treppe sitzend, er unten auf dem Steg spielend. Als ich gehen musste, hab ich all meinen Mut zusammen genommen. Was so etwas angeht bin ich ziemlich schüchtern und ich wollte ihn nicht belästigen, nachdem er mir die schönste halbe Stunde beschert hatte, die ich bis jetzt in Hamburg verbracht habe. Aber einfach so gehen wollte ich auch nicht. Also stieg ich die Treppe runter und lief zu dem Häuschen. Und dann hab ich mich bedankt. Er hat nur genickt und gesagt: „Ich übe nur. Sonst spiel ich woanders.“ Dann hat er mir einen schönen Tag gewünscht und weiter gespielt. Und ich bin, mit Trompetenklängen im Ohr, zum Elbtunnel zurückgegangen. Und dabei war mir Innen drin ganz warm.

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Bei meinem Gang durch den Elbtunnel habe ich übrigens festgestellt, dass die einzig richtige Art ihn zu fotografieren, damit die Farben gut rüberkommen, paradoxerweise schwarz weiß ist. Der Tunnel an sich ist schon beeindruckend, man fühlt sich ganz leicht 100 Jahre zurückversetzt. Und wenn man weiß, dass die Elbe gerade über dem eigenen Kopf fließt, wird man fast ehrfürchtig.

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