Die Fram in Oslo – Geister der Vergangenheit

Ich sitze im Bus und schaue nervös auf die Uhr. In vier Stunden muss ich wieder am Flughafen von Oslo sein. Das könnte knapp werden und wir fahren schon ewig, ohne dass eine Haltestelle gekommen wäre. Der Busfahrer sagt etwas auf norwegisch durch, die Passagiere lachen. Neugierig frage ich meine Sitznachbarin auf Englisch, was denn los sei. „Oh, he just missed the right turn and now he has to drive a few kilometers, before he can make a u-turn and get back on the correct route.“ Ach was. Das passt natürlich gar nicht in meinen Plan, aber grinsen muss ich auch.

Wo will ich denn eigentlich hin, an diesem Rückreisetag von Spitzbergen, mit ein paar Stunden Aufenthalt in Oslo? Ich will in die Vergangenheit! Als ich meinen Arktis-Trip gebucht und gesehen hab, dass ich Aufenthalt in der norwegischen Hauptstadt haben werde, wusste ich genau, was ich zu tun habe. Ich werde endlich die Fram sehen!

Der ein oder andere mag sich fragen: What the fuck is Fram? Macht es euch bequem, schnappt euch ’nen Tässchen Tee, jetzt kommt die Historikerin in mir durch! Die Fram ist ein Schiff. Für mich ist sie sogar DAS Schiff! Fast zwanzig Jahre (1893-1912) hat sie die Polarregionen erkundet, erst unter Fridtjof Nansen, dann unter Roald Amundsen. Kein Schiff ist jemals auf höheren Breitengraden gefahren, als die Fram. Weder im Süden, noch im Norden.

Sie war mit Amundsen am Südpol, das dortige Lager wurde nach ihr Framheim benannt, genau so wie die Framstraße zwischen Spitzbergen und Grönland. Ihre besondere, bauchige Konstruktion sorgte dafür, dass sie, im Gegensatz zu den Schiffen der Engländer, nicht vom Eis zerquetscht, sondern emporgehoben wurde. Und im Gegensatz zur Endurance oder der Terra Nova liegt sie deshalb nicht auf dem lichtlosen Grund des Meeres. Sondern sie steht in Oslo. Im extra für sie gebauten Frammuseet.

Als der Bus an der Endstation hält, springe ich raus und rutsche über den Schnee. Da ist es! Das große, dreieckige Gebäude, und darin…die Fram! Vor Aufregung lege ich mich fast auf die Fresse. Noch ein paar Sekunden, dann sehe ich das Schiff, um das sich ein nicht kleiner Teil meiner Masterarbeit und ein viel größerer Teil meiner Polarträume dreht.

Kennt ihr diese Momente, in denen man das Gefühl hat, einen Luftballon voller Sonne im Bauch zu haben? Dass man kaum atmen kann vor Aufregung? Und dass man sich irgendwann fragt, warum das Gesicht wehtut und feststellt, dass es vom einbetonierten Dauergrinsen kommt? Mancher mag jetzt sagen: Das alles wegen eines großen Haufen alten Holzes? Aber für mich ist dieses Schiff so viel mehr.

Wer mich ein bisschen kennt, der weiß: Ich bin ein Anfasskind. Ich kann Sachen erst wirklich glauben, wenn ich sie fühlen kann. Und das ist mit Relikten aus der Vergangenheit nicht immer so einfach. Als ich erfahren habe, dass man die Fram in dem Museum nicht nur sehen, sondern sogar an Deck gehen kann, dass ich meine Füße auf ihre Planken werde setzen können, dass ich mit meinen Fingern über ihre Reling werde gleiten können…da war ich schon ziemlich glücklich. Und jetzt ist es endlich so weit. Ich schwebe an der Kasse vorbei in die große Halle und da ist sie.

Meterhoch ragt die Fram imposant vor mir empor, immer noch stolz, immer noch wie eine Verheißung von Abenteuern.

Auf mehrereren Stockwerken kann man sie umkreisen, wie die Vasa, aber auf die Fram darf man eben auch drauf. Ich beachte kaum den Rest der Ausstellung, auch wenn der ganz nett und sogar ein bisschen interaktiv ist, sondern stürze an Deck.

Und da bleibe ich erstmal, nehme das Gefühl in mich auf, an einem Ort zu sein, den vor mir die Stiefel meiner größten Helden betreten haben. Auf dem die Pfoten und Krallen der Schlittenhunde ihre Spuren hinterlassen haben.

   Ich höre das Knacken des Eises, fühle die Kälte und sehe das Nordlicht über den Masten tanzen. Und das tue ich wirklich, denn in der Halle ist es eisig und auf einer Leinwand hinter der Fram werden Landschaftsaufnahmen der polaren Regionen abgespielt.

Es fehlt nur noch, dass ich anfange, die Geister der Toten zu sehen. Aber der einzige Geist hier scheine ich zu sein, als ich versuche, ein Foto von mir auf der Fram zu machen. Als ich auf der Rückfahrt selig im Bus sitze und mir die geknipsten Bilder anschaue, gefällt mir das am meisten.

Übrigens: Im Nachbargebäude ist die Gjøa untergebracht. Ich könnte ja jetzt…nein, das erspare ich euch. Wen es interessiert: https://de.wikipedia.org/wiki/Gj%C3%B8a

Gletscherwanderung und Schneemobiltour auf Spitzbergen

Die Polarnacht auf Spitzbergen: Drei Tage im hohen Norden

Der Tag, an dem der Teufel mir einen Handel anbietet
17. Dezember 2017

Das moderne Zeitalter ist Segen und Fluch zugleich und gerade im Norden empfinde ich es eher als letzteres. Trotzdem kann ich mich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Nach meiner ersten Nacht im Basecamp in Longyearbyen wünsche ich mein Handy trotzdem zum Teufel. Ich habe ehrlich gesagt gedacht, dass ich hier oben eh keinen Internetempfang haben würde, aber da habe ich mich getäuscht. Die Norweger sind schon ein cleveres Völkchen. Sie wissen, dass die meisten Dinge, die an einem extremen Ort wie Spitzbergen funktionieren, es mit Sicherheit auch auf dem Festland tun. Äußerst reichweitenstarke Sendemasten zum Beispiel. Bald wird es auf der Insel 5G geben. Was zur Hölle…?

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Mit Schlittenhunden durch die Dunkelheit Svalbards

Pic by Morten Rostille

Die Polarnacht auf Spitzbergen: Drei Tage im hohen Norden

Der Tag, an dem ich auf einem Schlitten durch die Dunkelheit Svalbards gleite
16. Dezember 2017

In den frühen Morgenstunden klingelt mein Handywecker, eine technische Absurdität in dieser rustikalen Umgebung. Mein zweiter Tag auf Svalbard beginnt. Und ich kann mich vor Aufregung kaum beherrschen, denn heute ist der Tag, an dem ich endlich wieder auf einem Hundeschlitten stehen werde!

Da ich nach meiner Nacht in der Trapperhütte mit nur dem Nötigsten ausnahmsweise mal keine Wahl habe, was mein Outfit betrifft, bin ich schnell angezogen. Auch die Katzenwäsche im Toilettenhäuschen ist fix erledigt. Über die Vintage-Ausstattung mit Waschschüssel in Belle-Epoque-Optik muss ich lachen. Sie steht doch in krassem Kontrast zur mobilen Plastiktoilette direkt daneben.

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Spitzbergen – Ankunft auf dem 78. Breitengrad

Kopf hoch, Kätzchen, bald gehst du auf Reisen!

Dass man mich zum Reisen ermuntern muss ist definitiv nicht normal. In der Regel mache ich nichts lieber, als meinen Koffer zu packen, meine Wohnung abzuschließen und mich zum Flughafen zu begeben. Mich voll und ganz auf eine Reise einzulassen und sie mit Kopf und Herz zu genießen. Gerade, wenn es in die Arktis geht. Und meine Reise nach Spitzbergen war auch ein lange gehegter Traum. Nachdem ich im Sommer bereits in Grönland gewesen war, wollte ich den Norden jetzt noch einmal im Winter erleben. Manchmal, ach was, immer, kommt es aber anders als man denkt und das ist auch die Erklärung, warum es seit einiger Zeit so still auf dem Blog ist. In meinem Privatleben hat sich eine Menge getan und wer bis über beide Ohren verknallt ist, der vernachlässigt auch mal sträflich seine Internetpräsenz.

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