Tagesausflug von Kopenhagen: Eine Radtour an der dänischen Riviera

Auf der Suche nach einem schönen Ausflug mit Startpunkt Kopenhagen? Mit Sonne, Strand und Meer? Herzlich Willkommen zu einer neuen Ausgabe von „Städtetrips – Nicht mit mir!“ von Rosas Reisen.

Hä? Worum geht’s?

Darum, dass ich zwar immer wieder kurze Städtetrips mache, diese dann aber oft nutze, um mir nicht nur die Stadt, sondern vor allem auch die Natur drumherum anzusehen. So habe ich einen Tag Edinburgh ausfallen lassen, um den East Lothian Coast Walk zu laufen und einen in Dublin um Ireland’s Eye zu erforschen. Jetzt hat es auch Kopenhagen getroffen.

Wir sind in der Hauptstadt Dänemarks, weil sie unser Tor zum Norden ist, von hier werden wir nach Grönland fliegen. Wenn man aber schon einen Zwischenstopp hier einlegt, warum dann nicht auch die Stadt anschauen? Und wenn man schon mal die Stadt angeschaut hat, warum dann nicht auch die weitere Umgebung erkunden? Die Stadt ist sehr, sehr nett, gar keine Frage! Ob der pittoreske Nyhavn, die kleine Meerjungfrau oder die hübschen Gassen und Parks. Aber wir wollen Meer!

Da wir alle drei gerne Radfahren steht fest, dass wir uns in die Sättel schwingen wollen. Am Norreport leihen wir uns Fahrräder (Kosten 100 Kr p.P.). Durch die winzige Werkstatt werden wir in den Hinterhof geführt und aus einem kleinen Schuppen tauchen die verschiedensten Modelle auf. Ich verfalle in quengeliges Kleinkindgehabe. Schließlich haben wir den Laden nur ausgesucht, weil auf dem Bürgersteig davor so schöne bunte Holland-Räder stehen. Und genau so eins will ich jetzt natürlich! Nicht so einen leicht klapprigen Schirbel in braun! Ich weiß nicht, ob unser junger Freund vom Fahrradverleih Gedanken lesen kann, und dann auch noch deutsche, vielleicht habe ich ihn aber auch telepathisch beeinflusst und er hat das innerlich geschriene „MEINS!“ gehört, als ein Traum in türkis aus dem Schuppen rollt. Ich freu mich wie Bolle, als er es zu mir schiebt. Mein inneres Kleinkind gurrt zufrieden vor sich hin.

Radfahren in Kopenhagen geht zwar gut dank fantastisch ausgebauter Radwege, ist aber im Stadtverkehr doch etwas stressig. Und Stress wollen wir heute gar nicht. Also begeben wir uns erst mal in die S-Bahn am Norreport und fahren bis nach Charlottenlund. Klingt wie aus einem Kitschroman, ne? „Mein Herz aber blieb in Charlottenlund“ oder so ähnlich. Wir folgen erstmal unseren Nasen und nicht unseren Herzen, und zwar in die Bahnhofsbäckerei. Von da geht es dann los, wir drehen uns nach rechts der Küste zu und halten unsere Nasen in den Wind.

Radtour Kopenhagen

Unser Ziel liegt etwa 30 Kilometer nördlich vor uns. Wir wollen nach Louisiana, bzw. Humlebaek. Das ist ein kleiner Ort am Meer, der berühmt für sein Museum mit moderner Kunst ist. Der Weg dahin führt uns an der „dänischen Riviera“ entlang, so verspricht es zumindest der Reiseführer. Und das ist nicht gelogen, zunächst geht es zwar neben Straße und Wald her, aber nach kruzer Zeit liegt das Meer vor uns. Die Strecke ist unglaublich schön: Die Ostsee schimmert in kräftigen Blautönen, hinter blühenden Heckenrosen leuchtet der weiße Strand. Alle paar Minuten möchte man anhalten und die Aussicht genießen. Leider ist es trotz Juni noch nicht warm genug, um sich einfach in die Fluten zu stürzen. Barfuß die Zehen in den Sand graben geht aber wunderbar.

Mit den Gedanken bin ich aber trotz all dieser Schönheit in ganz anderen Gefilden. Ich bin so aufgeregt wegen morgen, der Tag, an dem es endlich nach Grönland gehen wird. Und wie eine Manifestation meiner Träume taucht am Horizont ein großes, wuchtiges Denkmal auf. Knud Rasmussen, der wohl größte dänisch-grönländische Polarforscher, steht da und blickt über das Wasser. Also nach Osten. Nach Schweden. Passt jetzt nicht so ganz, aber es hätte auch blöd gewirkt, hätte man ihn hier an die Küste gestellt und landeinwärts Richtung Grönland gucken lassen. Das seh ich wohl ein.

Knud Rasmussen hat den wundervollen Satz geprägt: „Gebt mir Schnee, gebt mir Hunde, den Rest könnt ihr behalten!“ Rasmussen ist in Ilulissat geboren, die Stadt in die wir morgen aufbrechen. Hier, in der strahlenden Sonne, überläuft mich ein Schauer. Es ist wie ein Kribbeln im Nacken, ein eisiger Hauch aus dem Norden, der über meine Haut streift. Meine Finger gleiten über den rauen Stein des Sockels, in den das Bild eines Hundegspanns geprägt wurde. Und natürlich kann ich es nicht lassen, mich in Pose zu werfen und mit Knud nach Schweden zu gucken. Obwohl wir Grönland im Herzen haben.

Aber noch muss er ein paar Stunden warten, der Norden, erst einmal genießen wir noch unsere Radtour. Oder würden wir, wenn wir in dem Moment nicht von einem etwas befremdlichen Auftauchen abgelenkt würden. Und damit meine ich „Auftauchen“ im wahrsten Sinne des Wortes. Während wir am Denkmal rumalbern, taucht neben uns aus dem Wasser ein Taucher mit Harpune auf. Das Ganze wirkt doch minimal surreal. Perplex starren wir den Mann an. Ernst nickt er uns zu. Typisch deutsch schießt mir erstmal die Frage „Darf man das?“ durch den Kopf. Also nicht das Nicken, sondern das wild in der Gegend herumharpunieren. Aber der Mann schwimmt mit einer solchen Selbstverständlichkeit von dannen, als ob er sich nur eben sein Abendessen aus dem Supermarkt holt. Sachen gibt’s.

Weiter schlängeln wir uns an der Küste entlang, bis wir nach gemütlicher Fahrt und etlichen Pausen Louisiana erreichen. Jetzt sind es nur noch 40 Minuten, bis unser Zug zurück nach Kopenhagen fährt, ein Besuch im Museum lohnt da nicht mehr wirklich. Einmal mehr war hier wohl eher wieder der Weg das Ziel. Und so klettern wir den Pfad hinab und schlendern noch ein bisschen am Meer entlang. Ein Bild für die „Ich-posiere-wie-die-kleine-Meerjungfrau-Sammlung“ gemacht und die letzte Wegzehrung vernichtet.

 

Dann geht es auch schon ganz entspannt mit dem Zug von Humlebaek zurück in die Stadt und die Radtour ist zu Ende. Ich habe den Tag sehr genossen, aber das richtig große Abenteuer, das startet morgen! Nur noch einmal schlafen und dann…Wie mein Herz pocht!

Grönländische Kuriositäten: Funny Facts über die größte Insel der Welt

Grönland ist ein Land mit einer so atemberaubenden Natur, dass diese oft alle Aufmerksamkeit eines Besuchers auf sich zieht. Wie überall lohnt sich aber auch hier ein zweiter Blick, auf die Menschen, ihre Geschichte und ihre Kultur, denn so stößt man schnell auf hochinteressante Merkwürdigkeiten. Ich habe in den letztlich nur wenigen Tagen, die ich an den Küsten der größten Insel der Welt verbracht habe, erstaunliches über sie gelernt.

Die Farben der grönländischen Siedlungen

Jeder kennt die anheimelnden Bilder der bunten Häuschen des Nordens. Während in Schweden das Falun-Rot vorherrscht, gibt es in grönländischen Dörfern ein breites Farbspektrum. Hätte man mich gefragt, meine Theorie wäre gewesen, dass man in einem Land mit 10 Monaten Winter einfach ein bisschen Farbe braucht. Da hätte ich aber den Praxissinn der Grönländer heftigst unterschätzt. Früher hatten die Farben, in denen die Häuser der Grönländer gestrichen wurden, nämlich bestimmte Bedeutungen. So konnte sich auch ein Fremder, der zum ersten Mal in einen Ort kam, sofort zurechtfinden. Allerdings variieren die Angaben, welche Farbe welches Gebäude kennzeichnete. Folgendes hat uns unserer Guide aber erklärt:

Grün – Ein Laden oder ein Geschäft
Gelb – Arzt oder Krankenhaus
Rot – Gebäude der Gemeinde, zum Beispiel die Schule
Blau – Privathaus, bzw. Fischerei und Seefahrt

Lost Place Qullissat

Grönländische Hausnummern

Jetzt wissen wir also, wie wir ein bestimmtes Gebäude an der Farbe erkennen. Das ist auch gut, denn versucht man es mit einer konkreten Adresse, fällt der Blick schnell auf die zwei Hausnummern. Zwei? Ja, viele Häuser in Grönland haben nicht nur eine Hausnummer, sondern zwei. Wie kommt das? Früher wurden die Hausnummern in grönländischen Siedlungen chronologisch vergeben, wer also das erste Haus baute bekam die Nummer 1, das zweite die 2 usw. Dabei war es egal, an welcher Stelle die Häuser errichtet wurden. Der dänischen Regierung war dieses Kuddelmuddel ein Graus und sie entschied, dass man das so doch bitte einfach nicht machen könne. Also wurden die Häuser nach europäischer Sitte neu durchnummeriert, sodass viele Häuser bis heute zwei unterschiedliche Nummern haben. Ob das den Briefträger jetzt weniger verwirrt?

Kleine Flaggenkunde

Aus dem Pool der skandinavischen Flaggen sticht die grönländische heraus: Sie zeigt einen roten Halbkreis auf weißem Grund und einen weißen Halbkreis auf rotem. Von Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island kennt man stattdessen das „Skandinavische Kreuz“ auch Philippuskreuz genannt. Dass sich diese Flaggen alle ähneln hängt mit der eng verwobenen Geschichte der Länder zusammen. Auch Grönland hätte beinahe eine solche Flagge erhalten: 1983 fand ein Referendum statt, in welchem das Volk entschied, wie die zukünftige Flagge aussehen sollte. Favorit war zunächst auch ein Kreuz, weiß auf grünem Grund. Letztlich hat man sich aber für den gespiegelten, rot-weißen Halbkreis entschieden, der die im Meer versinkende Sonne darstellt. Mich erinnert das Design ein bisschen an die Flagge der Samen.

Die Legende von der Disko-Insel

Ich habe während meiner Zeit in Grönland ja nur einen Bruchteil dieses riesigen Landes zu Gesicht bekommen, dafür aber einen sehr spektakulären. Die Disko-Insel und die sie umgebende Disko-Bucht bieten alles, was man sich von Grönland wünscht: Eisberge, Fjorde, Gletscher, Tundra und Wale. Zu der Insel selbst existiert auch eine Legende. Angeblich lag die „Große Insel“ ursprünglich viel weiter südlich vor der westgrönländischen Küste. Dort versperrte sie den Menschen aber die Sicht aufs Meer, weshalb zwei Schamanen sie an ein Kinderhaar banden und mit Hilfe ihrer Gesänge und Kajaks weiter gen Norden zogen. Denn die Sicht auf’s Meer bedeutet den Grönländern eine Menge. Kein Wunder, in einem Land, in dem nur die Küsten bewohnbar sind.

Missionierung

Wie fast alle Ureinwohner durften auch die Grönländer natürlich nicht in ihrem heidnischen Glauben verweilen, man musste ihre Seelen ja vor der Hölle retten, in die sie gar nicht gekommen wären, hätte man ihnen nichts davon erzählt. Da in Grönland aber alles ein bisschen anders ist, wussten die Menschen dort mit dem Satz „Unser täglich Brot gib uns heute“ wenig anzufangen, aus dem einfachen Grund, dass sie Brot gar nicht kannten. Ein besonders trickreicher Missionar soll den Satz daher wie folgt für seine Schäfchen übersetzt haben: „Unseren täglichen Seehund gib uns heute.“

Keine letzte Ruhe

Gestorben wird immer, natürlich auch in Grönland. Überall findet man dort kleine Friedhöfe, die meist ihren ganz eigenen Charme haben. Grundsätzlich dominiert aber eine Vorliebe für einheitlich weiße Kreuze und überbordenden, bunten Plastikblumenschmuck. Manchmal sogar noch mit Heliumballon. Wichtig ist aber, wie wir schon wissen, dass die Toten einen guten Blick aufs Meer haben. Denn der Ozean spielt in den Leben der Grönländern eine große Rolle, damals wie heute.

Während Plastikblumen natürlich ein Phänomen unserer Zeit sind, existieren auch viel ältere Gräber in Grönland. Aufgrund der meist gefrorenen Erde war es natürlich nicht so einfach, die Toten in ihr zu bestatten, weshalb diese oft in Steinhügeln ihre letzte Ruhe finden sollten. Haben wir diese auf unseren Wanderungen entdeckt, konnten wir manchmal sogar Schädelknochen erkennen, wenn wir durch die Steine hindurchspähten. Und jetzt kommt etwas, was mich richtig wütend macht: Unser Guide hat uns gebeten, nicht zu genau zu beschreiben, wo wir solche Gräber gefunden haben, da es tatsächlich abartige Menschen gibt, die diese plündern um die Knochen auf ebay zu verkaufen. Auf ebay. Hallo?! Wie respektlos kann man sein?!

Okay, ich gebe zu, das war jetzt kein besonders lustiger Fakt, aber ich musste es trotzdem loswerden. Ich hoffe, euch haben die Hintergrundinfos zu Grönland gefallen.

Bis bald und gute Reise!

Grönland-Reisetagebuch: You’re now leaving the arctic – Come back soon

Cape Race, Grönland

Reistagebuch:
15. bis 23. Juni 2017

Umrundung der Disko-Insel an Bord der MS Cape Race

23. Juni 2017
Ganze vierzig Minuten habe ich geschlafen, dann klingelt der Wecker. Die letzten Stunden auf der Cape Race sind angebrochen, ich muss dringend duschen und packen. Mit allem habe ich leichte, nein, seien wir ehrlich, gravierende Koordinationsschwierigkeiten, die Folgen der letzten feuchtfröhlichen Nacht. Als ich Elke vor meiner Tür besorgt fragen höre „Did you bring her back alive?“ will ich das natürlich bestätigen, die Jungs sollen wegen mir und unseres gestrigen Abenteuers keinen Ärger bekommen. Hastig stolpere ich zur Tür, falle über meinen Koffer, lege mich auf die Fresse und fluche laut. Die Jungs vor der geschlossenen Tür lachen. „As you hear.“

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Grönland-Reisetagebuch: Stupid, reckless things

Reistagebuch:
15. bis 23. Juni 2017

Umrundung der Disko-Insel an Bord der MS Cape Race

22. Juni 2017
Heute fahren wir zurück zum Ausgangspunkt unserer Reise, an den Kangia-Gletscher. Diesmal wollen wir uns den Eisfjord von der anderen Seite ansehen. Als wir aus den Zodiacs krabbeln, erwartet uns eine Mückenplage. Wir können Gott auf Knien danken, dass wir bisher von den Biestern verschont wurden, dann sie rauben einem den letzten Nerv. Die Viecher stechen dir mal locker durch deine Klamotten, aber es ist heute so warm, dass man einfach keine Lust hat, sich komplett zu vermummen. Das beste Mittel ist meiner Meinung nach flottes Gehen, dann lässt man die Mücken wenigstens zum Teil hinter sich.

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Grönland-Reisetagebuch: Der Eqi-Gletscher und mein Bad im Polarmeer

Bad im Polarmeer, Grönland

Reistagebuch:
15. bis 23. Juni 2017

Umrundung der Disko-Insel an Bord der MS Cape Race

21. Juni 2017
Über Nacht bewegen wir uns durch den Atâsund (Ikerasak) zum Eqi-Gletscher. Da ich noch ziemlich lange mit Emmet gequatscht habe, schlafe ich die Nacht friedlich durch. Um sieben werde ich aber schlagartig wach, als sich mein Bett um mindestens 50 Zentimeter absenkt um dann wieder hochzuschnellen. Mir wird kotzübel. Ich rolle mich aus dem Bett und wanke zu Kabinentür, die ich mehr auftrete als öffne. Mit der Hand klammere ich mich am Türrahmen fest. Blöde Idee, denn natürlich macht die Tür das Geschwanke mit und verpasst mir einen blau-lilanen Fingernagel. Auf mein dezentes Gefluche wird mit Gelächter reagiert und ich schaue in drei amüsierte Gesichter. Dann wird mir der Grund für den plötzlichen Wellengang erklärt.

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