Grönland-Reisetagebuch: You’re now leaving the arctic – Come back soon

Cape Race, Grönland

Reistagebuch:
15. bis 23. Juni 2017

Umrundung der Disko-Insel an Bord der MS Cape Race

23. Juni 2017
Ganze vierzig Minuten habe ich geschlafen, dann klingelt der Wecker. Die letzten Stunden auf der Cape Race sind angebrochen, ich muss dringend duschen und packen. Mit allem habe ich leichte, nein, seien wir ehrlich, gravierende Koordinationsschwierigkeiten, die Folgen der letzten feuchtfröhlichen Nacht. Als ich Elke vor meiner Tür besorgt fragen höre „Did you bring her back alive?“ will ich das natürlich bestätigen, die Jungs sollen wegen mir und unseres gestrigen Abenteuers keinen Ärger bekommen. Hastig stolpere ich zur Tür, falle über meinen Koffer, lege mich auf die Fresse und fluche laut. Die Jungs vor der geschlossenen Tür lachen. „As you hear.“

Zum Frühstück kann ich nur ein Wasserglas annehmen. Ich sitze auf der Bank in der Küche und schaue Emmet und Jack zu. Die Minuten laufen runter und mir ist übel. Ich glaube, dass das zwar auch an Schlafmangel und Alkohol liegt, aber nicht nur. Das hier ist viel eher psychosomatischer Natur. Dieses Schiff verlassen zu müssen bereitet mir Übelkeit. An meinen Job zu Hause denken zu müssen macht mich verrückt. Das hier zurückzulassen, nach allem, was passiert ist. Nein. Das geht nicht. Aber es muss gehen.

Die Koffer sind schon an Land, im Hafen von Ilulissat, der erste Teil der Passagiere auch. Ich kann es nicht länger herauszögern. Eine letzte, feste Umarmung. Kim, Emmet. Dann steige ich ins Zodiac. Der Motor schreit, die Schraube rotiert, wir verlassen die Cape Race. Obwohl ich lieber heulen möchte, lächle ich die Crew an. Auf dem Pier springt Jack in das Zodiac, um es zurückzubringen. Als er ablegt fällt es mir verdammt schwer, nicht meinen Koffer reinzuwerfen und hinterherzuspringen.

Während wir auf das Taxi warten halte ich es kaum aus. Mir ist schwindelig. Ich muss mich bewegen. Rennen. Ich sprinte einmal durch den Hafen, hetze ein paar Steine hoch und werfe einen letzten Blick auf die Cape Race, die weiter draußen zwischen Eisbergen in der Sonne liegt. Auf dem blau glänzenden Polarmeer. Und wie verrückt hoffe ich, dass das nicht das Ende, sondern der Anfang ist.

Hier findet ihr noch einmal alle Artikel zur Grönland-Reise in chronologischer Reihenfolge:

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