Grönländische Kuriositäten: Funny Facts über die größte Insel der Welt

Grönland ist ein Land mit einer so atemberaubenden Natur, dass diese oft alle Aufmerksamkeit eines Besuchers auf sich zieht. Wie überall lohnt sich aber auch hier ein zweiter Blick, auf die Menschen, ihre Geschichte und ihre Kultur, denn so stößt man schnell auf hochinteressante Merkwürdigkeiten. Ich habe in den letztlich nur wenigen Tagen, die ich an den Küsten der größten Insel der Welt verbracht habe, erstaunliches über sie gelernt.

Die Farben der grönländischen Siedlungen

Jeder kennt die anheimelnden Bilder der bunten Häuschen des Nordens. Während in Schweden das Falun-Rot vorherrscht, gibt es in grönländischen Dörfern ein breites Farbspektrum. Hätte man mich gefragt, meine Theorie wäre gewesen, dass man in einem Land mit 10 Monaten Winter einfach ein bisschen Farbe braucht. Da hätte ich aber den Praxissinn der Grönländer heftigst unterschätzt. Früher hatten die Farben, in denen die Häuser der Grönländer gestrichen wurden, nämlich bestimmte Bedeutungen. So konnte sich auch ein Fremder, der zum ersten Mal in einen Ort kam, sofort zurechtfinden. Allerdings variieren die Angaben, welche Farbe welches Gebäude kennzeichnete. Folgendes hat uns unserer Guide aber erklärt:

Grün – Ein Laden oder ein Geschäft
Gelb – Arzt oder Krankenhaus
Rot – Gebäude der Gemeinde, zum Beispiel die Schule
Blau – Privathaus, bzw. Fischerei und Seefahrt

Lost Place Qullissat

Grönländische Hausnummern

Jetzt wissen wir also, wie wir ein bestimmtes Gebäude an der Farbe erkennen. Das ist auch gut, denn versucht man es mit einer konkreten Adresse, fällt der Blick schnell auf die zwei Hausnummern. Zwei? Ja, viele Häuser in Grönland haben nicht nur eine Hausnummer, sondern zwei. Wie kommt das? Früher wurden die Hausnummern in grönländischen Siedlungen chronologisch vergeben, wer also das erste Haus baute bekam die Nummer 1, das zweite die 2 usw. Dabei war es egal, an welcher Stelle die Häuser errichtet wurden. Der dänischen Regierung war dieses Kuddelmuddel ein Graus und sie entschied, dass man das so doch bitte einfach nicht machen könne. Also wurden die Häuser nach europäischer Sitte neu durchnummeriert, sodass viele Häuser bis heute zwei unterschiedliche Nummern haben. Ob das den Briefträger jetzt weniger verwirrt?

Kleine Flaggenkunde

Aus dem Pool der skandinavischen Flaggen sticht die grönländische heraus: Sie zeigt einen roten Halbkreis auf weißem Grund und einen weißen Halbkreis auf rotem. Von Schweden, Norwegen, Finnland, Dänemark und Island kennt man stattdessen das „Skandinavische Kreuz“ auch Philippuskreuz genannt. Dass sich diese Flaggen alle ähneln hängt mit der eng verwobenen Geschichte der Länder zusammen. Auch Grönland hätte beinahe eine solche Flagge erhalten: 1983 fand ein Referendum statt, in welchem das Volk entschied, wie die zukünftige Flagge aussehen sollte. Favorit war zunächst auch ein Kreuz, weiß auf grünem Grund. Letztlich hat man sich aber für den gespiegelten, rot-weißen Halbkreis entschieden, der die im Meer versinkende Sonne darstellt. Mich erinnert das Design ein bisschen an die Flagge der Samen.

Die Legende von der Disko-Insel

Ich habe während meiner Zeit in Grönland ja nur einen Bruchteil dieses riesigen Landes zu Gesicht bekommen, dafür aber einen sehr spektakulären. Die Disko-Insel und die sie umgebende Disko-Bucht bieten alles, was man sich von Grönland wünscht: Eisberge, Fjorde, Gletscher, Tundra und Wale. Zu der Insel selbst existiert auch eine Legende. Angeblich lag die „Große Insel“ ursprünglich viel weiter südlich vor der westgrönländischen Küste. Dort versperrte sie den Menschen aber die Sicht aufs Meer, weshalb zwei Schamanen sie an ein Kinderhaar banden und mit Hilfe ihrer Gesänge und Kajaks weiter gen Norden zogen. Denn die Sicht auf’s Meer bedeutet den Grönländern eine Menge. Kein Wunder, in einem Land, in dem nur die Küsten bewohnbar sind.

Missionierung

Wie fast alle Ureinwohner durften auch die Grönländer natürlich nicht in ihrem heidnischen Glauben verweilen, man musste ihre Seelen ja vor der Hölle retten, in die sie gar nicht gekommen wären, hätte man ihnen nichts davon erzählt. Da in Grönland aber alles ein bisschen anders ist, wussten die Menschen dort mit dem Satz „Unser täglich Brot gib uns heute“ wenig anzufangen, aus dem einfachen Grund, dass sie Brot gar nicht kannten. Ein besonders trickreicher Missionar soll den Satz daher wie folgt für seine Schäfchen übersetzt haben: „Unseren täglichen Seehund gib uns heute.“

Keine letzte Ruhe

Gestorben wird immer, natürlich auch in Grönland. Überall findet man dort kleine Friedhöfe, die meist ihren ganz eigenen Charme haben. Grundsätzlich dominiert aber eine Vorliebe für einheitlich weiße Kreuze und überbordenden, bunten Plastikblumenschmuck. Manchmal sogar noch mit Heliumballon. Wichtig ist aber, wie wir schon wissen, dass die Toten einen guten Blick aufs Meer haben. Denn der Ozean spielt in den Leben der Grönländern eine große Rolle, damals wie heute.

Während Plastikblumen natürlich ein Phänomen unserer Zeit sind, existieren auch viel ältere Gräber in Grönland. Aufgrund der meist gefrorenen Erde war es natürlich nicht so einfach, die Toten in ihr zu bestatten, weshalb diese oft in Steinhügeln ihre letzte Ruhe finden sollten. Haben wir diese auf unseren Wanderungen entdeckt, konnten wir manchmal sogar Schädelknochen erkennen, wenn wir durch die Steine hindurchspähten. Und jetzt kommt etwas, was mich richtig wütend macht: Unser Guide hat uns gebeten, nicht zu genau zu beschreiben, wo wir solche Gräber gefunden haben, da es tatsächlich abartige Menschen gibt, die diese plündern um die Knochen auf ebay zu verkaufen. Auf ebay. Hallo?! Wie respektlos kann man sein?!

Okay, ich gebe zu, das war jetzt kein besonders lustiger Fakt, aber ich musste es trotzdem loswerden. Ich hoffe, euch haben die Hintergrundinfos zu Grönland gefallen.

Bis bald und gute Reise!

Ein Gedanke zu “Grönländische Kuriositäten: Funny Facts über die größte Insel der Welt

  1. Ja, liebe Anuschka, auch mich hat die Reise tief berührt: die unendliche Weite der Landschaft, die Stille, die nur vom Kreischen der Vögel oder dem Abbrechen der Eisberge unterbrochen wurde, das unendliche Schauspiel der vorbeiziehenden Eisberge, einer großartiger als der andere, die Vielfalt der blühenden Pflanzen im Miniformat, die bunte Farbtupfer in die Tundra setzen…Und natürlich unser Schiff, die Cape Race, dort haben wir uns von Anfang an wohlgefühlt, behütet vom umsichtigen Kapitän Kim und seiner engagierten, sympathischen Mannschaft. Schön, dass wir das alles mit dir teilen durften.

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