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Dachzeltdorf Borkenberge: Ein Erfahrungsbericht

Kaum war der Wunsch nach dem Dachzelt da, bin ich auch schon auf die Community der Dachzeltnomaden gestoßen, eine Art Online-Imperium für Dachzeltenthusiasten. Und kaum hatte ich mein Zelt und mich dort glücklich als neue Besitzerin vorgestellt, kam auch schon die erste Einladung: Besuch uns doch mal im Dachzeltdorf Borkenberge bei Lüdinghausen!

Erste Frage: Was ist ein Dachzeltdorf?

Ein Dachzeltdorf ist quasi ein Testgelände, auf dem man verschiedene Dachzelte ausprobieren und probeliegen kann. Jetzt hab ich aber doch schon eins? Kein Problem, komm vorbei, stell dich dazu, mach dir ’ne gute Zeit! Klingt gut, für den ersten Trip genau das Richtige: Treffen mit Gleichgesinnten, im Zweifel jemanden der bestimmt gute Tipps und Ratschläge geben kann, außerdem Toiletten, Duschen und Spülbecken in der Nähe. Und: Ein Lagerfeuer! Da hab ich ganz fix zugesagt!

Sobald das Wetter schön genug ist packe ich also alles in meinen Jimny, von dem ich glaube, dass ich es gebrauchen könnte und los geht’s. Ich hätte mir das Ganze vielleicht nochmal genauer im Internet anschauen sollen, dann wäre ich nicht so überrascht gewesen. Es handelt sich nämlich nicht nur um ein kleines Dorf im Wald, das Ganze ist Teil eines großen Campingareals für alle möglichen Arten von Campern ist. Nämlich der Campingplatz Naturpott Borkenberge.

Wir hatten schon im Vorfeld sehr netten Kontakt zu den Bertreibern des Dorfes und als wir ankommen wird uns sofort der Weg über das große Campinggelände gewiesen. So rollen wir dann erstmal an Dethleffs und Bürstnern vorbei, bis wir zu unserem lauschigen kleinen Platz unter zwei Eichen kommen. Direkt daneben befindet sich das Dorf mit den Testzelten und der Feuerstelle. Und hier wartet dann die große Überraschung.

Willkommen bei den Wohnmobilfreunden

Wir sind wohl dieses Wochenende nicht ganz so unter uns, wie gehofft. Denn neben unserem Platz ist die Hölle los: Ein Aufbauteam, das gerade ein Festzelt, Bierbude und Boxen hochzieht. Ein Entertainer mit nordischer Seemannskluft überwacht Alles von einem dreirädrigen roten Gefährt, mit dem er hupend von A nach B saust. Direkt neben dem uns zugewiesenen Platz. Was ist denn das?

Da kommt schon Marc auf uns zugeeilt, er ist der Untermieter des Campingplatzes, der das Dachzeltdorf betreibt. Und er entschuldigt sich, es tut ihm total Leid und er wusste es selbst nicht. Aber dieses Wochenende findet das Jahrestreffen der Dülmer Wohnmobilfreunde statt! Mit Bier und Wurst und Bumsfallera! Ju..huuuu?

Nun gut, ich bin nicht gewillt, mir diesen Trip von irgendwas vermiesen zu lassen, also bauen wir das Zelt auf, packen Tisch und Stühle aus, machen es uns gemütlich und beobachten erstmal. Kann ja auch ne interessante Sozialstudie werden. Zunächst sind wir von der Musikauswahl doch überrascht. Die Playlist ist in etwa von 2006, mit Tokio Hotel und Juli. Das hätten wir jetzt beim Durchschnittsalter der Wohnmobilfreunde nicht erwartet und als dann American Idiot von Green Day über den Platz schallt, fühlen wir uns eigentlich ganz wohl.

Überraschender Besuch im Dachzelt

Zeit für’s Abendessen! Wir fabrizieren ein schnelles Gericht aus Rührei mit Käse, Kräutern und Gemüse und genießen die letzten Sonnenstrahlen, die unseren eigentlich so friedlichen Platz bescheinen. Zum Spülen begeben wir uns zum hübschen, hölzernen Waschhaus, wo man nicht nur auf Toilette gehen und duschen, sondern eben auch im Außenbereich sein Geschirr säubern kann. Sogar mit warmem Wasser.

Mit Handtuch über der Schulter und Spül auf der Hüfte schlendern wir zurück zu unserem Wagen. Wir sind noch ein paar Meter entfernt, als sich ganz zielstrebig ein älteres Paar aus den Reihen der Wohnmobilfreunde löst und sich unserem Setup nähert. Es wird keinen Moment gezögert: Die Dame klettert ungeniert die Leiter zu unserem Schlafzimmer hoch. Mein Freund und ich sehen uns verdutzt an und er sagt ganz freundlich zu dem Herrn, der die Leiter festhält: „Hallo.“ Der Mann erwidert den Gruß, dreht sich aber direkt wieder um und rechnet wohl damit, dass wir weitergehen. Ähm nee, wir wohnen hier.

„Können wir Ihnen irgendwie helfen?“, versucht mein Freund es nochmal. „Nein, danke.“ Nun dreht der Mann sich allerdings richtig um und sieht uns an. Schlagartig geht ihm ein Kronleuchter auf. Hektisch beginnt er an der Hose seiner Frau zu zubbeln, deren Kopf in unserem Zelt verschwunden ist. „Schatz! Schatz! Komm da runter, das ist nicht…!“ stammelt er. Der Kopf der Dame erscheint, auch sie erfasst die Situation und fällt vor Schreck fast von der Leiter: „Oh Gott, wir dachten, das wäre so ein…so ein Ausstellungsstück, es tut uns so Leid!“ Lachend biete ich ihr an, dass sie sich gerne alles in Ruhe ansehen können, aber den beiden ist das Ganze so peinlich, dass sie fast vor uns weglaufen.

Nun gut, die beiden werden wohl keine Dachzelter mehr.

Die Hölle nebenan

Die Woche war lang, die Woche war hart, wir sind entsprechend müde und krabbeln noch bevor es ganz dunkel ist, die Leiter zu unserem kuscheligen Bett in luftiger Höhe hinauf. Es ist auch überraschend bequem und wir könnten es hier bestimmt gut aushalten. Zumal mein Freund die Veranstalter nebenan gerade noch davon abhalten konnte, den Scheinwerfer direkt auf unser Dachzelt zu richten. Alles tutti also. Wenn nicht, ja wenn nicht mittlerweile die Playlist gewechselt und den Sprung ins Land der Schrecklichkeiten gewagt hätte: Sie spielen Schlager.

Zu meinem Entsetzen und der absoluten Irritation meines Freundes kenne ich die meisten Lieder sogar: Weiße Rosen aus Athen, Griechischer Wein, Jenseits von Eden, Er gehört zu mir, Griechischer Wein, Du hast mich tausend Mal belogen, Griechischer Wein… Es kristallisiert sich eine Vorliebe zu geistigen Getränken aus der Mittelmeerregion heraus und als Udo Jürgens zum vierten Mal ansetzt, kann ich nicht mehr.

Nach müde kommt ja bekanntlich blöd und auch nach dem zweiten Mal saß der Text bereits. „Griechischer Wein, ist so wie das Blut der Erde, komm, schenk mir ein…“ kichere ich meinem Freund zu. Vielleicht sind es unsere Kölner Wurzeln, denn auch er stimmt fröhlich und ohne jede Kenntnis der Melodie bei „Dschingis Khan“ ein. Seine Version erinnert irgendwie eher an „Spiderschwein“ und gibt mir den Rest, das Kichern wächst sich zum Lachflash aus. „Was ist denn, Anuschka? Wer will schon Ruhe und Vogelgezwitscher? Dschingis Khan, Dschingis Khan!“

Irgendwann versinken wir im Schlagerkoma und werden nur noch durch das Rumsen geweckt, mit dem der Bierwagen seine Läden um Mitternacht schließt.

Campingplatz Naturpott Borkenberge

Der nächste Morgen zieht auf und bringt bestes Wetter mit. Zeit, sich mal ein bisschen umzuschauen. Der Campingplatz bietet neben dem kleinen Dachzeltdorf auch noch weitere Attraktionen: Da ist der große Spielplatz, ein eigener Natur-Pool und die Möglichkeit, E-Bikes auszuleihen. Dazu aber in einem anderen Artikel mehr! Der Campingplatz ist übrigens tipp topp in Schuss, alles ist sauber und gepflegt und man kann sich hier rundum wohl fühlen. Also abgesehen von ihr wisst schon. 😉

Der Tag geht schnell und schön vorbei und als wir abends wieder an den Campingplatz kommen, werden wir schon sehnsüchtig erwartet. Wieder ein Wohnmobilfreund. „Endlich ist hier mal jemand! Ich habe Fragen! Wie hält denn das Ganze, warum kracht das nicht zusammen?“ Wir scheinen auf jeden Fall die Neugierde zu wecken.

Kurz darauf hält dann etwa 50 Zentimeter neben uns ein Auto, die Insassen öffnen den Kofferraum und holen jede Menge Equipment raus. Ah, heute gibt es wohl Live-Musik! Auch hier bin ich wieder ein Feigling und verstecke mich hinter meinem Freund, als der darauf hinweist, dass das Auto doch etwas nah an unserem stehe und darum bittet, die Plätze gegenüber zu nutzen. Ich sollte echt mal lernen, Konfrontationen einzugehen. Grummelnd setzen die Musiker den Wagen weg und wir kochen Abendessen.

Lagerfeuer und Stockbrotromantik

Kurz darauf lädt uns Marc sozusagen etwas mehr ins Dachzeltdorf ein, dort gibt es heute Abend Stockbrot am Lagerfeuer. Glücklich bringen wir etwas Abstand zwischen und und die Wohnmobilfreunde und setzen uns an die Flammen. Hier lernen wir Benni kennen, der mit seiner 11-jährigen Tochter dachzeltet und die junge Dame und ich fachsimpeln direkt über die Vorteile von Fjällräven-Rucksäcken. Auch ein weiteres Paar ist da, die eins der bereitgestellten Dachzelte ausprobieren und Marc gesellt sich mit Hund Tapas zur illustren Runde.

Von meinem Soldaten-Freund habe ich ja gelernt, dass es ein einfaches Mittel gibt, um eine heterogene Gruppe schnell zusammenzuschweißen: Ein gemeinsamer Feind! Aber wir nehmen es alle mit Humor so gut wir können, werfen ab und an einen zweifelnden Blick zu den Wohnmobilfreunden und ich kann mir nicht verkneifen, bei Griechischer Wein mitzusummen. Allerdings muss ich den Text mit der Drohung versehen: „Ich schenk dir gleich ein, aber rechts und links, du!“ Aber um sich ernsthaft aufzuregen ist es viel zu schön. Die Sterne funkeln, der Mond leuchtet, die Flammen prasseln und nach und nach beweisen wir alle unsere Inkompetenz im Umgang mit Stockbrotteig.

Als Luisa, Marcs Partnerin und ausgewiesene Stockbrotfachfrau, kommt, wird es auch höchste Zeit, denn bestimmt ein halbes Kilo Teig schmort mittlerweile in der Glut. Naja, Übung macht die Meisterin!

So hatte ich mir das vorgestellt. Also nicht die Verschwendung von Nahrungsmitteln, aber dieses Gefühl von Gemeinschaft, der Austausch, das Lachen, die geteilte Erfahrung im Dachzeltdorf. Happy kuschele ich mich in meinen Campingstuhl und bin jetzt endlich sicher: Der Jimny und das Dachzelt waren die richtige Entscheidung. Und beim nächsten Mal gibt es dann bestimmt auch Vogelgezwitscher!

PS: Marc und Luisa arbeiten an einer Möglichkeit ihre Dachzeltler vorab zu informieren, wann weitere Veranstaltungen auf dem Campingplatz stattfinden! 😉

KOOPERATION: Ich bedanke mich ganz herzlich für die Einladung das Dachzeltdorf zu testen! Dieser Beitrag wurde nicht bezahlt, aber ich habe dafür kostenlos übernachten dürfen. Ich habe keine Vorgaben zu dem Inhalt des Artikels erhalten und hier frei meine persönliche Meinung über das Dachzeltdorf geschrieben.

4 Comments

  • Frank Kratz

    Diese Erfahrung halte ich für mutiger als im Dschungel allein ohne Ausrüstung 8 Tage zu leben. Lach.
    Nein, das könnte und wollte ich nicht. Diese Herrschaften mit Wohnmobilen größer als ein Bus und teurer als ein Mehrfamilienhaus in München Grünwald.
    Dein Mann muß ein super Typ sein, daß er solche Dinge mitmacht.
    Viele Grüße
    Der
    Frank

    • Rosa

      Hey Frank, wie schön, dass du auch diesen Artikel gelesen hast! Ich freu mich wie immer sehr über dein Feedback!
      Ich sag mal so: Unseren nächsten Ausflug wünschen wir u s auch etwas einsamer, ruhiger und naturverbundener! 😀
      Noch ist er nicht mein Mann, aber das ändern wir nächstes Jahr. Und ja, er ist genau der richtige für mich und den ganzen Blödsinn, den ich so veranstalte. 🙂
      Hab noch einen schönen Sonntagabend.
      Liebe Grüße
      Anuschka

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