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Romantischer Spaziergang durch Marburg: Grimm dich-Pfad

Nun wohnen wir schon über einen Monat in Kirchhain bei Marburg und hatten auch ein bisschen Zeit, unsere neue Heimat kennenzulernen! Was soll ich sagen? Marburg ist wunderschön und hat jede Menge zu bieten. Ein absolutes Highlight ist für mich der „Grimm dich-Pfad“, der auf den Spuren der Märchen der Brüder Grimm durch die Stadt führt.

Der Weg selbst ist nur knapp 2 km lang, aber es geht rauf und runter durch die Kopfsteingassen! Uns erwarten 15 Stationen, teils ganz offensichtlich, teils etwas versteckt. Wer einen QR-Code-Scanner auf dem Handy hat, kann an jeder Station einen Links scannen und kommt so direkt zum Text des Märchens. Weitere Infos gibt es leider nicht, was ich sehr schade finde, aber im Zweifel hilft Google ja weiter. 😉

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Von dem Fischer und seiner Frau

Start im Alten Botanischen Garten

Der erste Stopp führt uns in den Norden Marburgs, in den Botanischen Garten in der Nähe der Uni-Bibliothek. Betreten kann man den Garten von jeder Seite und auch der Fisch ist nicht schwer zu finden. Schließlich gibt es nur einen größeren See. Dort dümpelt er ganz friedlich vor sich hin und wartet darauf, netten Fischern und ihren nicht ganz so netten Ehefrauen zu zeigen, dass Gier sich nicht lohnt.

Direkt am Ufer ist eine Bank und so kann man sitzen und das Märchen in Ruhe lesen. Aber auch ein weiterer Spaziergang durch den Garten lohnt sich, schließlich findet sich hier ein tolles Kräuterbeet und andere spannende Pflanzen.

Der Wolf und die sieben Geißlein

Trophäenköpfe an der Mauer im Steinweg

Wir verlassen den Garten Richtung Pilgrimstein und nehmen die kleine Gasse zwischen den Häusern gegenüber der Bibliothek, um zum Steinweg zu gelangen. Hier wird es dann märchenhaft bedrohlich, denn von der Mauer schaut uns der Wolf, umrahmt von den Geißlein an.

Allerdings kann er uns wohl nicht mehr verschlingen, hängt sein Kopf doch selbst wie eine Jagdtrophäe zwischen seinen Opfern. Die zählen nur sechs, ob das wohl daran liegt, dass das siebte sich in der Standuhr versteckt hat? Wer ganz aufmerksam ist findet es vielleicht in der Umgebung. 😉

Ich persönlich habe ja ein großes Faible für Wolfs-Märchen und bin daher von dieser Station schon sehr angetan. Was uns wohl als nächstes erwartet?

Der Froschkönig

Hast du eine goldene Kugel dabei?

Nun, wir wechseln die Tierart, denn nun erwartet uns eine Amphibie und eine königliche noch dazu! Wenn wir dem Steinweg Richtung Süden folgen, kommen wir zur Neustadt und dort, an der Wasserscheide, thront der Froschkönig. Mit Krone und Kugel presst er ein Buch an sich und wartet darauf, von der Prinzessin erlöst zu werden. Soweit ich weiß, spielte ein Kuss eine Rolle, allerdings auch ein Wurf gegen die Wand…Ich sollte wohl nochmal nachlesen!

Was meinen tatsächlich meist grün gekleideten Frosch angeht, versuche ich es mal mit der sanfteren Methode!

Krieger’sche Leihbibliothek

Leider nichts zu holen

Wir folgen der Straße, die zur Wettergasse wird und auf Höhe der Abzweigung Aulgasse erwartet uns die vierte Station unseres Marburger Märchens. Die Krieger’sche Leihbibliothek. Was es damit auf sich hat würde ich euch zu gerne verraten, doch das Haus war wegen Bauarbeiten geschlossen. Und da es ja leider nirgendwo weiterführende Informationen zu den einzelnen Stationen des Grimm dich-Pfads gibt, müssen wir ahnungslos weiterziehen.

Sterntaler

Lyrische Sternschnuppen an der Kirche

Der nächste Halt ist jedoch nur wenige Meter die Gasse hinab entfernt, hier erwartet uns das Sterntaler an der Alten Universitätskirche. Was mir aber noch viel besser gefällt als die Installation an der Mauer, sind die vielen Bücher, die offen herumliegen.

Wie bitte?, wird sich der ein oder andere fragen. Ja, in dem kleinen Kirchhof finden sich nicht nur die Geschichte von Sterntaler, sondern auch andere Kometen der Literaturgeschichte und das immer auf deutsch und in der Originalsprache. Mit dem Hobbit, dem Kleinen Prinzen und Pippi Langstrumpf trifft Marburg bei mir voll ins Schwarze!

Das tapfere Schneiderlein

Riesenfliegen an Hausnummer 7

Wir biegen nun scharf rechts ab und folgen den kleinen Gassen wieder bergauf zum Markt und zum Rathaus. Als erstes fällt mein Blick allerdings nicht auf etwas Märchenhaftes, sondern auf die schöne Symbolik: Ein großes Peace-Zeichen, ganz aus Blumen lehnt am Historischen Rathaus. Hach, es war eine gute Entscheidung, hierhin zu ziehen. Hier ist die Stimmung doch etwas anders, als in Ostwestfalen.

Suchend blicke ich mich also nach dem nächsten Märchen um und wundere mich etwas über die großen, hässlichen Metallfliegen an Haus Nummer 7. Und dann dämmert es langsam: 7 Fliegen, 7 auf einen Streich, das ist…das tapfere Schneiderlein!

Haus der Romantik

Background-Wissen rund um die Grimms

Der nächste Halt des Grimm dich-Pfads ist nicht weit, wir müssen nur einmal den Marktplatz überqueren. Dort, im Haus der Romantik, erwartet uns eine Ausstellung zu Jakob und Wilhelm Grimm und ihren Märchen.

Hierzu kann ich euch leider noch nichts verraten, denn obwohl ich mir die Ausstellung ganz unbedingt ansehen möchte, hatte ich bisher noch nicht die Zeit dazu. Aber ich bin sicher, für Märchen-Fans lohnt es sich!

Rotkäppchen und der Wolf

100 Liter Wein hinterm Zaun

Hinter dem Haus der Romantik wenden wir uns nach links, der Treppe zu, die den Berg hinauf führt. Ich bin ein bisschen aufgeregt, wartet doch als nächstes mein Lieblings-Märchen auf uns. Ich sagte es ja schon, das Wolfs-Faible…

Nun ja, ich bin doch etwas enttäuscht. Tief im Inneren hatte ich auf einen schaurig-schönen, gruseligen Wolf in Überlebensgröße gehofft, auf dem man vielleicht sogar reiten kann. Jaja, die Fantasie geht mit mir durch, aber ehrlich: Marburg provoziert das! Stattdessen gibt es jedenfalls einen Korb mit Wein in Überlebensgröße. Da kann ich meinen Kummer wohl locker drin ertränken. Wenn nur der olle Zaun nicht wäre!

Schneewittchen und die sieben Zwerge

Zwerge im Spiegel

Wir queren die Ritterstraße und folgen nun der Landgraf-Phillipp-Straße weiter bergauf. Links und rechts halte ich Ausschau nach Gartenzwergen, Äpfeln oder gläsernen Särgen, aber natürlich ist es der Spiegel, der dieses Märchen symbolisiert.

Dass sich irgendjemand wie die Schönste im Land vorkommt, wenn er oder sie sich darin betrachtet, wage ich allerdings stark zu bezweifeln. Man fühlt sich eher den Zwergen zugehörig, die auf kurzen Beinen hackeschwingend zur Mine stapfen. Hei ho!

Aschenputtel

Der Schuh ist wohl nicht zu klein!

Kurz vor dem Schloss erwartet uns das nächste Märchen, Aschenputtel alias Cinderella. Ich meine mich zu erinnern, dass es im Originaltext heißt: „Ruckediguuu, Blut ist im Schuh, der Schuh ist zu klein, die rechte Braut sitzt noch daheim!“ als Aschenputtels böse Stiefschwestern versuchen, sich in den gläsernen Schuh zu zwängen.

Ähm, tja. Einerseits gefallen Marburgs Aschenputtel rote Pumps wohl deutlich besser, als Glas. Gut, verstehe ich, sind auch deutlich praktischer, gerade zum Treppensteigen. Aber dass dieser Schuh irgendwem zu klein sein soll? Aschenputtel hat wohl Riesenblut in den Adern! Aber ich sollte leise sein, schließlich haben mein Freund und ich auch die gleiche Schuhgröße. 😀

Das blaue Licht

Was tut es? Es leuchtet blau!

Die nächste Station des Grimm dich-Pfads nennt sich im Flyer schlicht „Das blaue Licht“. Hat es was mit Rambo zu tun? Nein, es handelt sich um den beleuchteten Tiefenbrunnen im Gewölbekeller des Schlosses. Dieses haben wir nun nämlich erreicht. Da man den Keller aber nur mit Führung betreten darf, ich überdies noch nie von einem Märchen mit blau leuchtendem Brunnen gehört habe und das Wetter und die Aussicht viel zu schön sind, schenken wir uns den Stopp.

Stattdessen schauen wir uns im Schlosshof um und entdecken den Eberbrunnen und den Fledermausautomaten. Letzterer spielt die Laute ab, die unterschiedliche Fledermausarten wohl von sich geben. An meinem Gesichtsausdruck könnt ihr ablesen, dass ich damit nicht gerechnet hatte!

Zitat von Jakob Grimm

Kein Fan von Marburg

Nachdem es immer weiter hinauf ging, müssen wir nun natürlich wieder runter und das geht über die Ludwig-Bickell-Treppe direkt unterhalb des Riesenschuhs bei Bückings Garten. Hier erwartet uns ein Zitat von Jakob Grimm, das ich mit wachsendem Erstaunen gelesen habe. Am Ende konnte ich mir ein Lachen nicht verkneifen. Es fing so gut an, aber er scheint dann doch nicht so angetan von Marburg gewesen zu sein, wie ich es bin.

„Die Lage Marburgs und umliegende Gegend ist gewiß sehr schön. Besonders wenn man in der Nähe des Schlosses steht und da herunter sieht, die Stadt selbst aber sehr häßlich. Ich glaube es sind mehr Treppen auf den Straßen als in den Häusern. In ein Haus geht man gar zum Dache hinein.“

Wohnhaus Professor Savigny

Wer war denn das?

Am Ende der Treppe wenden wir uns nach rechts in die Ritterstaße, zum Wohnhaus des Professors Friedrich Carl von Savigny. Hier zeigt sich leider wieder einmal die Schwäche des Grimm dich-Pfads, was Zusatzinfos anbelangt. Aber die Suchmaschine des Vertrauens spuckt aus, dass Professor Savigny ein Lehrer der Grimm-Brüder war.

Bei ihm haben sie Clemens Brentano kennen gelernt, der Anfang des 19. Jahrhunderts ebenfalls in Marburg lebte. Und auch ihre Liebe zu deutschem Lied- und Volksgut haben sie so entdeckt. Allerdings wollten sie nicht selbst schaffen, sondern sammeln, kategorisieren und bewahren und so entstand die erste Sammlung deutscher Kinder- und Hausmärchen.

Hänsel und Gretel

Lange gesucht und doch gefunden!

Ja, so ein Hexenhaus im Wald ist nicht einfach zu lokalisieren. Dabei hätte ich nur mal scharf nachdenken müssen: Wo würde sich die kinderfressende Hexe wohl am ehesten in Marburg positionieren? Richtig, auf einem Spielplatz! Dieser liegt etwas versteckt hinter einem märchenhaften Tor. Kleiner Tipp: Hier nicht an die Beschreibung im Flyer halten, sondern einfach Spielplatz Kugelgasse bei Maps eingeben. 😉

Tatsächlich wartet hier aber nicht nur die böse Hexe, die einen Finger nicht von einem Stock unterscheiden kann, sondern auch Rapunzel und Frau Holle sind zu Besuch. Und wer genau hinschaut findet hier vielleicht auch den reitbaren Wolf!

Historischer Stadtplan Marburgs

Es kann ja nicht nur Highlights geben

Es geht wieder treppab durch Marburgs schöne Gassen und an einer Ecke lauert dann auch der vorletzte Halt des Grimm dich-Pfads: Ein historischer Stadtplan aus der Zeit der Grimms. Ich hätte ihn fast übersehen, so wie ich die Treppe hinuntergestolpert bin. Er ist am Rübenstein 1, gegenüber der Wendelgasse 4.

Und er ist, nun ja, ein Stadtplan. Nicht über die Maßen faszinierend ehrlicherweise. So langsam knurrt auch der Magen und so zieht es uns zurück in belebtere Straßen.

Wohnhaus von Jakob Grimm

Immer noch kein Fan von Marburg!

Folgt man der Gasse hinab zur Barfüßerstraße, dann ist es geschafft! Man steht vor dem hübschen, blauen Fachwerkhaus, in dem die Brüder Grimm gewohnt hat. Mir gefällt es sehr, wirkt es doch so verträumt und romantisch.

Aber das scheint auch Herr Grimm ganz anders gesehen zu haben, denn die Inschrift verrät, dass er immer noch nicht besser von der Stadt dachte, ärgerte er sich doch über die Treppen, Hundegebell und den Krach der Holz fahrenden Bauern.

Marburg, ein Märchen zum Verlieben

Im Gegensatz zu Herrn Grimm gefällt es mir in Marburg sehr. Die kleinen Straßen, die bunten Fachwerkhäuser und trotz allem das lebendige, moderne Studentenleben und die Weltoffenheit und Toleranz, die hier demonstriert werden. All das trägt dazu bei, dass ich mich hier sehr wohl fühle.

Und dann habe ich auch noch eine ganz eigene märchenhafte Begegnung: Mit dem gestiefelten Kater!

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2 Comments

    • Rosa

      Hallo Frank,
      danke für dein Lob, es freut mich sehr, dass du den Artikel gelesen hast und interessant fandest! Hab noch einen schönen Sonntagabend. 🙂
      Liebe Grüße
      Anuschka

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