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Urk, Urk, Orca! – Ein Besuch im schönsten Fischerdorf am IJsselmeer

Manchmal entstehen Reisepläne auf die seltsamste Art. So war es bei mir und Urk. Ich surfte so auf meinen Lieblingsseiten herum, als ich über ein Foto stolperte, das eine Art verpixelte Orca-Statue zeigte. Als Orca-Fan der Free Willy-Generation musste ich herausfinden, wo sich das gute Stück befindet. Die Lösung: Es handelt sich um das Werk “Digital Orca” in Vancouver. Mpf, schade. Ein bisschen weit weg, nur um sich eine Statue anzugucken. Aber Moment mal, was ist denn das für ein anderes Bild, das Google da ausgespuckt hat? Das ist ja noch eine ausnehmend schöne Orca-Statue. Und wo steht sie? In Urk. Ist bestimmt irgendwo in Norwegen.

Nein! Urk ist in den Niederlanden, genauer gesagt am IJsselmeer. In greifbarer oder zumindest fahrbarer Nähe also! Seit ich den Urk-Orca entdeckt habe nerve ich meinen Freund also mit meinem Wunsch nach einem Ausflug in dieses malerische Fischerdörfchen. Irgendwann erliegt er meinen verlockenden Urk!-Urk!-Rufen und stimmt zu. Auch mein sonstiger Einfluss auf ihn ist unverkennbar, denn als ich ihm ein Bild von der Statue unter die Nase halte, sagt er fachmännisch: “Ah, der ist wohl instagramtauglich, was?” Recht hat er. Und so hat mich eine Orca-Obsession und eine Google-Bildersuche nun nach Urk geführt.

Wie kommt aber der Orca nach Urk? Das IJsselmeer ist ja nun nicht für seinen Reichtum an Schwertwalen bekannt. “De Orca” ist eine Skulptur, die 1968 zum 1000-jährigen Bestehen der Stadt enthüllt wurde. Urk war ursprünglich eine Insel und hieß Ork, da war der Orca wohl naheliegend. Also für irgendwen. Mich freut’s jedenfalls. Und je näher wir dem kleinen Städtchen komme, desto aufgeregter werde ich.

So gibt es für mich auch kein Halten mehr, nachdem wir den Wagen abgestellt haben. Ich stürme in den Hafen, entdecke den Orca und tänzel fotografierend um ihn rum. Mein Freund bemerkt nur trocken: “Man sieht, dass er mal wieder ins Wasser müsste.” Ich gebe zu, er ist etwas ausgeblichen, aber er gefällt mir trotzdem ausnehmend gut! Und dann sprüht er auch noch eine Fontäne aus seinem Blasloch! Ich bin hin und weg.

Nur mühsam schafft mein Freund es, mich vom Orca zu lösen, doch Urk hat noch so viel mehr zu bieten. Der Hafen mit den Booten und Schiffen, der jedes maritime Herz höher schlagen lässt, der malerische kleine Leuchtturm, das Museum, die kleinen Straßen und Gassen, der Blick auf’s IJsselmeer…

De Kaap – Restaurant mit der besten Aussicht

Als wir um eine Ecke biegen, stehen wir vor einem Restaurant mit Glasfront und kleiner Terrasse, auf der sich massenhaft Spatzen (?) tummeln. Mein Freund beschließt, dass hier ein guter Ort für ein Bier ist. Und wieder hat er Recht. Denn die sehr freundliche Bedienung bringt nicht nur Bier und Saft, sondern bietet mir, die ich auf dem Boden rumkruffe und die Vögel fotografiere, sofort eine Scheibe Brot an, um die possierlichen Tiere zu füttern. Es folgt ein disneyesker Prinzessinnentraum.

Obwohl das IJsselmeer nicht die offene See ist, schlägt das Wetter schnell um und als es zu nieseln beginnt, suchen wir kurz Schutz im Innern des Restaurants. Der Ausblick ist aber auch zu schön und mit einem heißen Tee lässt sich auch der Regen genießen. Im Touristenheftchen erfahren wir, das wir unwissenderweise das große Los gezogen haben, denn De Kaap ist eine der beliebtesten Adressen in Urk.

Eigentlich ist es ein Fischrestaurant, so dass mein Freund, der keinen Fisch mag und ich als Vegetarierin hier wohl fehl am Platze wären. Da wir aber beide etwas in der Karte finden, beschließen wir, auch das Abendessen hier einzunehmen und reservieren einen Platz für später. Denn da es gerade nicht regnet, wollen wir jetzt noch ein bisschen Urk erkunden.

Doch Pustekuchen: Das Wetter hat andere Pläne und als wir aus der Tür treten, beginnt es schon wieder wie auf Kommando zu schütten. Also rückwärts wieder rein. So verbringen wir insgesamt einige Stunden im De Kaap. Aber ich kann mir ehrlich gesagt nichts besseres vorstellen, als aufs Meer zu schauen und leckere Dinge serviert zu bekommen.

Things to do und Sehenswürdigkeiten in Urk

Ommelebommelestien

So ganz sicher bin ich mir nicht, wo sich dieser ominöse Stein befindet, bzw., was es damit auf sich hat. Wenn ich es richtig verstanden habe, handelt es sich aber um einen kleinen Felsen etwa 70 Meter vor der Küste, von dem man früher glaubte, dass dort auf magische weise Babys auftauchten. Ich kann mir schon denken, wie die dahin kamen, aber den Stein konnte ich trotz intensivem Aufs-Meer-starren nicht entdecken. Vielleicht habt ihr ja mehr Glück! 🙂

Urker Vissersmonument

Hier streicht einem die Tiefe der See mit eiskalten Fingern über den Rücken und hinterlässt eine Gänsehaut. Der kleine Platz ist von einer Mauer umgeben, an der sich Tafel neben Tafel reiht. Auf jeder stehen die Namen derer, die das Meer nicht hat zurückkehren lassen, beginnend im 19. Jahrhundert, die letzten Einträge sind von 2019. Zwischen all diesen Verschollenen wartet die steingewordene Verkörperung der Sehnsucht, die Geliebte des Fischers, die suchend aufs Meer blickt.

Leuchtturm “Vuurtoren van Urk”

An der kleinen Landspitze Urks steht der Leuchtturm. Mit seinen 18,5 Metern Höhe ist er nicht der höchste, wirkt aber dennoch stattlich. Zwar wird er heutzutage vollautomatisch betrieben, aber der letzte Leuchtturmwärter fühlt sich “seinem” Bauwerk immer noch verbunden und führt ab und an kleine Touren.

Aufs IJsselmeer und drumherum

Es gibt verschiedene Möglichkeiten, das Meer aus nächster Nähe zu erleben. Entweder mit dem Passagierschiff Zuiderzee oder auch an einem der kleinen Strände. Auch Wassersportmöglichkeiten gibt es hier einige.

Wer lieber festen Boden unter den Füßen hat und gerne strampelt, kann sich natürlich auch ein Fahrrad leihen und die „Runde um das IJsselmeer“ fahren.

Museum im alten Rathaus

Das Museum “Het oude Raadhuis” ist mit Sicherheit keines von Weltrang, aber es bietet interessante und zum Teil skurrile Artefakte zur Geschichte des Ortes Urk und seiner Historie als Insel. Dazu gehört auch die Eindeichung und damit einhergehende Entstehung des IJsselmeers und Flevolands.

Parken und Infos

Wir hatten kein Problem, einen Parkplatz an einer der Hauptstraßen zu finden, aber direkt am Hafen gibt es ebenfalls eine riesige Parkfläche und die ist sogar kostenlos! Von dort sind es nur wenige Meter zum Orca oder zur Touristeninformation. Auch hier lohnt ein Besuch. Die freundliche Mitarbeiterin hat uns ein Heft inklusive Stadtplan und hilfreichen Tipps mitgegeben.

2 Kommentare

  • Stefan

    Was für eine herrliche Geschichte. Wer sich wohl die Orca-Statue ausgedacht hat? Du hast ja Recht, irgendwie ist das weit hergeholt. Aber offensichtlich erfolgreich, wenn es nicht nur euch dorthin lockt.

    Die kleinen Fischerdörfer sind wirklich niedlich. Ich war mal mit einem Holzschiff auf dem Ijeselmeer unterwegs. Würde ich sofort wieder machen. Dann aber mit Zwischenstopp in Urk.

    • Rosa

      Hey Stefan und ahoi! Unterwegs mit einem Holzschiff auf dem IJsselmeer… 😍 Das klingt ja traumhaft!
      Tja, so richtig schlau geworden bin ich aus dem Orca auch nicht, aber ich finde, es sollte viel mehr Orcastatuen geben, die ich dann besuchen kann. 🙂

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