Schlittenhunde Husky Finnland Lappland

Eine Woche in Finnisch Lappland: Mit den Schlittenhunden über den Inari-See

Der Krach ist ohrenbetäubend. Als wir aus unserer Hütte kommen, sind die Schlittenhunde schon vor die Holzschlitten gespannt. Und wir merken sofort, Warten ist nicht ihre Lieblingsbeschäftigung. Sie bellen, sie jaulen und quietschen und dabei werfen sie sich wir irre in ihr Geschirr, sodass die Schlitten hinter ihnen über den Schnee rutschen. Ich habe das Gefühl, ihnen geht es wie mir: Sie können es vor Vorfreude kaum aushalten.

Auf diesen Tag habe ich mich am meisten gefreut. Schon so lange. Auf einem Schlitten stehen, von Hunden gezogen werden, durch die Arktis gleiten. Für mich klingt das nach dem Paradies. Aber bevor ich ins Elysium aufbreche gibt es ein paar kurze Anweisungen von Pekka, dem Hundeführer. Er zeigt uns wo wir auf dem Schlitten stehen, wie wir bremsen, wie man sich in die Kurve legt.

Wir werden zwei Personen pro Schlitten sein und Pekka sagt, der Passagier müsse sich keine Gedanken machen, im Normalfall würde man nur den Fahrer verlieren. Seine Sorge gelte erst den Hunden, dann den Menschen, dann den Schlitten. Na dann, alles klar. 🙂

Unser Team besteht aus vier Hunden, Eva, Vade, Giho und Alonso. Ich bin zuerst der Passagier, zugedeckt mit Rentierfellen lassen wir das Camp hinter uns und fahren auf den See hinunter. Mit 20 Stundenkilometern rauschen wir über das Eis, die Spitzengeschwindigkeit der Hunde liegt bei 35 km/h. Für einen gemütlichen Ausflug wie unseren sind 4er-Teams absolut ausreichend, aber wenn man ein Team von acht Hunden hat, kann man am Tag auch 200 km schaffen.

Nach einer Weile kommen wir zu einer Insel und einigen ins Eis gerammten Holzpfählen, hier werden die Hunde angebunden und wir machen Pause. Und schon jetzt weiß ich, dass ich das alles lernen muss! Wie man die Hunde anschirrt, die finnischen Kommandos, die Knoten, mit denen man die Schlitten anbindet, einfach alles. Ich muss einfach. Aber das ist eine andere Geschichte. Jetzt sind erst mal die Hunde dran, sie haben sich für ihre Mühe eine Kuscheleinheit verdient!

Kuschelpause 3

Dann gibt es heißen Saft und Kekse und Pekka plaudert aus dem Musher-Nähkästchen. Er erklärt, dass vorne die „brains“ und hinten die „muscles“ laufen und dass die Hündinnen echte Tussis sind und sich lieber die Bad Boys statt die hart arbeitenden Schlittenhunde suchen. Und dann ist es endlich, endlich so weit, ich darf mich auf die Kufen stellen. Ich hab das Gefühl, ich muss platzen vor Freude.

Der Schlitten ruckt, die Hunde legen sich ins Geschirr und die Kufen sind frei. Sie gleiten über den Schnee, der in der Sonne glitzert. Alles ist still, nur der Atem der Schlittenhunde ist zu hören, während wir über die endlosen Flächen des Inari-Sees fahren. Möglicherweise, ganz vielleicht rollt mir da eine Glücksträne über die Wange. Und gefriert. Wie ein Kristall Seligkeit.

Auf dem Inari-See

Das Gefühl ist unbeschreiblich, eine Mischung aus Freiheit und Ruhe und Adrenalin und Liebe und Kälte, die in die Haut beißt. Trotzdem möchte ich am liebsten ewig hier stehen. Die Hundepfoten fliegen über den Schnee und die Welt steht still. Gleichzeitig rast sie an mir vorbei und ich falle aus der Zeit. Nie, nie, nie werde ich vergessen, was ich heute erlebe. Der Norden ist in mein Herz eingebrochen und wird dort für immer bleiben. Und damit hab ich gar kein Problem.

Teil 1 bis 4: Die Rentierherden vom Inari-See // Mit dem Schneemobil über das Eis // Die Nordlichter // Schneeschuhwandern

Wie es weitergeht: Die Nordlichter Reloaded // Auf Langlaufski durch den Wald // Ein Ende, das ein Anfang ist

Bis bald und gute Reise!

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