Eine Woche in Finnisch Lappland: Die Nordlichter

P1050309_lzn

Teil 1 und 2: Die Rentierherden vom Inari-See // Mit dem Schneemobil über das Eis

Es ist die dritte Nacht in Finnland und endlich passiert es. Das Handy piepst. Meine Tante, die es hütet, ist sofort hellwach und schmeißt uns aus unseren Betten. In fliegender Hast ziehen wir uns an: Skiunterwäsche, Pullover, Jogginghose und darüber den Overall, am Schluss noch die riesigen Boots. Ich schaffe es kaum, die Schnürsenkel zuzumachen, mir Mütze, Schal, Handschuhe und Kamera zu schnappen, da ist meine Tante schon zur Tür hinaus. Denn jetzt haben wir die Chance, das zu sehen, wofür wir eigentlich gekommen sind. Die Aurora!

Bei unserer Ankunft im Nellim Wilderness Hotel erhalten wir ein verlockendes Angebot: Für 10 € kann man ein altes Handy für eine Woche mieten. Klingt jetzt auf den ersten Hörer nicht gerade umwerfend, was? Das Tolle an der Sache ist aber nicht, dass man noch mal ein schönes altes Gerät mit 2 Kilo Eigengewicht in den Händen hält und ganz nostalgisch wird, sondern dass man sich damit einen Aurora-Alarm verschafft. Da einer der armen Guides eh immer draußen unterwegs ist (unverständlicherweise auch um 2 Uhr nachts), haben die den Auftrag, wenn sich eine Aurora anbahnt, die Rezeption zu verständigen. Und die schickt dann eine Nachricht an all die sehnsüchtig wartenden Gäste, die alles dafür geben würden, einmal die Nordlichter zu sehen. Da sind 10 € doch nicht zu viel verlangt, oder? Schon gar nicht, wenn man sich dadurch erspart alle paar Minuten rauszugehen, selbst nachzusehen, sich den Hintern abzufrieren und sie nachher doch zu verpassen.

Und nun ist es also soweit, um 0:30 Uhr gibt das Gerät Laut.

***NORTHERN LIGHTS ALERT*** The Aurora Borealis has been sighted in the local area. We recommend you get wrapped up warm and head outside as soon as possible.

IMG-20130304-WA0016 IMG-20130304-WA0015

Das muss man meiner Tante nicht zweimal schreiben. Verpennt stolpere ich in die Kälte und versuche im Rennen meine Garderobe zu vervollständigen. Ein Handschuh fehlt? Egal, Hauptsache ich habe den Zettel dabei, auf dem ich mir ganz genau notiert habe, wie ich die Kamera einzustellen habe, damit ich eine reelle Chance habe, die Nordlichter auf Film…äh SD-Card zu bannen. Man möchte ja Angeber-Fotos bei Facebook hochladen können, ne?

IMG-20130304-WA0012_lzn
Alle Mann raus hier!

Auch wenn ich mir kurzfristig vorkomme, wie bei einer militärischen Übung (Fliegeralarm oder so), verhalten wir uns doch ganz und gar nicht wie die Marines. Mein Onkel, der nicht ganz so fix war, ist noch nicht draußen. Als ich das meiner Tante mitteile erhalte ich die sinngemäße Antwort, dass zurückgelassen wird, wer zurückbleibt. Tja, die Frau hat ihre Prioritäten geklärt. Aber seien wir ehrlich: NORDLICHTER! Wer nimmt dafür keine Verluste in Kauf? Kichernd rutsche ich den Pfad zum See hinunter. Der Mond und der Schnee erhellen die Nacht. Wir sind da, vor uns liegt die endlose Fläche des Inari-Sees. Und wo sind die Nordlichter? Gebannt starren wir in den Himmel, die Kameras im Anschlag. Und? Nüscht!

Doch, warte, da, dahinten! Da zieht langsam ein grünliches Band über den Himmel. Frenetisches Kameraauslösen meinerseits! Mit quälend niedrigem Tempo nähern sich uns die Nordlichter. Oder sind es doch nur Wolken? Nein, ich bin sicher, der Schwaden da war grünlich. Aber irgendwie hatte ich mir das doch anders vorgestellt. Nach ein paar Minuten ist der Spaß  vorbei. Und irgendwo weit hinten auf dem See läuft eine einsame Gestalt, die den Namen meiner Tante ruft. Es ist mein Onkel.

IMG_5624_lzn IMG_5615_lzn IMG_5611_lzn

Als ich mir zurück in der Hütte die Bilder anschaue, stelle ich fest, dass die Aurora darauf beeindruckender wirkt, als in echt. Naja, so kann ich wenigstens bei Facebook angeben.

IMG_5707_lzn

Keine Sorge, das war nicht mein einziges Aurora-Erlebnis und bei Weitem nicht das Beste. Die richtigen Nordlichter bekommt ihr hier natürlich auch noch zu sehen! Und meine Kamera-Skills verbessern sich auch noch! 😉

Bis bald und gute Reise!

16 Gedanken zu “Eine Woche in Finnisch Lappland: Die Nordlichter

  1. Tja, die Tante ist echt hart und hat auf niemanden Rücksicht genommen. Aber hat schon einmal jemand behauptet, dass die wirklich bewegenden Erlebnisse einfach zu haben sind? So wie dir hat mir die Kälte nichts ausgemacht, denn damals floss Adrenalin pur durch meine Adern. Und ich werde immer dankbar sein, dass ich dieses Erlebnis mit euch teilen durfte.

    1. Die Tante ist der Hammer! 🙂 Und ich bin dankbar, glücklich und immer noch fasziniert, dass ihr beide uns das allen möglich gemacht habt! Das war der beste Urlaub meines Lebens und ich würde mich jederzeit wieder von dir aus dem Bett schmeißen lassen. Mit Vergnügen! 🙂

  2. Ohhh soooo schön! *-* Ich freu mich jetzt schon auf den nächsten Post.. Die Nordlichter sind (neben den Rentieren) der einzige Grund mal in eiskalten Regionen Urlaub zu machen 😀

    1. Na, jetzt hast du aber meinen persönlichen Ehrgeiz angespornt! Ich werd dir noch ganz viel zeigen, für dass es sich lohnt, nach da oben zu reisen, wart’s nur ab! ;D Aber danke, ich freu mich, dass dir der Post gefällt!

  3. Hahaaaa, wir mussten gerade echt lachen!!! Denn so ähnlich war es vor zwei Wochen als wir die Lichter auf Senja zum ersten Mal sahen. Andy hatte sie zufällig vom Balkon aus erspät, obwohl eigentlich gar keine starke Aktivität vorausgesagt war. MIRIAAAAAAAAM!!!!!!! POLAAAARLICHTEEEEERRRR!!!!! Und WUSCH sind wir raus und mit dem Auto losgebrettert :-))))) Mehr dazu bald auch bei uns- wir müssen nur erst mal wieder klarkommen im Büroalltag nach den 5 Wochen Auszeit… 😉 Und jetzt sind wir erst mal gespannt, was du so noch schreibst! 🙂 LG von uns dreien!

    1. Hey ihr drei,
      schön, dass ihr vorbeigeschaut habt. Jetzt bin ich aber gespannt auf euren Nordlichter-Bericht! Ich hoffe, ihr kommt gut wieder im an und dass es erst mal nicht zu stressig ist, so dass ihr eure Auszeit in Ruhe Revue passieren lassen könnt. Ich freu mich, wenn ihr meine Finnland-Reihe weiter verfolgt!
      Liebe Grüße nach DO!

    1. Hey Anna, kalt ist es wirklich, aber mir der richtigen Kleidung kann man es aushalten 😉 Und die Nordlichter sind es auf jeden Fall wert!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.