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Sonnenaufgang in der Arktis: Der Tag, an dem die Sonne zurückkam

Es ist dunkel. Dunkel, dunkel, dunkel und das seit über einem Monat. Ab zehn Uhr vormittags haben wir ein bisschen Dämmerlicht, aber das schwindet nach nur vier Stunden wieder. Im Licht meiner Stirnlampe hacke ich weiter auf den gefrorenen Elch ein, während die Meute heult und kläfft.

Im Winter 2013 habe ich einige Monate in finnisch Lappland verbracht, um endlich den Norden zu erleben. Seit ich klein war hat er mich gerufen. Hat mir Dinge zugeflüstert aus den Büchern von Jack London, Gary Paulsen und Jean Craighead George. Dinge über Eis und Kälte und Hunde, Dinge von denen ich wusste, dass ich sie mit eigenen Augen sehen muss. Und deshalb finde ich mich im November am Flughafen von Rovaniemi wieder, um auf einer Huskyfarm im Nirgendwo zu arbeiten.

Und die Arbeit ist hart, jeden Tag 12 Stunden bei Schnee und Minusgraden mit knapp 60 Huskies kämpfen, sie in Harness bringen und mit bloßen Fingern die gefrorenen Clips des Geschirrs auftauen. Die Hunde trainieren, füttern, sauber machen und Material und Kennel in Stand halten. Und seit dem Tag, an dem die Sonne zum letzten Mal über den Horizont gekrochen ist, alles im Dunkeln. Manchmal bin ich so erschöpft, dass ich glaube, keinen Schritt mehr machen zu können. Dann möchte ich einfach meine Lampe ausschalten, mich in den tiefen Schnee fallen lassen und nicht mehr aufstehen.

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Aber heute, heute ist der Tag, an dem die Sonne wiederkommt. Schon als wir die Hunde anschirren, sehe ich ein orangenes Leuchten auf den Baumspitzen hinter dem See. Die Sonne ist wieder da! Mir tut alles weh von einem Sturz mit dem Schlitten am Vortag und meine Zehen sind taub von den Frostbeulen. Aber sobald ich auf dem Schlitten stehe, vergesse ich den Stress und die Schmerzen. Der Knoten löst sich vom Baum, das Gespann legt los. Wir rasen durch den Wald, durch die Stille, zwischen schneebedeckten Bäumen hindurch, den Hügel hinauf und da ist sie! Die Sonne! Die Welt glüht. Die ganze Schönheit der Arktis springt mich an, kalt und erbarmungslos. Sie lacht mir mit -35° ins Gesicht und mir bleibt gar nichts anderes übrig, als zurückzulachen, während das Eis unter mir kracht, die Hunde vor mir rennen und die Kälte Haut und Haare gefrieren lässt.

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