Lissabon – Ein Streifzug durch Portugals Hauptstadt

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Die kleinen gelben Waggons der Stadtseilbahn rumpeln durch die Straßen, fliegen fast aus den Kurven und die Bremsen quietschen. Über dem Wasser der Bucht erhebt sich eine rote Hängebrücke; auf der anderen Seite streckt eine übergroße Christusstatue segnend ihre Arme aus. Huch, wo sind wir denn hier gelandet? San Francisco? Rio? Nee! In Lissabon! Hier kommt mein kleiner City-Guide mit ein paar Tipps für den Kurztrip.

Auf einem Hügel über den Dächern der Stadt thront das Castelo de São Jorge (von meiner Schwester und mir liebevoll Castello de George genannt). Die Anlage entstand schon vor dem 11. Jahrhundert und wurde wohl von den Mauren erbaut, die 711 ins westgotische Reich vordrangen. Im Zuge der sogenannten Reconquista, der Rückeroberung durch die Spanier, fiel das Kastell 1147 an Alfons den Eroberer. Im 18. Jahrhundert zerstörte ein Erdbeben die Burg weitestgehend. Die Mauern sind noch intakt, innen ist es eher eine Ruine, aber trotzdem sehr schön!

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Es macht wahnsinnig viel Spaß durch das weitläufige Kastell zu streifen, dass nicht nur Pfauen, sondern auch sehr viele Katzen beherbergt. Die Aussicht über die Stadt und die Bucht sind großartig und wenn sich dann noch ein Straßenmusikant in die Mauern verirrt hat, bekommt man auch die passende akustische Untermalung.

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Nachdem man alle Katzen gestreichelt hat, die unvorsichtig genug waren in die Nähe zu kommen, hat man bestimmt Hunger. Also ich jedenfalls. Darum geht es als nächstes ins Pois Café in der Rua de São João da Praça 95. Dort gibt es tolle Bagels und Sandwiches, ein paar  warme Gerichte und dazu frisch gepresste Säfte. Auch Kuchen fehlen nicht auf der Speisekarte. In den Regalen stapeln sich Bücher und Zeitschriften aus aller Welt und wem das zu langweilig ist, der kann auch den kostenlosen Internetzugang benutzen. Die Einrichtung ist ein buntes Sammelsurium an Möbelstücken, in dem man sich direkt wohl fühlt.

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Das Café liegt im Viertel Alfama, einem der ältesten Viertel Lissabons. Hier lohnt sich ein kleiner Spaziergang auf jeden Fall. Neben blumenüberwucherten Terrassen gibt es zahllose Fadolokale und immer wieder hübsche Aussichten auf den Tejo. Abends bietet sich dann eine Runde durch die geraden Parallelstraßen im Chiado-Viertel an. Hier warten die Kellner auch nur darauf, die Gäste ins Lokal begleiten zu dürfen und hier wird jeder fündig was das Abendessen anbelangt. Am Ufer kann man dann den Möwen zuschauen und den Tag ausklingen lassen.

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Auf jeden Fall einen Besuch wert ist das Mosteiro dos Jerónimos, vom Zentrum gesehen im Westen gelegen, im Stadtteil Belém. Hier gibt es auch die Bäckerei Pastéis de Belém (Rua Belém 84-92). Pastéis de Nata oder Natas sind kleine Blätterteig-Vanille-Törtchen, und angeblich gibt es in besagtem Laden die besten der Stadt. Ich muss gestehen, ich fand die beim Straßenhändler im Zentrum genau so lecker und kann nicht ganz verstehen, warum man sich eine halbe Stunde bei brütender Hitze in die Schlange stellen soll… Egal, zurück zum Kloster! Der Bau des Hieronymitenklosters begann 1501, genau 100 Jahre später wurde es fertiggestellt. Es handelt sich um eine wunderschöne Anlage aus hellem Kalkstein, der in der Sonne leuchtet. Als spätgotisches Bauwerk zeigt es deutlich den Übergang vom Mittelalter zur Renaissance und im Innern findet man das Grab des Seefahrers Vasco da Gama. Außerdem haben hier diverse Könige und Königinnen ihre letzte Ruhestätte gefunden.

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Vom Kloster geht es weiter zum Wasser, dazu muss man nur die Straße überqueren. Und hier findet sich direkt die nächste Sehenswürdigkeit, das Denkmal der Entdeckungen (Padrão dos Descobrimentos). Es sieht aus wie ein Segel, vor dem sich verschiedene Personen drängeln. 1960 wurde dieses Denkmal enthüllt und es zeigt 33 wichtige Persönlichkeiten der Entdeckungsgeschichte, zum Beispiel Heinrich den Seefahrer, Magellan und Coelho. Davor ist im Boden ein sehr hübscher Kompass aus Mosaiksteinen eingelassen, der ein herrliches Fotomotiv abgibt. Wenn man es nicht vergisst. So wie ich.

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An der etwas kahlen und irgendwie öde wirkenden Uferpromenade geht es weiter Richtung Westen, zum Torre de Belém. Der Turm stammt wie das Kloster aus dem 16. Jahrhundert und hat ebenso das Erdbeben von 1755 überstanden. Leider ist sein Zwilling auf der anderen Flussseite dabei draufgegangen, sodass es jetzt nur noch einen Leuchtturm gibt. Der ist aber nun ein der Wahrzeichen der Stadt, das symbolisch für die See- und Handelsmacht Portugals steht.

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Als nächstes kann man sich im angrenzenden Park ausruhen, von Kanonen springen und anderen Blödsinn machen und am besten nicht auf die doofe Idee kommen, zu Fuß ins Zentrum zurückzugehen. Das macht nämlich verhältnismäßig wenig Spaß und ist daher nicht zu empfehelen. Lieber wieder in die Bahn und zurück nach Osten. Vielleicht habt ihr jetzt Lust auf einen „Fisch der Liebe“? Oh Gott, was mag das sein werdet ihr euch fragen! Es ist die recht freie Übersetzung meiner Schwester von „Poison d’Amour“ (=Gift der Liebe, nicht PoisSon d’Amour = Fisch der Liebe). Dabei handelt es sich um ein kleines Café in der Rua da Escola Politécnica 32. Hier sieht es aus wie bei Marie Antoinette im Wohnzimmer und die Kuchentheke lässt keine Wünsche offen. Ich kann den pinken Riesenmacaron mit Himbeeren empfehlen…

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+++Nachtrag: Leider hat das Café mittlerweile geschlossen, aber da ich euch die schönen Bilder nicht vorenthalten wollte, bleibt es trotzdem im Post+++

Was man auch auf keinen Fall auslassen sollte, ist eine Fahrt mit der Stadtseilbahn, die an die Cable Cars aus San Francisco erinnert. Auch wenn man  in Todesangst versetzt wird, wenn das klapprige Gefährt mit einem Wahnsinnstempo durch die engen Gassen brettert und man sich fragt, ob man wohl durch das kleine Fenster hinausgeschleudert werden könnte. Es macht aber auch unglaublich viel Spaß und wenn durch die offenen Fenster die warme Nachtluft in das kleine hölzerne Bähnchen weht, ist das reisefreudige Herz glücklich!

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Natürlich gibt es in Lissabon noch viel, viel mehr zu sehen. Wir waren nur wenige Tage da und haben selbst in denen noch mehr gesehen, als ich hier beschrieben habe. Dies sind nur ein paar Highlights dieser Highlight-Stadt. Sie sind eine kleine Anregung, die Lust auf das schöne, alte, neue, bunte Lissabon machen soll!

Dazu hier noch ein paar Eindrücke 🙂

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12 Gedanken zu “Lissabon – Ein Streifzug durch Portugals Hauptstadt

  1. Das sieht ja wirklich wundervoll aus 🙂 Ich war bisher noch nie in Portugal, aber nächsten Monat wird sich das endlich ändern. Möchte auf jeden Fall nach Lissabon und Porto und dann am liebsten noch die ganze Küste entlang. LG Franzi

    1. Wie schön, das wird bestimmt eine tolle Reise! Mit ganz viel Sonne und Meer 🙂 Ach, ich müsste auch noch mal nach Portugal!

  2. Als wir bei unserem Interrail-Trip 2013 in Lissabon waren, haben wir uns auch direkt in die Stadt verliebt! 🙂 Dein Bericht und deine Bilder bringen also durchweg positive Erinnerungen zurück! 🙂 Ich glaub wir müssen auch bald wieder hin! 😀

  3. Toller Bericht über Lissabon! Ich war letztes Jahr dort, und musste ein paar Mal schmunzeln (ja, es ist eine ganz dumme Idee von Belém nach Baixa zurück zu laufen 😁 ). Und wie du selber schreibst, ist das nur ein Bruchteil aller Sehenswürdigkeiten dieser tollen Stadt!

    1. Danke dir für deinen lieben Kommentar! Ich freu mich sehr, wenn dir der Artikel gefällt. 🙂 Wie gern wär ich jetzt im sonnigen Lissabon und nicht im verregneten Köln!

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