The Good, the Bad & the Ugly – Mein Corona-Jahresrückblick 2020

Jetzt ist dieses völlig verrückte, bescheuerte Corona-Jahr fast zu Ende. Und auch wenn ich versuche, mit mehr Ruhe und Gelassenheit auf die letzten paar Monate zu blicken, wühlen sie mich immer noch auf, weil sie einfach alles verändert haben. Niemals hätte ich mir im Januar träumen lassen, wie es mir bis Dezember ergehen würde. Dabei gab es viele Tiefpunkte, manche einfach nur nervig und frustrierend, andere, die mir wirklich an die Substanz gegangen sind.

Aber es gab auch viel Schönes und Gutes und Helles, das zu diesem Jahr gehört. Ich habe mal versucht, das Chaos zu ordnen und einen Jahresrückblick zu schreiben, denn da es nach wie vor wenig Reisecontent hier auf dem Blog gibt, möchte ich euch davon erzählen. Sozusagen die Fortsetzung meines Corona-Posts vom Sommer.

The Good

Gesund geblieben

Man soll ja mit den guten Nachrichten anfangen und davon habe ich, trotz allem, einige. Zuallererst gehört da in diesem Corona-Jahr die Gesundheit genannt. Ich bin gesund. Mein Freund ist gesund. Meine Familie ist gesund. Niemand, den ich persönlich kenne, ist an dem Virus erkrankt. Und wenn das keine unglaublich gute Nachricht ist, weiß ich auch nicht. Ich bin so froh, dass es uns bisher nicht getroffen hat und hoffe natürlich, dass das auch so bleibt.

Aus fern mach nah

Die definitiv schönste Entwicklung dieses Jahres hat meine Beziehung durchlaufen, denn aus fern wurde nah. Schon zu Beginn der Corona-Zeit konnten mein Freund und ich zum ersten mal das Zusammenleben testen, da ich von zu Hause gearbeitet habe und er freigestellt war. Wir haben viel unternommen, gebastelt, gekocht und einfach unsere Zweisamkeit genossen. Im September sind wir dann zusammengezogen und selten habe ich in meinem Leben eine Entscheidung getroffen, die sich so absolut richtig und auf etwas verrückte Weise natürlich anfühlte. Es war eigentlich gar keine Frage, ob wir das tun. Und auch nicht mal wie. Es hat sich alles gefunden, Puzzleteile sind an ihren Platz gefallen und wir waren auf einer Wellenlänge. Manchmal fass ich es nicht, dass es so gekommen ist.

Und wie einfach und mühelos es für uns ist, Zeit miteinander zu verbringen. Dank Corona sind wir oft tagelang die einzigen Menschen, die wir sehen und trotzdem kommen wir gut miteinander aus. Unsere Harmonie ist mir manchmal selber unheimlich. Obwohl wir in vielen Dingen unterschiedlicher nicht sein könnten, mögen wir ähnliche Filme, Serien und Musik. Ob Herr der Ringe-Marathon, Ripper Street-Abend oder Johnny Cash zum Kochen, meist sind wir uns einig.

Und wir haben gelernt, auch mal etwas zu machen, worauf der andere vielleicht mehr Lust hat, um ihm eine Freude zu machen. So knipst mein Freund nun brav Fotos nach meinen Anweisungen, wenn wir wandern gehen und ich hier ein Produkt vorstellen will. Und ich sitze dafür stundenlang mit ihm zusammen und arbeite an seiner neuen Andor-Legende. Und bei all dem haben wir uns auch noch ein Heim geschaffen, in dem wir uns beide wohl fühlen. (Okay, auch wenn ich hier deutlich mehr entscheiden durfte 😉 )

Sweet home Brackwede

Damit komme ich zum nächsten Punkt: Mein neues Zuhause. Ich hatte zwar immer davon geträumt, dass meine nächste Wohnung etwas größer sein und vielleicht sogar einen Balkon haben würde, aber das, was wir jetzt haben, erstaunt mich immer noch jeden Tag. Ich nenne unsere 95qm liebevoll unseren Bielefelder Palast und bin immer noch baff, wie einfach man hier zwei Wäscheständer aufstellen kann und trotzdem noch Platz hat sich zu bewegen. Dass wir uns einfach in unterschiedlichen Räumen aufhalten können und uns nicht mal dabei hören. Dass wir nicht nur einen Parkplatz, sondern sogar eine Garage haben.

Ich liebe mein neues Wohnviertel. Nach 10 Jahren Kölner Innenstadt war ich es Leid, dass man mir an Karneval an die Tür gekotzt und gepisst hat, dass meine Nachbarn mittwochs um 1 Uhr nachts Bongo geübt haben und dass man nie, nie, nie einen Parkplatz gefunden hat. Über meine Miete konnte ich mich auf keinen Fall beschweren, aber hätten wir in Köln nach einer gemeinsamen Wohnung gesucht, hätten wir astronomische Summen zahlen müssen.

Tja, ganz anders ist es in Brackwede. Ich gebe zu, der Name klingt wenig schmeichelhaft. Aber, und das ist ein großes Aber, er sagt nichts über das Leben hier aus. Es ist nicht der schickste Stadtteil, auf gar keinen Fall, aber er ist lebendig. Er hat alles, was man zum Leben braucht und noch ein bisschen mehr, und das in fußläufiger Distanz. Es gibt eine Einkaufsstraße mit Supermarkt, Drogeriemarkt, Apotheke, Friseur, Klamottenläden, Dekoläden, sogar einen Bogen- und Messerladen, einen wunderschönen Park mit Teich und der Teutoburger Wald ist direkt vor der Tür. Baumarkt und Ikea sind nur wenige hundert Meter entfernt und vor meiner Nase fährt die Straßenbahn, die mich in 15 Minuten ins Zentrum bringt. All das trägt dazu bei, dass ich mich hier sehr wohl fühle. Ehrlich gesagt sogar wohler, als ich mir selbst zugetraut hätte.

Zeit und Ruhe

Und das ist gut so, denn momentan verbringe ich unglaublich viel Zeit hier. Der Grund dafür ist kein schöner, aber mal Zeit zu haben ist schon ziemlich toll. Ich habe in den letzten Wochen mehr Bücher gelesen, gekocht, gebacken, DIY-Projekte umgesetzt, Dinge ausprobiert, Wanderungen gemacht und am Blog gearbeitet, als in den letzten 5 Jahren zusammen. Das tut mir gut, entspannt mich, macht mich glücklich und gibt mir einen Sinn. Wie oft habe ich früher nach der Arbeit gar nichts mehr gemacht, außer den Haushalt geschmissen, irgendwas zu essen runtergewürgt, noch eine Stunde auf Instagram rumgehangen und bin ins Bett gegangen? Heute erstrecken sich die Tage mit ihren Stunden als unglaublicher Pool an Möglichkeiten vor mir und ich bin happy, sie mit schönen Dingen und Unternehmungen zu füllen.

Meine Familie

Dankbar bin ich auch dafür, Zeit mit meiner Familie verbringen zu können. Ich habe schon zu Beginn des ersten Lockdowns für mich beschlossen, dass ich meine Ma weiter sehen werde. So haben wir im März viele Radtouren oder Spaziergänge gemacht und im August das Schlafzimmer im Keller renoviert, damit mein Freund und ich einen Schlafplatz in Köln haben, wenn wir zu Besuch kommen. Es ist toll, dass sie auch unter der Woche Zeit hat und wir so viele Dinge ganz entspannt planen und angehen können.

Ich habe keine große Familie, aber die, die ich habe, liebe ich von ganzem Herzen und es ist toll, wie sehr sie mich in diesem Jahr unterstützt hat, bei all den Veränderungen.

Die Präsidentschaftswahl

Was ist außen orange, innen hohl und muss im November weg? Richtig! Der Halloweenkürbis!

Immer wieder habe ich die letzten vier Jahre fassungslos Nachrichten gesehen, habe Tweets verfolgt und das schiere Entsetzen bei Bemerkungen und Entscheidungen gespürt. Mich immer wieder gefragt: Wie kann das sein? Wie kann man so sein? Wie, wie, wie ist das heute möglich? Mit all dem, was wir wissen, was im 20. Jahrhundert passiert ist?

Als vor wenigen Wochen Joe Biden als neuer US-Präsident gewählt wurde, war ich unglaublich erleichtert. Ich weiß, dass immer noch etwa die Hälfte der US-Amerikaner für Trump gestimmt hat und das macht mich manchmal echt fertig, nach dem, was in den letzten Jahren passiert ist. Aber Biden hat gewonnen und das ist das Wichtigste. Es gibt ein wenig Hoffnung.

The Bad

So, das klingt nach einem rundum kitschig-schönen Jahr! Ich lebe in einer happy bubble und darf mich nicht beschweren, oder? Ja…genau. Nein, ich habe bisher nur von den guten Seiten erzählt und mir Mühe gegeben, die Kehrseite wegzulassen. Die gehört aber auch zu 2020 und darf daher in meinem Rückblick nicht fehlen.

Meine Globetrotter-Vorträge

Eine der besten Nachrichten 2019 war für mich die Einladung von Globetrotter, Vorträge in ihren Filialen zu halten. Ich war so glücklich, so stolz und so unglaublich dankbar, diese Chance zu erhalten. Und die Tour 2019 war der Hammer: Alte Freunde treffen und neue finden, sich austauschen, Kontakte knüpfen, Deutschland besser kennenlernen. Und, so schnöde das klingt, mein Einkommen aufbessern.

Für 2020 war wieder eine Tour geplant. Leipzig im Februar war noch drin und ab dann…nichts mehr. Globetrotter hat toll reagiert, die Kommunikation war super und sie haben mir sogar einen Gutschein als Trost geschickt, worüber ich mich sehr gefreut habe. Aber es macht das Erfahren und Erleben nicht wett und während ich mit Geld meine Rechnungen bezahlen kann, hilft ein Gutschein da nicht so sehr.

Das Ende eines Arktis-Traums

Ich weiß, dass es Meckern auf hohem Niveau ist, aber…ich kann nicht anders. Das Reisen FEHLT mir. Es tut fast weh, so sehr fehlt es. Es ist, als ob ein Teil meines Lebens einfach raugerissen worden wäre. Ein Teil der mir so wichtig ist, der mich ausmacht, der mich glücklich macht. Mit all dem, was dieses Jahr los war, verstehe ich absolut, warum meine große Reise storniert werden musste und ich gebe gerne zu, dass ich Zeit und Geld gut gebrauchen und anders investieren konnte.

Aber es tut trotzdem weh. Letztes Jahr, zu meinem 30. Geburtstag hat mein Freund alle mein Freunde und meine Familie zusammengebracht, um mir einen großen Traum zu ermöglichen und am Ende dieses Tages hielt ich einen Reisescheck in der Hand. Einen Scheck, der den Traum von Spitzbergen, Grönland und Island wahr machen sollte.

Wie aufgeregt war ich, als ich die perfekte Reise für uns gefunden hatte, wie konnte ich nicht mehr aufhören zu lächeln, als unsere Urlaubestage genehmigt wurden, wie sehr hatte ich das Gefühl platzen zu müssen, als die Buchungsbestätigung kam, wie habe ich von Walrossen, Eisbären und Orcas geträumt. Von Zweisamkeit in der Einsamkeit des Nordens.

Ja, es mag kein großes Opfer sein, verglichen mit dem, was auf der Welt vor sich geht, aber ich vermisse die Arktis so sehr. Mein Herz zieht sich zusammen und alles wird still in meinem Kopf, wenn ich an den weißen Norden denke.

Katastrophe, Kurzarbeit, Kündigung

Die Stornierung der Reise tat weh, viel schlimmer aber war ein anderer Verlust dieses Jahr. Eigentlich würde dieser Teil eher ins Kapitel “The Ugly” gehören, aber ich denke, ich darf hier nicht zu sehr ins Detail gehen und so versuche ich, es so nüchtern wie möglich zu schildern.

Ich habe in einer Firma gearbeitet, die ihr Geld mit Messen und Beratung zu Auslandsaufenthalten verdient hat. In Corona-Zeiten ist das doppelt blöd. Seit Mai war ich in Kurzarbeit, habe mein Fahrtgeld gestrichen bekommen. Schon bald wurde uns klar gemacht, dass einige Mitarbeiter würden gehen müssen. Wie gesagt, wie und warum das ausgewählt wurde, kann ich hier nicht wiedergeben, aber fair war es nicht. Und es gab viele Tränen und Streitigkeiten, das Team wurde auseinandergerissen und fast alles, was ich an meinem Job geliebt habe, war weg. Nach der Kündigung konnte ich meinen Job trotzdem nur noch teilweise ausüben. Das bedeutet, mein letztes normales Gehalt habe ich Ende April erhalten. Es gab Tage, da habe ich vor, während und nach der Arbeit geweint. Kann man im Home Office ja ungestört machen.

Und bei all dem kam ich mir manchmal so verloren vor, dass ich “Lost” als Jugendwort des Jahres absolut passend finde, auch wenn ich selbst gar nicht mehr so jung bin.

Im Nachhinein muss ich sagen, dass es am Ende eine Erleichterung war, zu gehen. Und trotzdem habe ich einen Job verloren, den ich mit Herzblut gemacht habe, in den ich Liebe, Begeisterung, Kreativität, Engagement und nicht zuletzt viel Zeit gesteckt habe. Das bedeutet, ich bin nun arbeitslos. Und da der Job bei all dem…nun ja…interessant bezahlt wurde, liege ich mit meinem Arbeitslosengeld knapp über der Armutsgrenze. Ich glaube, dass ich niemand bin, der viel Geld braucht, um glücklich zu sein, aber es ist kein schönes Gefühl, so viel weniger als vorher zu haben. Wirklich nicht.

Meine Existenz ist nicht direkt bedroht, ich habe Essen, ein gemütliches zu Hause und muss auch nicht jeden Cent umdrehen. Das liegt aber nicht an meinem tollen Auskommen, sondern an meinem Freund, der einen größeren Teil unserer Kosten trägt. Und damit kommen wir direkt zum hässlichen Teil.

The Ugly

Finanzielle Abhängigkeit

Ich war mein Leben lang finanziell unabhängig. Dabei möchte ich nicht sagen, dass ich mir das selbst zu verdanken hätte, oder immer nur auf eigenen Beinen gestanden habe. Im Gegenteil, was das angeht hält sich mein Leben auf grausame Art an “Glück im Unglück”. Durch den frühen Unfalltod meines Vaters habe ich bis zu meinem 26. Lebensjahr Halbwaisenrente bezogen, die ab meinem Auszug einen Großteil meiner Kosten gedeckt hat. Meine Tante und mein Onkel waren so großzügig, mich in ihrer Wohnung wohnen zu lassen und mir nicht die normale Miete zu berechnen. Trotzdem habe ich mir immer etwas dazuverdient, habe diszipliniert mein Studium mit Bestnoten durchgezogen, ein Stipendium erhalten und sofort nach meinem Abschluss angefangen Vollzeit zu arbeiten und mehrere hundert Euro im Monat zu sparen.

Und darauf war ich stolz. So konnte ich mir tolle Reisen leisten, obwohl mein Gehalt nicht gerade beeindruckend war. Ich hatte alles was ich brauchte und konnte alle Entscheidungen selbst treffen. Und dann kam 2020 und der Entschluss, aus Köln wegzugehen. Ich hatte keinen Job und bald würde die Wohnung verkauft werden. Mmmh, arbeitslos kann ich dann wohl auch in Bielfeld sein.

Versteht mich nicht falsch. Eigentlich stand dieser Schritt schon länger aus. Denn wenn ich nicht für immer in einer Fernbeziehung leben wollte war klar, dass ich zu meinem Freund ziehen müsste. Er wird alle paar Jahre versetzt und ich musste entscheiden, ob ich den Schritt wage und einen Teil meiner Unabhängigkeit aufgebe, um bei ihm sein zu können. Nun habe ich dazu ja gesagt. Und wahrscheinlich hätte ich das so oder so, Corona hat das nur beschleunigt. Aber es wäre schöner gewesen, das nicht unter Druck und mit finanziellen Nöten tun zu müssen. Nicht als unfreiwillige Arbeitslose mit ihm zusammenzuziehen, die darauf angewiesen ist, dass er mehr Miete zahlt als ich. Ich bin dankbar, dass er das tut, aber es macht mir auch Angst.

Agentur für Arbeit

Tja, eine Institution, mit der ich nun viel zu tun habe. Und lasst euch sagen, dass ist wirklich ugly. Dabei meine ich nicht einmal die Mitarbeiter, die sind meist sogar recht freundlich und hilfsbereit. Aber der ganze Apparat ist derart kompliziert und überlastet, dass man schier wahnsinnig wird. Seit drei Monaten versuche ich, einen Beratungstermin zu bekommen, indem mir erklärt wird, was meine Rechte und Pflichten sind, was ich zu tun und zu lassen habe (Wichtig, da mir sonst Leistungen gestrichen werden können. Ich darf mich zum Beispiel nicht länger als 48 Stunden nicht zu Hause aufhalten, wenn doch muss ich das melden und das wird als Urlaub angesehen. Davon habe ich 21 Tage zur Verfügung.) und vor allen Dingen, wie die Agentur für Arbeit mich unterstützen kann. Was ja eigentlich ihre Pflicht wäre.

Jede Woche hänge ich in der Warteschleife, mittlerweile müssen es zusammengerechnet viele, viele Stunden sein. Meist fliege ich nach 15 Minuten raus und versuche es dann von vorne. Erreiche ich jemanden, versichert man mir immer wieder, mein Anliegen an die zuständige Kollegin weiterzuleiten, aber es passiert nichts.

Zudem laufen ständig irgendwelche Verfahren parallel, ich bekomme einen Bescheid, der am nächsten Tag wieder aufgehoben wird, versuche mich telefonisch zu erkundigen, soll aber auf weitere Post warten, die nie eintrifft. Der eine sagt, ich solle mich dort melden, wenn ich da anrufe, wird mir patzig gesagt, dass das nicht ihr Aufgabenbereich wäre.

Jede Info, jedes Fitzelchen, dass mir zum Vorteil gereichen könnte, muss ich selbst recherchieren, erfragen, bestätigen lassen. Fahrtkosten, erhöhte Freibeträge, wenn du nicht weißt, wonach du suchen sollst, wirst du niemals darauf kommen, dass dir vielleicht doch einfach mehr Geld ZUSTEHT! Ich fühle mich ja sowieso schon wie ein Schmarotzer und Parasit und muss mir immer wieder sagen: Du hast aber ein Recht auf das Geld. Weil du hier lebst, weil du Steuern zahlst, steht dir das Geld zu. Und du musst nicht demütig darum bitten, sondern es einfordern. Gar nicht so leicht, das alles, wenn man jetzt nicht die konfliktfreudigste Person ist. Apropos…

Unsolidarische Maskenverweigerer und Querdenker

Dieses Jahr gibt mir unglaublich viele Möglichkeiten, an dieser Konfliktscheu zu arbeiten. Es gelingt mir nicht immer und wenn ich es schaffe, hat es oft ein hässliches Nachspiel. Wisst ihr, worauf ich anspiele?

Richtig! Die Maskenverweigerer, die, die die Maske unter der Nase oder dem Kinn tragen. Menschen, die ohne jede Rücksicht ihre Bequemlichkeit über das Wohl aller stellen, nicht bereit sind, einen Hauch an Solidarität zu zeigen, sich gegen jede wissenschaftliche Erkenntnis und gesunden Menschenverstand auflehnen. Sich beschweren über Einschränkungen, während alles, was von ihnen verlangt wird, zu Hause zu bleiben ist. Die lauthals schreien und toben, wie schlecht es ihnen ginge und dabei Toilettenpapier horten. Und (für mich als Historikerin kaum erträglich) die Menschen, die mit einer Geschichtsvergessenheit Themen instrumentalisieren, dass ich nur noch kotzen möchte.

Ich glaube all das war in diesem Jahr am schlimmsten für mich zu ertragen. Dabei habe ich großes Verständnis für alle, die wirtschaftlich unter der Pandemie leiden. Ich will nicht, dass Kunst, Kultur und Gastronomie aussterben und kleine Läden und Shops keine Chance mehr haben, Ich habe Verständnis für diejenigen, deren Existenz bedroht ist, die nicht mehr wissen, wie sie Arbeit und Kinderbetreuung unter einen Hut bekommen sollen, die Angst haben und denen es schlecht geht.

Ich habe aber kein Verständnis für diejenigen, die es keine Woche ohne Friseurtermin, keine 10 Minuten mit Maske und keinen Tag ohne Karnevalseskalation aushalten. Kein Verständnis für Menschen die sagen, dass andere am unfertigen Impfstoff verrecken sollen und sie sich nicht impfen lassen werden.

Wie gesagt, es fällt mir schwer, Menschen auf Fehlverhalten anzusprechen. Ab und an traue ich mich in der Bahn dann doch mal, freundlich auf die Maskenpflicht hinzuweisen und um korrektes Tragen zu bitten und in der Regel werde ich daraufhin beschimpft und beleidigt. Ich gehe dann traurig und ängstlich nach Hause und wenn das nicht unglaublich hässlich ist, dann weiß ich auch nicht.

Freunde und Einschränkungen

Dabei sind auch mir die Einschränkungen nicht egal. Auch ich vermisse meine Freunde, vermisse das unbeschwerte Beisammensein, Leute einladen und besuchen zu können. Wie gern würde ich meine neue Heimat erforschen, kleine Cafés und Restaurants unterstützen, das Naturkundemuseum besuchen, in den Hochseilgarten gehen, endlich mal wieder in einer Therme entspannen. Wie sehr wünsche ich mir, hier, in meiner neuen Heimat, Menschen kennenzulernen, mich einzufügen, Freunde zu finden. Mir keine Sorgen um meine Familie machen müssen, sie alle ohne Bedenken in den Arm nehmen können. Die viele Zeit, die ich jetzt durch meine Arbeitslosigkeit habe, nutzen zu können um lang vermisste Gesichter wiederzusehen, neue Orte zu erkunden.

Aber. Es. Geht. Halt. Nicht.

Und ich versuche das zu akzeptieren.

Call of Duty

Tja, was bei hässlich nicht fehlen darf…All die kitschige Pärchen-Harmonie ist schnell vorbei, denn mein Freund wird schon bald wieder in den Einsatz gehen. Wohin darf ich nicht sagen und wie lange, weiß ich selbst nicht. Klar ist nur, dass es diesmal mit der Kommunikation nicht so einfach wird. Ich wusste, dass es nächstes Jahr wieder so weit wäre und ich weiß auch, dass das immer wieder vorkommen wird. Ehrlicherweise habe ich aber nicht so bald damit gerechnet und auch nicht auf diese Art.

Ich glaube, dass ich diesen Einsatz besser verkraften werde als den letzten und trotzdem habe ich Angst. Denn nun bin ich nicht mehr zu Hause in Köln, umgeben von Familie und Freunden, sondern allein in einer neuen Stadt, in der ich noch keine Chance hatte, jemanden kennenzulernen. Muss mich tagein, tagaus allein der frustrierenden Jobsuche zu stellen und nachdem ich mich nun an die Nähe und das Zusammensein gewöhnt habe, die Wärme wieder entbehren. Um es mit Fanta 4 zu sagen: Vorher war es schöner allein zu sein. Aber das ist der Preis und eigentlich darf ich mich nicht beschweren, denn momentan zahlt dieser Job einen Großteil unserer Rechnungen.

A new hope

Mit “The Ugly” zu enden wäre ziemlich pessimistisch, oder? Und da ich mich hier schon ohne jeden Bezug bei einem Filmtitel bedient habe, werde ich das jetzt einfach noch mal tun und einen Blick auf 2021 werfen.

Wirkliche Pläne will ich noch nicht schmieden, denn da habe ich Angst, dass sie sich wieder zerschlagen. Aber gegen Hoffnung kann man ja bekanntlich nichts machen und ich hoffe, dass ich nächstes Jahr einen Job finde, der mir Spaß macht und mich finanziell besser dastehen lässt. Ich hoffe, dass unsere Reise stattfinden wird und wir all das sehen, was wir uns wünschen. Ich hoffe, dass mein Freund schnell und wohlbehalten aus dem Einsatz zurückkommt und wir dann wieder viel Zeit miteinander verbringen können. Und vielleicht, dass wir uns dann endlich einen vierbeinigen Mitbewohner holen, ob Hund oder Katze.

Jetzt ist zwar eigentlich Ostern das Fest der Hoffnung und Weihnachten das Fest der Liebe, aber wünschen darf man sich ja was.

Mein Fazit

Was bleibt am Ende zu sagen? Vieles aus 2020 hinterlässt bei mir einen bitteren Nachgeschmack. Vieles ist nicht so, wie ich es mir wünschen würde. Aber, um mal wieder aus dem großartigsten Werk aller Zeiten zu zitieren:

So do all who live to see such times but that is not for them to decide. All we have to decide is what to do with the time that is given to us.

Ich denke, das war mein letzter Post für 2020. Ich wünsche euch ein wunderschönes Weihnachtsfest und einen ruhigen und besinnlichen Jahresausklang. Dass all eure Wünsche und Träume für 2021 wahr werden und dass wir alle gesund bleiben oder werden.

Frohe Weihnachten!

PS: Falls ihr mich vermisst, besucht mich doch mal bei Instagram, da gibt es zwischendurch bestimmt ein Lebenszeichen.

Neue Heimat Bielefeld

Einen Monat wohnen wir jetzt schon in Brackwede, im Süden Bielefelds. Einen Monat, in dem ich begonnen habe, meine neue Heimat kennenzulernen, mich an unser neues zu Hause zu gewöhnen und hier einen Job zu finden.

Während sich letzteres nach wie vor leider als schwierig erweist, klappt besonders der zweite Punkt schon ganz gut. Denn die zwei Wochen nonstop werkeln haben sich ausgezahlt und jetzt, wo der Herbst Einzug hält, haben wir eine gemütliche Wohnung, in der ich mich gerne aufhalte.

Da es nach wie vor keinen Reisecontent hier auf dem Blog gibt, dachte ich, es wäre vielleicht spannend, euch einen kleinen Einblick zu gewähren. Es ist noch nicht alles fertig, und da ich ehrlicherweise auch keine Ahnung von Interior-Fotografie habe, seht ihr jetzt nicht die ganze Wohnung. Aber wie zur Hölle soll man auch einen Flur schön fotografieren?

Wohnzimmer

Leseecke

Schlafzimmer

Arbeitszimmer

Küche

So, ich hoffe, die kleine Roomtour hat euch gefallen. Jetzt gehe ich aber mal raus und erkunde weiter meine Umgebung, damit ich euch bald davon erzählen kann!

2020 – Leben, reisen und lieben in Zeiten von Corona

Viele Monate ist es her, dass ich zuletzt einen Artikel veröffentlicht habe. Gerade zu Anfang der Corona-Pandemie schien es mir unpassend, über Reisen zu berichten. Aber mittlerweile ist so viel in meinem Leben passiert, dass ich mir sozusagen einfach ein Update von der Seele schreiben muss.

Nun, da die Grenzen langsam wieder öffnen, sieht es so aus, als ob trotzdem alle Reisepläne ins Wasser fallen.

Vielleicht sollte ich lieber sagen: Auf Eis gelegt werden. Denn unsere große Reise von Spitzbergen über Grönland nach Island wird dieses Jahr nicht stattfinden. Mein Geschenk zu meinem 30. Geburtstag, an dem so viele Freunde mitgewirkt haben und auf das ich mich wahnsinnig gefreut habe, fällt aus. So wie der Ostertrip ans Meer und die geplante Radtour nach Holland. Und alle meine Vorträge bei Globetrotter.

Rosas-Reisen-Groenland

Und das ist in Ordnung. Das ist in Ordnung, weil 2020 ein Jahr ist, in dem man solche Reisen und Veranstaltungen einfach nicht machen muss, weil der Schutz und die Sicherheit aller vorgehen. Obwohl mir das Herz blutet und vor Fernweh ächzt, weiß ich, dass ich Glück habe hier in Deutschland sein zu dürfen, während diese Krise wütet.

Und diese Krise stellt auch mein Leben ziemlich auf den Kopf. Erinnert ihr euch, wie ich behauptet habe “Grönland ändert alles?” Tja, von wegen. Corona ändert alles. Zumindest fast.

Im März bin ich ins Home Office gegangen, im Mai in Kurzarbeit. Mein Gehalt hat sich um mehrere hundert Euro reduziert. Die Einkünfte von Globetrotter sind weggefallen. Meine Ausgaben sind die gleichen geblieben.

Ich arbeite als Eventmanagerin für Messen zu Auslandsaufenthalten. Ihr könnt euch denken, was Corona damit angestellt hat. Ende Juni habe ich erfahren, dass ich zum Juli gekündigt werde. Ich werde meinen Job verlieren, den ich vier Jahre lang mit Liebe und Herzblut gemacht habe. Ich verlasse ein Team, das nicht mehr das gleiche ist wie vor der Krise. So viele mussten gehen, so viel Streit und Wut und Ungerechtigkeiten. Manchmal fiel es mir schwer, noch an irgendetwas anderes zu denken.

Jetzt droht ab Oktober die Arbeitslosigkeit. Davor habe ich wahnsinnige Angst. Ich war noch nie arbeitslos, habe meinen Job direkt nach der Uni angefangen, habe immer auf eigenen Beinen gestanden. Also schreibe ich Bewerbungen und suche nach allen möglichen Stellen, die irgendwie zu mir passen könnten.

Bisher noch nicht besonders erfolgreich. Das bedeutet, dass ich ab Oktober Arbeitslosengeld beziehen werde und das wird sehr, sehr wenig sein. Ich habe meinen Job geliebt, aber gut verdient habe ich da nicht, im Gegenteil. Und das wirkt sich natürlich auf die Höhe des ALG aus. Ich werde knapp 19 € über der Armutsgrenze liegen.

Mit dem, was ich dann zur Verfügung haben werde, kann ich meine Miete nicht mehr bezahlen. Ich habe Glück, ich habe eine schöne Wohnung in Köln, aber wie das bei den unglaublichen Mietpreisen hier so ist, kann ich sie mir nur leisten, weil sie meiner Tante und meinem Onkel gehört und ich den “Familienpreis” zahle. Selbst der ist mit ALG aber nicht mehr zu stemmen. Und ich will ihnen definitiv nicht noch mehr zur Last fallen. Auch wenn ich weiß, dass sie mich niemals rauswerfen würden, wenn ich in Not bin.

Und nun?

Tja, wer bis hierhin durchgehalten hat, Respekt. Das ist ein ganz schön trauriger Monolog, den ich da angestimmt habe. Und es ist nur eine von so vielen Geschichten weltweit, von denen 99% schlimmer sind. Deshalb will ich jetzt mal das Steuer herumreißen und ein bisschen Hoffnung aufkommen lassen. Denn es ist nicht alles schlecht dank Corona.

Aufgrund der Pandemie konnten mein Freund und ich viel Zeit miteinander verbringen. Normalerweise führen wir eine Wochenendbeziehung. Das heißt, alles muss in 40 Stunden passen: Wiedersehen, aneinander gewöhnen, streiten, lieb haben, die Zeit genießen, verabschieden. Also, wir streiten jetzt nicht jedes Wochenende, aber ihr wisst was ich meine, oder? Und dann sind da ja auch noch Freunde und Familie, die ihn auch gerne mal zu Gesicht bekommen möchten. Und die Einsätze.

Das hat mich die letzten Jahre schon sehr gestresst. Als die Corona-Quarantäne begann, wurde er sozusagen freigestellt und ich konnte von zu Hause arbeiten. Zum ersten Mal haben wir also viel Zeit miteinander verbracht. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das fast 3 Monate. Auf 45qm.

Interessanterweise haben wir uns nicht die Köpfe eingeschlagen. Im Gegenteil. Ich habe es geliebt.

Wir haben gebastelt, Hörspiele gehört, uns mit Wasserfarben angemalt, Nudeln selber gemacht, eine einsame Fahrradtour unternommen, ich habe ihm ein bisschen Inliner fahren beigebracht, wir sind wandern gegangen, ich durfte ihm den Kopf rasieren, wir haben seiner Oma ein Tablet gekauft und ihr Skype “beigebracht” und ich habe ihm seinen ersten Maibaum gestellt.

Und über all dem habe ich endlich den Entschluss gefasst, der schon lange aussteht.

Er ist Soldat und das bedeutet, dass er alle zwei bis drei Jahre umzieht. Ich will keine Fernbeziehung mehr und eine großartige Karriere war eh nie mein Plan. Ich werde ihn von nun an begleiten.

Noch immer fühlt sich diese Entscheidung etwas komisch an, aber richtig. Ich wollte nie die “Soldatenehefrau” werden, die brav alles mitmacht und zu Hause sitzt. Aber so wird es auch nicht. Ich bin flexibel, wo ich mir einen neuen Job suche, er kann das nicht einfach so entscheiden. Und wir wollen zusammen bleiben. Ergo…

…ziehe ich nach Bielefeld. Zumindest für die nächsten zwei Jahre, dann werden die Karten neu gemischt. Wir haben nun eine Wohnung gefunden und werden zum 1. September umziehen. Dank der unglaublich günstigen Mieten dort, kann ich sogar einen nicht allzu kleinen Teil der Miete bestreiten. Da kommt die Rückzahlung der Grönland-Reise auch gar nicht so ungelegen.

Nun stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, was wir wo hinstellen. Welche Möbel wir noch verschönern oder bauen möchten. Wie genau die Demarkationslinie im Arbeitszimmer verlaufen wird und wer welche Bilder und Landkarten wo aufhängen darf.

“Weißt du was? Ich freue mich richtig darauf, mit dir zu Ikea zu fahren!”
Ob ich wohl den perfekten Mann gefunden habe?
“Und weißt du warum? Weil ich genau weiß, wie glücklich dich das macht!”
Definitiv.

Wir werden zum ersten Mal ein gemeinsames zu Hause haben. Es wird nicht immer die Uhr ticken, wenn wir uns sehen. Wir haben die Chance, zusammen eine neue Stadt kennenzulernen. Nach 30 Jahren ziehe ich zum ersten Mal aus Köln weg, lasse meine Freunde und meine Familie zurück und stelle mich der Herausforderung einer komplett neuen Umgebung ohne finanzielle Sicherheit. Aber mit ganz viel Liebe.

Lasst mich zusammenfassen: 2020 ist das Jahr, in dem alles neu wird. Job, Wohnung, Stadt, Umfeld, Art der Beziehung. Ich habe Angst, bin traurig, aufgeregt, glücklich, mutig und ängstlich. Alles gleichzeitig. Und dann ist da ja auch noch diese Corona-Pandemie.

Nächstes Jahr darf es dann ein bisschen weniger sein. 😉 Außer Reisen, da bin ich offen für mehr!

Finntastische Nordplüschi-Challenge 2020

Zehn Fragen an Dich und Dein Maskottchen

Inken von Finntastic hat zur Plüschtier-Parade gerufen und da dürfen Rosa und ich natürlich nicht fehlen. Wer sich also fragt, wer Rosa eigentlich ist und was ein Nilpferd im Norden verloren hat, bekommt hier ein paar Antworten!

1. Wer bist Du, wie heißt Dein Blog?

Ich heiße Anuschka. Vielleicht hat meine Mutter mir damit die Liebe zum Norden schon in die Wiege gelegt, denn Anuschka ist die russische Verniedlichung von Anna. Und in meiner liebsten Reiseregion, der Arktis, kann der Name ein wahrer Türöffner sein. Nun heißt der Blog aber nicht Anuschkas Reisen (was, seien wir ehrlich, auch nicht so gut über die Zunge rollt), sondern “Rosas Reisen”. Wer ist aber Rosa? Rosa ist mein Glücksbringer, mein Trostpflaster und meine treue Begleiterin. Mehr über sie erfahrt ihr weiter unten.

2. Was verbindet Dich mit dem Norden? Für welches Land im Norden schlägt Dein Herz und was macht es für Dich einzigartig?

Früher war der Norden für mich ein Sehnsuchtsziel, ganz weit weg. Mit meinen Büchern bin ich dahin gereist, mit Jack London und Jean Craighead George nach Alaska, mit Gary Paulsen nach Kanada. Und dann hörte die Fantasie auch schon auf. Peinlich aber wahr: Lange war mir gar nicht bewusst, dass es den wilden Norden, die eisige Kälte, die Schlittenhunde und das Abenteuer auch in Europa gibt.

2013 wurde mir das dann aber klar, als ich das erste Mal in Finnland war. Und ab da war mein Herz verloren. Der Moment, in dem ich zum ersten Mal ein eigenes Huskyteam durch die arktischen Weiten gelenkt habe, hat etwas in mir unwiederbringlich verändert, es war, als ob ein Puzzleteil an die richtige Stelle gefallen wäre. Nirgendwo fühle ich mich so wild und frei und glücklich und zu Hause, wie dort oben.

Und seitdem reise ich wieder und wieder in die Arktis. Finnland wird aber immer das Land bleiben, das mir für all das die Augen geöffnet hat. Letztes Jahr habe ich mir dort dann einen großen Traum erfüllt und bin mit einem eigenen Schlittenhundegespann von Hütte zu Hütte gezogen, zusammen mit meinem Freund, der sich glücklicherweise von mir hat anstecken lassen. Oder mich einfach so sehr mag, dass er das alles mir zuliebe mitmacht. )

3. Worüber bloggst Du und was ist das Ziel Deines Blogs?

Ich habe meinen Bog 2014 ins Leben gerufen und der damalige Grund war ganz einfach: Ich war todunglücklich. Ich befand mich in einer sehr schweren Phase meines Lebens und es gab Tage, da wusste ich weder ein noch aus. Da war nichts, keine Motivation aufzustehen, nichts Schönes um mich damit zu beschäftigen. Und dann kam meine große Schwester und sagte: Weißt du was? Du machst jetzt einen Reiseblog! Etwas, mit dem du dich beschäftigen kannst, wo du deine Hobbys vereinigst. Reisen, schreiben, Fotos machen. Und auf diesen guten Rat habe ich gehört.

Mein Blog ist nicht besonders erfolgreich. Und ich vermute, das liegt daran, dass es bei mir kaum Tipps, „10 Dinge, die du in xy sehen musst“, „5 unglaubliche Fotospots“ oder ähnliche Artikel gibt. Klar spreche ich gerne auch Empfehlungen aus, in erster Linie möchte ich aber Geschichten erzählen, und zwar auf meine persönliche und wie ich hoffe lustige Art. Der Blog ist mein Hobby und daher soll er vor allem mir Freude bereiten. Wenn er dann auch noch andere Leute unterhält, ist das natürlich fantastisch.

Ich habe den Blog nicht gegründet, um kommerziell erfolgreich zu sein oder meinen Lebensunterhalt damit zu bestreiten. Er ist ein kreatives Ventil für mich, eine Möglichkeit, meine schönsten Momente immer wieder zu durchleben, festzuhalten, ihnen eine Ort zu geben. Die Erinnerung wach zu halten.

Es gibt bei mir daher auch keine Verpflichtung, jede Woche zu posten, Klicks zu sammeln, mir ständig neue Strategien zu überlegen. Wenn ich einen Monat nichts zu schreiben habe, dann ist das so. Denn wenn das echte Leben spannender ist, als das online, dann poste ich auch mal gar nichts.

4. Was für ein Tier ist Dein Maskottchen und wie heißt es? 

Rosa ist ein Kuscheltiernilpferd. Als ich 2014 meinen Blog startete, habe ich hin und her überlegt, wie ich ihn nennen könnte. Plötzlich kam dann die Idee: Wer ist immer dabei? Rosa. Was ist ein schmissiger Name, der zeigt, worum es geht? Rosas Reisen. Ein Kompass, ein Nilpferd, fertig ist das Logo. Es hat was mit mir zu tun, ist aber immer noch ein Pseudonym, unter dem ich schreiben kann und zeigt, dass ich im Herzen immer noch ein Abenteuerkind bin.

Mit Rosa im Gepäck habe ich außerdem die Erfahrung gemacht, dass sie ein wahrer Herzensöffner ist. Ob Kinder am Flughafen, Stewardessen im Flugzeug oder Mitcamper am See – den meisten zaubert sie ein Lächeln ins Gesicht und ein Gesprächsanfang ist auch schnell gefunden.

5. Woher stammt Dein Nord-Plüschi? Erzähl uns in ein paar Sätzen seine Geschichte! Was macht Dein Maskottchen einzigartig?

Ein Nilpferd würde man wohl eigentlich in Ägypten verorten, einen Nordbezug hat Rosa aber dennoch, denn sie ist Schwedin. Zumindest stammt sie aus einem berühmten schwedischen Einrichtungshaus. Dort habe ich sie gesehen und es war Liebe auf den ersten Blick. Ich habe sie 2010 geschenkt bekommen und seitdem begleitet sie mich, wenn ihr Packvolumen es erlaubt, gerne auf meinen Reisen. Sie ist allerdings ziemlich groß, so dass das nicht immer geht.

Rosa gehört zu mir und ich zu ihr und würde meine Wohnung brennen, würde ich sie mir als erstes schnappen. Als ich mit meinem Freund darüber redete, was wir vom anderen behalten würden, sollte er plötzlich sterben, war seine Antwort: Rosa! Ich denke, das zeigt mein (unser?) irrationales Verhältnis zu diesem Plüschtier relativ gut auf.

6. Wie würde Dein Maskottchen Dich beschreiben, wenn es das könnte? 

Schwere Frage, aber zuallererst wohl: kuschelbedürftig! Denn Rosa ist immer in meinem Bett und liegt nachts neben mir. Ansonsten aber wohl als nordverliebt, begeistert, herzlich, liebvoll und etwas verrückt. Zumindest hoffe ich das.

Wovon ich hoffe, dass sie es vergessen hat: Die Tage, an denen ich sie in die Waschmaschine gesteckt habe oder ihren Bauch aufgeschnitten und neue Zauberwatte nachgefüllt habe. Hey, 10 Jahre machen sich bemerkbar, da kann man auch mal ein bisschen die Kuschelfalten aufpolstern! 😉

7. Reist Dein Maskottchen immer mit Dir überall hin? Wo bist Du mit ihm schon gewesen?

Wie gesagt, immer ist Rosa nicht dabei, da sie einen ganzen Handgepäckstrolley alleine ausfüllt. Für ein Nilpferd ist sie aber schon ganz ordentlich rumgekommen, hat die Lavendelfelder der Provence beschnuppert, stand mit mir auf einem Hundeschlitten in Lappland, ist durch Bayern geradelt, hat grönländische Eisberge beobachtet und ist mit mir aus einem Flugzeug gesprungen. Sie hat in Hamburg einen Fotoautomaten unsicher gemacht, Wochenenden in Holland am Strand verbracht und es sich auch mal ohne mich zu Hause gut gehen lassen.

8. Ich packe meinen Koffer…Was muss Dein Maskottchen unbedingt mit auf Reisen nehmen?

Rosa ist pflegeleicht und braucht kein weiteres Gepäck. Gott sei Dank, denn ich erwähnte ja schon ihr…Volumen. Um es mit den Worten Mannis, des Mammuts zu sagen: “Ich bin nicht dick. Ich bin nur dick angezogen – das nennt man Fell. Es ist plüschig.”

9. Was war euer schrägstes und/oder schönstes Nord-Erlebnis?

Mmmmh. Ich würde sagen, kurios ist auf jeden Fall Rosas Artenbestimmung durch Fremde. 😀 Von Krokodil über Nashorn und Elefant bis zu Bär war schon alles dabei. Rosa nimmt es aber mit Gelassenheit und lächelt einfach freundlich weiter.

Grönland war als Reiseziel einfach so atemberaubend unbeschreiblich schön, dass ich der festen Überzeugung bin, dass auch Rosa es kaum erwarten kann, wieder ein Schiff zu besteigen und dieses weite, weiße Land mit mir zu erkunden.

10. Welches Reiseziel im Norden visiert ihr als nächstes an? Oder wohin möchtest Du unbedingt einmal mit Deinem Nord-Plüschi reisen?

Geplant ist natürlich eine Reise in den Norden. Im August wollen Rosa, mein Freund und ich nach Spitzbergen fliegen, dort an Bord eines Schiffes gehen, an der Packeisgrenze entlang nach Grönland übersetzen, die Ostküste erkunden, uns in Island einschiffen und dort noch einen Miniroadtrip dranhängen. Die Reise habe ich zu einem Teil letztes Jahr zum 30. Geburtstag geschenkt bekommen. Und wir haben uns wie blöde darauf gefreut.

Ob das alles dieses Jahr stattfinden kann? Keine Ahnung. Ich versuche, mich nicht verrückt machen zu lassen und gehe davon aus, dass es irgendeine Möglichkeit geben wird und das ganze Geld nicht einfach weg ist. Ich kann mich auch noch bis 2021 auf die Reise freuen, wenn das nötig ist. Und bis wir mehr wissen, bleiben Rosa und ich einfach zu Hause und träumen vom Norden!

30 und jetzt? Das nächste große Abenteuer!

Es war still hier, denn manchmal ist das Leben so entsetzlich schmerzhaft und schön, dass man zunächst keine Worte findet. Und obwohl ich es liebe, die Welt teilhaben zu lassen, musste ich einige Dinge erstmal mit mir selber ausmachen. In den letzten Monaten ist mein Leben ganz schön durchgeschüttelt worden. Es gab traurige Momente und schöne, und mehr als einmal haben sie sich vermischt und es flossen Tränen der Traurigkeit, der Einsamkeit, des Glücks und des Friedens.

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