Ausflugstipp Berchtesgadener Land – Hirscheckbahn am Hochschwarzeck

In Wales sind mir ja alle möglichen interessanten Fortbewegungsmittel durch die Lappen gegangen. Aber hier in Bayern, nicht mit mir! ICH. WERDE. SEILBAHN. FAHREN. Mir auch völlig wumpe wohin! Da trifft es sich gut, dass die erste schon direkt von unserer Unterkunft ausgeschildert ist: Die Hirscheckbahn am Hochschwarzeck, nur sieben Minuten mit dem Auto von Bischofswiesen entfernt.

Wir fahren auf den großzügigen, kostenfreien Parkplatz, als die Bahn gerade aufmacht. Es ist eine Sesselbahn, unermüdlich kreisen verblichen grüne Plastikbänke zwischen Gipfel und Tal.

Da ich zwar ständig in kalte Regionen reise, aber noch nie einen klassischen Skiurlaub gemacht habe, bin ich mit dem Konzept nicht ganz vertraut. Hält das Ding an? Anscheinend nicht. Mh. Aber da schau her, neonfarbene Fußstapfen zeigen an, wo man sich bestmöglichst platzieren sollte, damit einem die Bank optimal unter den Hintern fährt! Gedacht, getan- und kurz darauf stupst das Bänkchen gegen meine Kniekehlen. Jetzt nur noch hinsetzen, Sicherheitsbügel schließen und in aller Ruhe den Berg hinaufschweben. Herrlich!

Meine Mutter hat jetzt nicht direkt ein Problem mit Seilbahnen, sie mag sie aber auch nicht besonders. Seilbahnliebe scheint also nicht im Erbgut verankert zu sein. Daher ist sie auch nicht über die Maßen amused, als unser kleines Gefährt auf einmal ruckend auf halber Höhe zum Stillstand kommt. Mir fällt allerdings sofort eine plausible Erklärung ein.

„Guck mal, die ganzen Ommas, die sind nicht so sportlich wie wir, die können nicht auf den quasi fahrenden Zug aufspringen. Für die wird die Bahn angehalten!“

„Ich bin auch eine Oma.“

„Ja, aber keine Omma. Das ist ein Unterschied. Oder wo hast du deine beige Freizeitkluft, die Perlenkette und die Handtasche vor mir versteckt?“

Das lässt sie gelten und kurz darauf setzen wir unsere Fahrt fort. Oben erwartet uns dann ein großes Plateau mit fantastischer Aussicht. Diese genießen wir kurz, wollen uns dann aber doch ein bisschen bewegen und entscheiden uns für den Abstieg zum Söldenköpfel. Meine Tortur auf den Snowdon noch in guter Erinnerung bin ich wie meine Ma voll dafür, es langsam angehen zu lassen. 440 Meter runter und später wieder rauf reichen da für den ersten Tag.

In engen Serpentinen geht es durch den Wald nach unten. Einerseits ein bisschen eintönig, andererseits tun sich immer wieder grandiose Aussichten auf. Irgendwann stolpern wir dann mit Drehwurm zur Söldenköpfler Alm, wo meine Mutter ein schlechtes Stück Kuchen und ich ganz hervorragende Kasnockerl bekomme. Die ich mir verdient habe, wie ich finde, und deren Kalorien ich für den Aufstieg auch brauche.

Denn mittlerweile brennt die Sonne vom bayerisch-blauen Himmel und da sie über unseren Köpfen steht, spenden auch die Bäume am Wegesrand nicht viel Schatten. Aber, aus Fehlern lernt man, deswegen lassen wir es ganz langsam angehen. Drei Serpentinen hoch, drei Minuten im Schatten stehen und quatschen. So arbeiten wir uns wieder hoch zum Hochschwarzeck, wo wir uns geschafft aber glücklich von der Bank umfahren und abtransportieren lassen. Das war doch mal ein schöner Auftakt für unsere Bayernreise!

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