Burgentour durchs Moseltal: Burg Thurant, Burg Eltz, Burg Manderscheid und die Hängeseilbrücke Geierlay

Ich gebe es zu, ich bin ein instagramsüchtiger Hipster und ein Organisationsfanatiker mit monkartigen Tendenzen. Mein Freund…nicht so. Weder das eine, noch das andere. Dafür hält er das alles stoisch aus. Unser letzter gemeinsamer Ausflug war trotzdem nicht ganz typisch für uns, denn ich hatte zwar ein paar Insta-Punkte auf dem Programm, wirklich organisiert war das Ganze aber nicht. Dafür recht unterhaltsam! Vorhang auf, hier kommt unsere Burgentour durch’s Moseltal!

Hatzenport – Auf der Suche nach einer Herberge

Es fing damit an, dass wir eigentlich Freitag früh nach der Arbeit loswollten, um uns noch im Abendlicht die Burg Thurant anzuschauen. Wie das aber bei einer Fernbeziehung so ist, die Autobahnen waren dicht, bis mein Freund mich abholen konnte vergingen einige Stunden. Bis wir dann an der Mosel waren, war es zu spät für einen Burgbesuch.

Wie gesagt, am wohlsten fühle ich mich, wenn ich im Vorfeld alles perfekt durchplanen kann. Bei diesem Trip hat das aber nicht ganz hingehauen, weshalb wir noch keine Unterkunft für die Nacht hatten. Uns knurrte aber zuerst einmal der Magen und so hielten wir einfach vor dem nächstbesten Restaurant, wie sich herausstellte war das in der Weltmetropole Hatzenport.

Hatzenport ist etwa 300 Meter lang, hat keinen Supermarkt, keinen Kiosk und keine Tankstelle. Dafür aber ein paar Gasthöfe. Während mein Freund beschloss, dass jetzt Zeit für Wein sei, machte ich mich also auf die Suche nach einer Herberge für eine Nacht. Spontan. Am Pfingstwochenende. Guuute Idee.

Überraschenderweise musste ich aber nur an drei Türen klofen, bis ich fündig wurde. In einem Gasthaus, dass ich aus Höflichkeitsgründen mal nicht beim Namen nenne, traf ich auf eine Wirtin, die in einem nach altem Bier müffelnden Schankraum den Thresen polierte. Während unser Konversation schaute sie konsequent die Wand neben mir an. Aaaber, es gab ein Zimmer, es war nicht zu teuer und Frühstück sollte auch drin sein.

Fröhlich marschierte ich zu meinem Freund zurück und dann hatten wir ein bisschen Spaß mit den Google-Rezensionen zu unserer Herberge. Die waren eher…vernichtend. Aber, so what? Wer spät dran ist, darf nicht wählerisch sein. Unser Zimmer hatte dann auch seinen ganz eingenen Charme: Der braune Teppichboden, die Tiffany-Lampen aus Plastik, die Spitzendeckchen, die orange Tapete mit Muster, der Röhrenfernseher auf 3 Metern Höhe in der Wand…

Burg Thurant – Romantischer Geheimtipp

Wir schliefen trotzdem gut und standen am nächsten Morgen vor den Toren der Burg Thurant. Diese erwies sich dann auch als überraschend romantisch und zu unserer Freude als gar nicht überlaufen. Der Eintritt liegt für Erwachsene bei 3€, für Studenten sogar nur bei 1,5o€. Überall gibt es kleine Sitzplätze mit tollen Ausblicken und der burgeigenen Minikiosk bietet frischen Kaffee.

Außer uns strichen noch ein, zwei andere Pärchen durch das Gemäuer, den kleinen Garten und das Wappenzimmer. Die Burg ist insofern interessant, als dass sie zwei Herren hatte, den Erzbischof von Mainz und den Erzbischof von Trier. Sie ist also in der Mitte zweigeteilt und hat alle Bauten in zweifacher Ausführung.

Als kleines Highlight konnten wir dann noch die ortsansässige Weinkönigin mit ihren zwei Hofdamen beim Fotoshooting beobachten. Ich lachte mich schlapp, während mein Freund kein Verständnis dafür hatte, dass die drei die ganze Zeit nur die Weingläser in der Hand hielten, während sie sich in Pose warfen, statt auch mal daraus zu trinken.

Die Hängeseilbrücke Geierlay – Wie Mörsdorf zum Hipster-Treff wurde

Des Weiteren standen heute meine Insta-Hipster-Must-Sees auf dem Programm, weshalb es zuerst nach Geierlay zur Hängeseilbrücke ging. Auf Grund der Tatsache, dass es Wochenende und bestes Wetter war, waren wir da natürlich nicht allein. Da ich aber gerne Leute beobachte, fand ich diesen Programmpunkt doch recht unterhaltsam.

Die Brücke ist ein ziemlicher Tourimagnet, das merkt man schon in Mörsdorf. Alles ist perfekt ausgeschildert und es gibt viele (kostenpflichtige) Parkplätze. Überall sieht man Gruppen, die zur Brücke pilgern und der Run hat dafür gesorgt, dass in Mörsdorf einige hipstertaugliche Waffelstände und Burgerbuden stehen.

Wenn man von Mörsdorf losmarschiert und der Beschilderung „Wanderweg“ statt „Fußweg“ folgt, ist man aber zumindest auf dem Weg dorthin für sich. Hier geht es ein bisschen über Stock und Stein, statt über geschotterten Feldweg, wer im Kinderwagen oder Rollstuhl kommt, sollte also doch den Fußweg wählen. Die Strecke ist gleich lang.

Die Brücke misst 360 Meter Länge und befindet sich in knapp 100 Metern Höhe. Ich persönlich finde das Bauwerk schon beeindruckend, man sollte aber schwindelfrei sein, da es ganz schön schwankt. Aber immerhin ist es kostenlos und irgendwie finde ich es nett, dass es keinen Vergnügungspark oder eine Kartbahn oder ähnliches braucht, um auch junge Menschen hierhin zu locken. Einfach nur ein bisschen Holz und Metall und jede Menge Grün.

Die Burg Eltz – Das Neuschwanstein an der Mosel

Von Mörsdorf ging es weiter zum nächsten instatauglichen Motiv, der Burg Eltz. Wir waren schon gewarnt worden, dass dort ein Riesenandrang herrschen sollte, die Führungen sehr teuer wären und wir uns auf Massen an Besuchern einstellen müssten. Deswegen befand sich die Motivation meines Freundes nicht in ekstatischen Höhen, aber wo ich schon mal da war, konnte ich diesen Punkt leider nicht auslassen. Auch hier ist der nächstgelegene Parkplatz kostenpflichtig, wer sparen will muss weiter laufen. Wir konnten die 2€ aber verschmerzen und gingen so nur etwa 15 Minuten durch den Wald.

An der Burg waren dann Menschen, ja, aber es hielt sich alles in absolut erträglichen Grenzen. Der Eintritt war auch viel günstiger als gedacht (16,50€ für zwei Personen inkl. Schatzkammer und Führung) und unser Guide sehr lustig. Mir war im Vorfeld nicht klar, wie interessant die Geschichte der Burg ist. Sie ist wahrscheinlich die einzige der Burgen an Rhein und Mosel, die nicht in der Romantik wieder aufgebaut wurde, sondern noch im Originalzustand erhalten ist, da sie nie zerstört wurde. Als die Linie der Eltzer sich in drei Zweige aufteilte, erhielt jeder Familienteil seinen eigenen Bereich mit bis zu 10 Stockwerken in unterschiedlichen Baustilen. Auch im Innern kann man zum Teil noch Originaldecken und -böden aus dem 15. Jahrhundert bestaunen.

Und vor der Burg konnte ich dann meinem Freund vor Augen führen, dass es weitaus „schlimmere“ Menschen als mich gibt. 😉 Etwa die drei Mädels, die die Burg gar nicht betraten, sondern sich nur immer wieder in den interessantesten Positionen davor ablichteten und sich dabei die ganze Zeit gegenseitig versicherten, wie schön sie seien. Oder das blondgelockte Mädel, dass in rosa Tüll und Strasssteine gehüllt an uns vorbeimarschierte, ihren Fotografen im Schlepptau. Der hing ihr dann eine weiße, tüllummantelte und mit einer Lichterkette verzierte Schaukel auf, um sie als Prinzessin vor der Burgkulisse zu fotografieren.

Wir hingegen genossen die Aussicht auf die Burg und die letzten Sonnenstrahlen mit einem Picknick. Wobei ich natürlich auch fleißig fotografierte.

Die Burgen zu Manderscheid – Minas Tirith lässt grüßen

Nach einer überraschend gemütlichen Nacht im Kofferraum des Kombis, erwachten wir am nächsten Morgen zu unserem letzten Programmpunkt, den Manderscheider Burgen. Den besten Blick auf Nieder- und Oberburg hat man übrigens, wenn man rauf ins Dorf fährt. Hier ist an der Straße ein Miniparkplatz mit Bänkchen. Das war mal ein Frühstück mit Aussicht!

In Manderscheid gab es dann keine Endzwanziger mit Karohemden und Fuchsrucksäcken, sondern unsere holländischen Nachbarn mit Bierbäuchen, Kapuzenpullis und verspiegelten Sonnenbrillen. Aber auch die waren nett und der Eintrtt in die Niederburg wieder sehr günstig. Im Gegensatz zur aufpolierten Burg Eltz ist die Niederburg nur eine Ruine, dafür aber endlich eine nach Geschmack meines Freundes. Man sieht ihr ihre militärische Funktion nämlich noch ganz doll an: Der Aufbau auf mehreren Ebenen erinnert ein bisschen an Minas Tirith und macht es den Angreifern unglaublich schwer, die Burg einzunehmen.

Mit dieser Burg endete unser Pfingstausflug dann auch und wir machten uns auf den Rückweg nach Köln.

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