2020 – Leben, reisen und lieben in Zeiten von Corona

Viele Monate ist es her, dass ich zuletzt einen Artikel veröffentlicht habe. Gerade zu Anfang der Corona-Pandemie schien es mir unpassend, über Reisen zu berichten. Aber mittlerweile ist so viel in meinem Leben passiert, dass ich mir sozusagen einfach ein Update von der Seele schreiben muss.

Nun, da die Grenzen langsam wieder öffnen, sieht es so aus, als ob trotzdem alle Reisepläne ins Wasser fallen.

Vielleicht sollte ich lieber sagen: Auf Eis gelegt werden. Denn unsere große Reise von Spitzbergen über Grönland nach Island wird dieses Jahr nicht stattfinden. Mein Geschenk zu meinem 30. Geburtstag, an dem so viele Freunde mitgewirkt haben und auf das ich mich wahnsinnig gefreut habe, fällt aus. So wie der Ostertrip ans Meer und die geplante Radtour nach Holland. Und alle meine Vorträge bei Globetrotter.

Rosas-Reisen-Groenland

Und das ist in Ordnung. Das ist in Ordnung, weil 2020 ein Jahr ist, in dem man solche Reisen und Veranstaltungen einfach nicht machen muss, weil der Schutz und die Sicherheit aller vorgehen. Obwohl mir das Herz blutet und vor Fernweh ächzt, weiß ich, dass ich Glück habe hier in Deutschland sein zu dürfen, während diese Krise wütet.

Und diese Krise stellt auch mein Leben ziemlich auf den Kopf. Erinnert ihr euch, wie ich behauptet habe “Grönland ändert alles?” Tja, von wegen. Corona ändert alles. Zumindest fast.

Im März bin ich ins Home Office gegangen, im Mai in Kurzarbeit. Mein Gehalt hat sich um mehrere hundert Euro reduziert. Die Einkünfte von Globetrotter sind weggefallen. Meine Ausgaben sind die gleichen geblieben.

Ich arbeite als Eventmanagerin für Messen zu Auslandsaufenthalten. Ihr könnt euch denken, was Corona damit angestellt hat. Ende Juni habe ich erfahren, dass ich zum Juli gekündigt werde. Ich werde meinen Job verlieren, den ich vier Jahre lang mit Liebe und Herzblut gemacht habe. Ich verlasse ein Team, das nicht mehr das gleiche ist wie vor der Krise. So viele mussten gehen, so viel Streit und Wut und Ungerechtigkeiten. Manchmal fiel es mir schwer, noch an irgendetwas anderes zu denken.

Jetzt droht ab Oktober die Arbeitslosigkeit. Davor habe ich wahnsinnige Angst. Ich war noch nie arbeitslos, habe meinen Job direkt nach der Uni angefangen, habe immer auf eigenen Beinen gestanden. Also schreibe ich Bewerbungen und suche nach allen möglichen Stellen, die irgendwie zu mir passen könnten.

Bisher noch nicht besonders erfolgreich. Das bedeutet, dass ich ab Oktober Arbeitslosengeld beziehen werde und das wird sehr, sehr wenig sein. Ich habe meinen Job geliebt, aber gut verdient habe ich da nicht, im Gegenteil. Und das wirkt sich natürlich auf die Höhe des ALG aus. Ich werde knapp 19 € über der Armutsgrenze liegen.

Mit dem, was ich dann zur Verfügung haben werde, kann ich meine Miete nicht mehr bezahlen. Ich habe Glück, ich habe eine schöne Wohnung in Köln, aber wie das bei den unglaublichen Mietpreisen hier so ist, kann ich sie mir nur leisten, weil sie meiner Tante und meinem Onkel gehört und ich den “Familienpreis” zahle. Selbst der ist mit ALG aber nicht mehr zu stemmen. Und ich will ihnen definitiv nicht noch mehr zur Last fallen. Auch wenn ich weiß, dass sie mich niemals rauswerfen würden, wenn ich in Not bin.

Und nun?

Tja, wer bis hierhin durchgehalten hat, Respekt. Das ist ein ganz schön trauriger Monolog, den ich da angestimmt habe. Und es ist nur eine von so vielen Geschichten weltweit, von denen 99% schlimmer sind. Deshalb will ich jetzt mal das Steuer herumreißen und ein bisschen Hoffnung aufkommen lassen. Denn es ist nicht alles schlecht dank Corona.

Aufgrund der Pandemie konnten mein Freund und ich viel Zeit miteinander verbringen. Normalerweise führen wir eine Wochenendbeziehung. Das heißt, alles muss in 40 Stunden passen: Wiedersehen, aneinander gewöhnen, streiten, lieb haben, die Zeit genießen, verabschieden. Also, wir streiten jetzt nicht jedes Wochenende, aber ihr wisst was ich meine, oder? Und dann sind da ja auch noch Freunde und Familie, die ihn auch gerne mal zu Gesicht bekommen möchten. Und die Einsätze.

Das hat mich die letzten Jahre schon sehr gestresst. Als die Corona-Quarantäne begann, wurde er sozusagen freigestellt und ich konnte von zu Hause arbeiten. Zum ersten Mal haben wir also viel Zeit miteinander verbracht. 24 Stunden am Tag, 7 Tage die Woche und das fast 3 Monate. Auf 45qm.

Interessanterweise haben wir uns nicht die Köpfe eingeschlagen. Im Gegenteil. Ich habe es geliebt.

Wir haben gebastelt, Hörspiele gehört, uns mit Wasserfarben angemalt, Nudeln selber gemacht, eine einsame Fahrradtour unternommen, ich habe ihm ein bisschen Inliner fahren beigebracht, wir sind wandern gegangen, ich durfte ihm den Kopf rasieren, wir haben seiner Oma ein Tablet gekauft und ihr Skype “beigebracht” und ich habe ihm seinen ersten Maibaum gestellt.

Und über all dem habe ich endlich den Entschluss gefasst, der schon lange aussteht.

Er ist Soldat und das bedeutet, dass er alle zwei bis drei Jahre umzieht. Ich will keine Fernbeziehung mehr und eine großartige Karriere war eh nie mein Plan. Ich werde ihn von nun an begleiten.

Noch immer fühlt sich diese Entscheidung etwas komisch an, aber richtig. Ich wollte nie die “Soldatenehefrau” werden, die brav alles mitmacht und zu Hause sitzt. Aber so wird es auch nicht. Ich bin flexibel, wo ich mir einen neuen Job suche, er kann das nicht einfach so entscheiden. Und wir wollen zusammen bleiben. Ergo…

…ziehe ich nach Bielefeld. Zumindest für die nächsten zwei Jahre, dann werden die Karten neu gemischt. Wir haben nun eine Wohnung gefunden und werden zum 1. September umziehen. Dank der unglaublich günstigen Mieten dort, kann ich sogar einen nicht allzu kleinen Teil der Miete bestreiten. Da kommt die Rückzahlung der Grönland-Reise auch gar nicht so ungelegen.

Nun stecken wir die Köpfe zusammen und überlegen, was wir wo hinstellen. Welche Möbel wir noch verschönern oder bauen möchten. Wie genau die Demarkationslinie im Arbeitszimmer verlaufen wird und wer welche Bilder und Landkarten wo aufhängen darf.

“Weißt du was? Ich freue mich richtig darauf, mit dir zu Ikea zu fahren!”
Ob ich wohl den perfekten Mann gefunden habe?
“Und weißt du warum? Weil ich genau weiß, wie glücklich dich das macht!”
Definitiv.

Wir werden zum ersten Mal ein gemeinsames zu Hause haben. Es wird nicht immer die Uhr ticken, wenn wir uns sehen. Wir haben die Chance, zusammen eine neue Stadt kennenzulernen. Nach 30 Jahren ziehe ich zum ersten Mal aus Köln weg, lasse meine Freunde und meine Familie zurück und stelle mich der Herausforderung einer komplett neuen Umgebung ohne finanzielle Sicherheit. Aber mit ganz viel Liebe.

Lasst mich zusammenfassen: 2020 ist das Jahr, in dem alles neu wird. Job, Wohnung, Stadt, Umfeld, Art der Beziehung. Ich habe Angst, bin traurig, aufgeregt, glücklich, mutig und ängstlich. Alles gleichzeitig. Und dann ist da ja auch noch diese Corona-Pandemie.

Nächstes Jahr darf es dann ein bisschen weniger sein. 😉 Außer Reisen, da bin ich offen für mehr!

9 Gedanken zu “2020 – Leben, reisen und lieben in Zeiten von Corona

  1. Toll, dass du dir deinen Mut und Optimismus nicht nehmen lässt. Ich drücke dir für alles die Daumen.! Und wer weiß: Vielleicht kannst du irgendwann sogar lächelnd auf 2020 zurückblicken. Liebe Grüße, Anja

    1. Liebe Anja,
      danke, dass du dir die Zeit genommen hast, den Artikel zu lesen und so nett zu kommentieren. Und natürlich fürs Daumen drücken! Ich denke, es kommen noch ein paar Hürden, aber alles in allem glaube ich, wir schaffen das! Und dann gehören auch gute Erinnerungen zu 2020 🙂

  2. Viel Erfolg und vor allem Spaß bei dem Neuanfang. 🙂
    Ich hatte gar nicht mehr auf dem Schirm, dass du ja auch in Köln wohnst. Vielleicht ist ja mal Zeit für eine Sonmerabendtour bevor du gehst? 🙂

    Viele Grüße, Simone

    1. Liebe Simone,
      heute Abend bin ich beim TravelSlam im Sommerkino. Vielleicht sehen wir uns ja ganz spontan dort? 🙂 Ich würde mich freuen!

  3. Manche Entscheidungen werden uns abgenommen und dann muss man das Beste daraus machen. Du beschreitest neue Wege und wer weiß, wozu diese gut sind und wo sie dich hinführen. Freue dich darauf, dich weiter zu entwickeln.

    Für eine neue Stelle hast du auf jeden Fall meine gedrückten Daumen.

    Liebe Grüße
    Liane

    1. Danke, Liane! Ja, ich denke ich alleine, aber auch wir als Paar werden an der Situation wachsen und uns weiterentwickeln. So das am Ende trotz allem etwas positives und schönes dabei rum kommt.

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