Verbotene Liebe: Eine Schlittenhunde-Seifenoper

Herzschmerz, Eifersucht, blinde Wut und heimliche Liebe: Man könnte meinen, das gibt es nur bei uns Menschen. Falsch gedacht! Hunde können all das genau so empfinden und erleben. Und wenn sich das Ganze dann noch vor einer grandiosen landschaftlichen Kulisse abspielt, dann sind wir im verschneiten Finnland. Herzlich Willkommen zur ersten Episode „Verbotene Liebe – Mit Schlittenhunden!“

Während meines Farmstays in Finnland habe ich mich um knapp 60 Huskys gekümmert und dabei so allerhand erlebt. Vom Hundekampf über Elchverfolgungen und gefressene Geschirre war alles dabei. Besonders in Erinnerung geblieben ist mir aber die Geschichte von Saiho.

Ein Bild der Ruhe und des Friedens…denkt man.

Saiho war einer meiner Lieblingshunde: Klein, zierlich, lieb und ihr Fell duftete immer nach frisch geschlagenem Holz. Wann immer es ging habe ich mich für den Teil des Kennels gemeldet, in dem ihr Gehege lag, um beim Füttern und Saubermachen ein paar Minuten mit ihr zu vebringen. Mit ihr zusammen lebten Davin und Eemil, zwei sehr große und bullige, aber absolut verschmuste Huskys. Als ich erfuhr, dass es sich dabei um Sahios Söhne handelt, war ich baff.

Sieht aus, wie die Unschuld in Hundeperson: Saiho

Als Saiho ein junger Teenager war, noch kein Jahr alt, hat sie das Kunststück vollbracht, aus ihrem Gehege zu entkommen. Der Kennel besteht aus einem großen umzäunten Gelände mit einzelnen Gehegen in denen meist zwei oder drei Hunde untergebracht sind. Saiho begab sich also auf eine kleine Tour durch den Kennel. Und ein Gehege hatte es ihr besonders angetan, nämlich das von Sirius und Seemi. Die beiden sind der Ursprung des Kennels, sie waren die ersten beiden Schlittenhunde, die die Familie angeschafft hat, und sind bis heute die Maskottchen.

Saiho auf Abwegen

Saiho schaffte es, in ihr Gehege einzubrechen, eine lauschige Nacht dort zu verbringen und am Ende ungesehen wieder in ihr eigenes Gehege zu verschwinden. Am nächsten Morgen sah alles so aus wie zuvor und niemand merkte etwas. Nur wurde Saiho mit der Zeit immer dicker. Weshalb meine Chefin beschloss, den Hund auf Diät zu setzen. Glücklicherweise fiel der Groschen aber bald und Saiho brachte fünf gesunde Welpen zur Welt.

Nun handelt es sich beim Usvatanssin Kennel, in dem ich gearbeitet habe, um einen Zuchtkennel. Das bedeutet, es wird genau geplant, wer sich mit wem fortpflanzen soll und die Welpen werden für viel Geld verkauft. Und dafür brauchen sie natürlich einen Stammbaum. Nun war aber ja der Vater von Saihos Babys unbekannt. Na, was macht man da? Natürlich: Einen Vaterschaftstest! Eines schönen Tages rückte also der Tierarzt an und nahm von allen männlichen Hunden eine Speichelprobe. So konnte Sirius als der Vater der Hunde ermittelt werden.

Wer könnte diesen Augen widerstehen? Sirius

Nun ergab sich aber ein neues Problem. Denn Sirius ist der Onkel von Saiho! Die so entstandenen inzestuösen Welpen konnten also nicht verkauft werden. Da aber alle wie gesagt gesund waren, stand einer Karriere als Schlittenhunde nichts im Weg. Meist wird ein Wurf mit einem Buchstaben versehen und die Namen der Welpen beginnen alle mit diesem Buchstaben. Bei Saihos Wurf war das nicht nötig und daher entschied man sich, alphabetisch vorzugehen. Die Welpen bekamen die Namen: Aadi, Bruno, Cora, Davin und Eemil.

Und bis heute leben sie alle in Korvala zusammen, sind gute oder auch nur leidliche Schlittenhunde geworden, verstehen sich mit den anderen Huskys mal besser und mal schlechter und führen ein rundum schönes Hundeleben. Bis zum nächsten Kennel-Skandal! 🙂

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