Roadtrip durch Kanada & Alaska: Tipps für Whitehorse und Umgebung

Ich sitze vor dem Gate am Flughafen und lasse meinen Blick über die Wartenden schweifen. Wer außer mir fliegt denn noch so nach Kanada? Ich sehe Outdoorklamotten soweit das Auge reicht, alle großen Marken sind vertreten. Aber wir wären nicht im korrekten Deutschland, hätten manche der Funktionshosen nicht die obligatorische Bügelfalte. Ich muss grinsen.

Ich bin also definitv nicht die Einzige, die den ziemlich praktischen Direktflug von Frankfurt nach Whitehorse gebucht hat. Der Flug dauert 9 Stunden und 30 Minuten, da die Zeitverschiebung aber ebenfalls 9 Stunden beträgt, lande ich eine halbe Stunde, nachdem ich abgeflogen bin. Leider besteht diese Flugverbindung nur von Mai bis September, wer also einen Winteraufenthalt plant (Wer könnte das wohl sein…?), muss einen Zwischenstopp einlegen.

Es ist meine erste Reise nach Kanada, aber mit der vorher beantragten eTA Genehmigung ist die Einreise kein Problem. Vom Flughafen in Whitehorse geht es mit Shuttlebussen zu den Hotels in der Stadt. Die hat etwa 27. 000 Einwohner und ist die Hauptstadt des Yukon Territories. Und wer Herr der Ringe gesehen hat, kann sich vielleicht denken, warum sie ihren Namen trägt. Sie wurde nach den mittlerweile durch einen Staudamm gefluteten Stromschnellen benannt, deren Wellenkämme wie weiße Pferde aussahen. Hier bin ich richtig.

Das merke ich auch am nächsten Morgen, als ich meinen Jetlag auskuriert habe und um 7 Uhr morgens mit einem dampfenden Becher Tee vor die Tür trete. Das Edgewater Hotel, in dem ich untergekommen bin, liegt direkt am Wasser und so zieht es mich sofort an den Yukon, den Fluss, den man aus so vielen Geschichten kennt. Er fließt hier schnell, aber ruhig und hat durch die Gletschersedimente eine türkisgrüne Farbe.

Die Uferpromenade ist hübsch gestaltet und direkt am Wasser findet sich auch der Bahnhof der White Pass & Yukon Railway. Das große Gebäude zieht mich aber auch aus einem anderen Grund wie magisch an: Hier endet oder startet der Yukon Quest! Von den Kanadiern immer stolz als das einzige internationale Hundeschlittenrennen der Welt betitelt, da es bis nach Alaska geht. Außerdem wird es auch gerne das härteste Rennen der Welt genannt (Vor allem um sich vom Iditarod abzugrenzen. Dieses findet in Alaska statt und ist mit 1600 Meilen nämlich das längste. Tja, härter, länger, ihr wisst schon… 😀 )

So genug Hundegedöns, es kann ja nicht jeder so einen Fimmel haben wie ich, ne? (Aber keine Sorge, gleich kommen noch süße Hundebilder!) Was kann man denn noch so in Whitehorse tun? Ich habe ein paar Ausflüge und Tipps zusammengestellt!

Tipps für Whitehorse

Hervorragendes Frühstück: Café Baked

Jedes gute Abenteuer sollt emit einem stärkenden Frühstück starten. Und jeder normale Tag eigentlich auch, oder? Für beides wird im Café Baked gesorgt, das direkt gegenüber von meinem Hotel liegt. Auf Anhieb verliebe ich mich in die exorbitant großen Cinnamon Buns, von denen das Cream-Cheese-Frosting tropft. Wem das zu süß ist, der sollte die kleinen Quiches probieren. Und meine Reisebegleitung versichert, auch von den Scones wird man pappsatt. Dann kann das Abenteuer ja kommen!

Kanutour auf dem Yukon mit Up North Adventures

Mit vollem Magen soll man nicht ins Wasser gehen, auf das Wasser ist aber kein Problem, hab ich gehört. Und so begeben wir uns nur ein paar Straßen weiter zu den Jungs von Up North Adventures. Dort treffen wir Gaeton aus Paris, der sich hier mit Hilfe des Working-Holiday-Visums seinen Lebensunterhalt verdient. Bonjour!

Mit ihm verbringen wir etwa vier Stunden in Kanus auf dem Yukon. Dabei sehen wir Weißkopfseeadler, einen Hirsch, eine Biberburg und jede Menge schöne Landschaft. Die rasche Strömung unterstützt das Vorankommen, so dass auch Menschen mit Gummiärmchen keine Probleme bekommen. (Im Hintergrund ertönt die Stimme meines Gewissens: Wann warst du noch mal das letzte Mal im Fitnessstudio? Ich kann sie über das Rauschen des Wassers aber nur ganz schlecht verstehen.) So geht es entspannt und mit Kaffeepause bis zum Takhini River, da werden wir dann abgeholt und die etwa 15 Kilometer zurück nach Whitehorse gefahren.

Spaziergang zur SS Klondike und der Fish Ladder

Wer es etwas ruhiger angehen und die Stadt erstmal zu Fuß erkunden will, der kann sich einfach den Spazierweg am Yukon hocharbeiten und kommt so automatisch zu einigen Sehenswürdigkeiten. Der SS Klondike zum Beispiel, einem Schaufelraddampfer, der in den 30er Jahren Güter und Personen bis nach Dawson City im Norden transportierte. Wir sind zufälligerweise am Discovery Day (immer der 3. Montag im August), dem größten Feiertag in der Gegend, da und bekommen freien Eintritt. Man kann auf dem Schiff umherlaufen und sich alles ansehen. Wer Glück hat, bekommt auch noch eine kompetente Führung. 😉 Die natürlich nicht einfach nur aus dem Infoblatt abgelesen ist. Höhö.

Weiter am Fluss entlang und über eine Brücke, so kommt man an die Fish Ladder, eine Art Aufstiegshilfe für Lachse. Seit hier nämlich ein Wasserkraftwerk steht, können diese nicht mehr auf natürlichem Weg ihre Laichgründe erreichen. Das hat man beim Bau in den 50ern aber überraschenderweise bedacht und so die hölzernen Stufen in den Fluss gesetzt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie die riesigen, rot leuchtenden Lachse vor dem Eingang darauf warten, dass sich das Tor öffnet. Damit man einen besseren Überblick über die Population hat werden die Fische nämlich gezählt. Und damit das einfacher ist, werden immer nur ein paar auf einmal durchgelassen.

Wanderung am Fish Lake

Wem die Fortbewegung zu Fuß eine Freude ist, der sollte sich am Aufstieg eines Hügels am Fish Lake versuchen. Etwa 15 Autominuten von Whitehorse entfernt und über die pragmatisch benannte Fish Lake Road, eine Schotterpiste, zu erreichen. Alle Infos dazu bekommt man übrigens im netten Visitor Center in Whitehorse.

Die Wanderung ist nicht lang und der Aufstieg moderat. Mit einer entspannten Pause haben wir etwas mehr als drei Stunden hoch und runter gebraucht. Nachdem man die Baumgrenze hinter sich lässt, wird man mit tollen Ausblicken auf das umliegende, weite und leere Land belohnt. Kaum Anzeichen von Zivilisation und jede Menge Natur.

Besuch bei den Schlittenhunden von Muktuk Adventures

Last but definitely not least: Mein persönliches Highlight! Verlässt man Whitehorse Richtung Norden auf dem Alaska Highway, kommt nach einer Viertelstunde Fahrt die Abzweigung Husky Trail in Sicht. Und folgt man dieser durch den Wald, erreicht man das Paradies. Das Schlittenhunde-Paradies. Hier warten 141 Alaskan Huskies darauf, gestreichelt und geknuddelt zu werden. Ihre bunten Hütten leuchten in der Sonne, das Puppy Wheel dreht sich munter und die Schwänze wedeln wild hin und her.

Ein Besuch ist kostenlos, aber über eine Spende freuen sich die Jungs und Mädels, die dort arbeiten und natürlich auch die Hunde sehr. Man kann hier auch Ausflüge mit den Hunden buchen, im Sommer Spaziergänge und kanutouren, im Winter natürlich auf dem Schlitten. Leider reicht die Zeit bei uns dafür nicht.

  

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