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Kanutour auf der Lippe – Tipps für Bielefeld und Umgebung

Das Wochenende wird schön und ich will raus in die Natur! Aber was sollen wir unternehmen? Draisine fahren im Extertal? Schon ausgebucht! Klettern im Hochseilgarten am Hermann? Irgendwie zu viel los! Wandern an den Externsteinen? Och, da bin ich jetzt schon drei Mal gewesen! Spaziergang im Kurpark von Bad Salzuflen? Irgendwie ein bisschen zu wenig Action! Wie wäre es denn mit einer Kanutour auf der Lippe? Volltreffer!

So ungefähr stellt sich die Lage im heimischen Wohnzimmer dar, als ich Selbstgespräche darüber führe, was wir denn Schönes unternehmen könnten. Ich muss gestehen, der letzte Einfall kommt nicht von mir, sondern von meinem Freund. Der hat nämlich nur ein paar Tage zuvor eine feuchtfröhliche Teambuilding-Maßnahme im Schlauchboot auf der Weser hinter sich gebracht. Und trotz des vollkommen überraschenden Unwohlseins in den nächsten Tagen (man ist ja keine 20 mehr und ein Schlauchboot fasst locker zwei Kästen Bier), scheint ihm die Fortbewegung auf dem Wasser gefallen zu haben. Denn als ich ihm mein Dilemma schildere, ist die Kanutour seine Antwort.

Also schnell nach einem Anbieter gegoogelt. Drei Tage vorher noch etwas zu buchen ist natürlich nicht so einfach. Und könnten wir uns als erfahrene Kanuten bezeichnen? Ich war zuletzt 2018 zu einer entspannten Paddelrunde auf dem St. Elias Lake in Kanada, mein Freund vor 20 Jahren auf der Lahn. Eher nein also.

Aber wir haben Glück, Till von kanute.de bietet für den kommenden Samstag eine offene Kanutour auf der Lippe an. Man fährt in einer Gruppe, wird von einem Guide begleitet und hat auch noch den Autotransfer inklusive. Das Ganze dauert all in all 4 ½ Stunden (davon drei auf dem Wasser) und kostet faire 25 € pro Person. Also fix eine E-Mail geschrieben, noch fixer eine positive Antwort bekommen und dann nur noch bis Samstag warten.

Um 12.30 Uhr treffen wir uns auf dem Parkplatz vor dem Gut Lippesee und die Kanus können wir schon von der Straße sehen. Während mein Freund unseren Wagen zum Zielpunkt der Kanutour bringt und mit einem Bulli zurückgeshuttlet wird, probiere ich mich durch ein buntes Sammelsurium an Rettungswesten. Schnell ist eine passende gefunden und ich kann mich ganz Loki, dem Hund eines der Guides widmen.

Als alle wieder versammelt und mit Westen ausgestattet sind, suchen sich alle Teams ein Kanu und tragen es zum Wasser. Wir haben den nicht kleinen Rucksack meines Freundes in unserem platziert und uns wird noch ganz freundlich angeboten, ob wir den nicht im Auto lassen wollen, damit er nicht nass wird? Wir gucken uns an und grinsen. Nö! Da ist nämlich nur Essen drin: Risotto vom Vortag, Oliven, Nüsse, Kirschpaprika, Äpfel und ein paar Peanutbuttercups. Man weiß ja nicht, wie viele Kalorien man bei so einer Kanutour verbrennt!

Erstmal tatsächlich nicht so viel, denn bevor wir wild mit unseren Stechpaddeln loslegen dürfen, üben wir Anlegemanöver. Dazu muss man die Nase des Kanus gegen die Fließrichtung drehen und lässt sich im besten Fall sanft von der Strömung ans Ufer schieben. Oder man macht’s verkehrt und kreiselt fröhlich über die Lippe, dotzt gegen andere Kanus und bildet ein unentwirrbares Kanuknäuel. Nicht, dass das in unserer Profitruppe irgendwem passiert wäre!

Nach und nach haben wir aber den Bogen raus und fahren los. Vor kniffeligen Stellen halten wir immer an und bekommen erklärt, wie wir diese durchfahren sollen. Da mein Freund und ich meist am Anfang unserer Gruppe fahren, dauert es, bis alle versammelt sind und wir nutzen die Pausen fleißig, um unseren Proviant zu reduzieren. Bald schon haben wir einen gewissen Ruf.

„Was esst ihr denn jetzt schon wieder?“

„Habt ihr ernsthaft Risotto dabei?“

„So, wir machen eine kurze Pause, damit jeder eine Kleinigkeit essen kann. Haben alle etwas dabei? Ihr auch…ach, was frag ich, ihr habt ja genug für eine Woche mit!“

Zwar rasieren wir auf unserer Kanutour den ein oder anderen Busch…nein, okay, seien wir ehrlich: WIR werden von dem ein oder anderen Gebüsch rasiert, aber es macht unglaublich viel Spaß und auch innerhalb der wenigen Stunden merken wir, wie wir besser werden.

Denn das „Problem“ beim Kanufahren ist ja die Rollenverteilung. Vorne sitzt der Antrieb, der deutlich mehr paddeln muss, als der Hintermann und sich auf dessen präzise Kommandos verlassen muss. Hinten sitzt der Steuermann, der zwar etwas weniger paddeln, aber auf jeden Fall mehr denken und planen muss. Ich habe aber nur den ersten Teil des Satzes mit dem weniger paddeln gehört und mich dreist nach hinten gesetzt. Mein armer Freund muss dementsprechend meine etwas wirren Kommandos über sich ergehen lassen:

„Paddeln, du musst paddeln! Nein, jetzt stopp, zu viel, warte!“

„Ich kann so nicht lenken!“

„Links! Nein, also wir wollen nach links, das heißt, du musst rechts paddeln!“

„Aaaaaah, da kommt ein Baum!“ „Dann weich ihm aus.“ „Ich weiß nicht wie!“

Mein Freund nimmt es mit Humor und Geduld und wir erweisen uns als durchaus funktionierendes Team. Aus einem in der Böschung feststeckenden Kanu tönt es hingegen: „Nein, ich hab keine Lust mehr, du meckerst die ganze Zeit nur, wir tauschen Plätze!“ „WEHE du stehst jetzt auf, dann kentern wir!“

Am Ende kentert nur ein Kanu, aber das ist gar nicht wild, denn der Guide ist direkt zur Stelle, die Lippe nicht tief und der Tag sonnig und warm. Und als wir heil in Boke ankommen, haben wir wohl alle das Gefühl, ein kleines Abenteuer gemeistert zu haben. Mein Freund und ich sind uns jedenfalls einig, dass wir eine Wiederholung möchten. Dann allerdings vielleicht nicht in der Gruppe, sondern allein. Einerseits sind wir ja jetzt erfahrene Kanuten, andererseits kann man die Picknickpausen dann gemütlich an Land verlegen!

6 Comments

  • Torsten

    Danke für den lustigen Rückblick auf Eure Kanutour. Beim Lesen kamen Erinnerungen hoch, als wir vor Jahren von der Firma aus solch eine Kanutour gemacht hatten und auf der Hälfte der Tour dann die Geschäftsführung „baden ging“.

    Beste Grüsse

    Torsten

    • Rosa

      Lieber Torsten,
      Kanufahren ist schon eine tolle Teambuilding-Maßnahme! Und wenn man dann die Geschäftsführung mal „nass machen“ kann, umso besser! 😀

  • Theresa

    Ein ganz toller Bericht, liebe Anuschka! Ich war vor kurzem auch auf der Lippe Kanu fahren (Nähe Hamm) und hab mir schon weitere Etappen auf dem Fluss für weitere Touren angeschaut. Die um Bielefeld hatte ich gar nicht auf den Schirm. Danke für die Inspo.

    Liebe Grüße aus Berlin

    • Rosa

      Hey Theresa,
      ich freu mich, wenn ich dich inspireren konnte! Ich möchte auf jeden Fall in Zukunft auch öfter auf den Flüssen unterwegs sein, wobei es jetzt ja schon recht kalt ist. Aber nächstes Jahr! 🙂

  • Renate

    Liebe Anuschka,
    ha, jetzt habe ich auch den Text zu deinem witzigen Bild gelesen! Ich bin vor zwei Jahren zum ersten Mal in meinem Leben Kayak gefahren. Es war aber ein recht flaches kleines Boot aus Kunststoff. Da habe ich hinten gesessen. Man saß auf dem Boden und es gab keine Rückenlehne. Die Fahrt an sich war toll und es hat auch gut funktioniert. Nur für meinen Rücken war das nix. Aber es soll ja auch Boote mit einer kleinen Lehne geben.

    Sehr lustig war es, wieder aus dem Boot herauszukommen ohne es umzuwerfen. Ich musste aus dem tiefen Wasser auf einen Bootssteg klettern. Mmh, wenn ich nicht hochgezogen worden wäre, wären wir sicher beider im Wasser gelandet.

    Liebe Grüße
    Renate

    • Rosa

      Liebe Renate,
      ja, der Rücken leidet schon ein bisschen, bzw. insegsamt die Haltung! 😀 Mit langen Beinen weiß man manchmal auch gar nicht, wo man die hinfalten soll.

      Den Ein- und Ausstieg fand ich auch gar nicht so einfach! Ich hatte glücklicherweise gutes Wetter und Wasserschuhe, das hat das ganze etwas einfacher gemacht. 🙂

      Liebe Grüße
      Anuschka

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