SOMMERJUNG – Mit 27 den Sommer der Kindheit erleben!

Wo trifft man eine Gebärdendolmetscherin, die Finalisten der Show Ninja Warrior, Hochzeitsfotografinnen und den Autor eines erotischen Reiseromans? Richtig, mitten in der Lüneburger Heide. Denn dort findet Sommerjung statt, ein Ferienlager für Erwachsene. Wer jetzt denkt „Für Erwachsene – höhö“, den muss ich leider enttäuschen. Da wird weder für den Erotikroman recherchiert, noch finden wilde Orgien statt.

Der Sommer, den du als Kind nie hattest

Nein, es geht darum, noch einmal einen Sommer wie früher als Kind zu erleben. Den ganzen Tag draußen sein, spielen, lachen, schwimmen, rennen, Spaß haben. Ohne Handys oder Zeitdruck, Smartphones und Uhren sind nämlich unerwünscht. Und so ist es ganz leicht, interessante Leute kennenzulernen und aufregende Stunden mit ihnen zu verbringen. Langweilig wird es nämlich auf keinen Fall, dafür sorgen über 20 sogenannte „Playshops“ – ob Bogenschießen, Impro-Theater, Parkour, Traumfänger basteln oder Survival-Training, hier wird jede Menge geboten.

Call me Wilhelm Tell

Wie ihr euch wahrscheinlich denken könnt, war ich letztes Wochenende da und ehrlich gesagt habe ich gerade echt Schwierigkeiten, wieder in die Realität zurückzufinden. Die Tage sind wie im Rausch an mir vorbeigezogen, die Bässe der Partynacht pulsieren immer noch in meinem Bauch und ich wünsche mir nichts sehnlicher als wieder mitten in der Nacht mit der Seilbahn über den Spielplatz zu rasen. Ich will wieder den Adrenalinrausch der Talentshow spüren!

Hier habe ich meinem Teamleader Marvin erst einen Apfel vom Kopf und dann zwischen den Beinen wegschießen dürfen. (Wer sich jetzt wundert: 1. Ich kann Bogenschießen, bin aber weit davon entfernt ein Profi zu sein! 2. Es waren LARP-Pfeile, tun weh, töten aber nicht, wenn man daneben schießt. 3. Ich bin trotzdem fast gestorben vor Angst, ihn zeugungsunfähig zu machen. 4. Und das möchte ich betonen: Es war SEINE Idee! 5. Es hat geklappt! Ich bin stolz wie Bolle!)

Viele Gesichter,  viele Gespräche, spannende Persönlichkeiten

Den Rest der Nacht haben wir gefeiert, auf dem Abenteuerspielplatz getobt und kaum Schlaf bekommen. Der Frühaufsteherkurs hat mich nicht in bester Verfassung erlebt, aber ich glaube, es hatten trotzdem alle Spaß, vor allem, als wir Parabelschießen ausprobiert haben!

Es war ein Wochenende so abwechslungsreich, dass mir immer noch der Kopf schwirrt. Von der Nachtwanderung ohne Angst, aber trotzdem mit ganz anderer Aufregung. Von all dem leckeren Essen und dem eiskalten Zelt. Von Colour-Games mit Kriegsbemalung und Mädchengekicher am Lagerfeuer. Von all den neuen Gesichtern, den zwei-Minuten-Begegnungen in der Sonne und den zwei-Stunden-Gesprächen in der Nacht. Vieles ist an der Oberfläche geblieben, aber ich habe das Gefühl, mindestens eine Person kennengelernt zu haben, die ich wiedersehen werde.

Manchmal war es fast zuviel, aber das lag auch daran, dass ich selbst vier Playshops mit recht hohem Aufwand gegeben habe. Ohne Uhr ist es schwer, sich an Zeitangaben zu halten. Da kommt die Entspannung dann doch mal zu kurz, weil man nicht weiß, ob man pünktlich ist. Wer nur als Teilnehmer kommt, empfindet das Ganze sicher gechillter. Trotzdem hatte ich noch Zeit, mit Meerjungfrauenflosse zu schwimmen oder einfach in der Hängematte zu liegen und in den Himmel zu starren.

Einmal Sommerjung sein

Ich bin gekommen als jemand, der eine Realitätsflucht auf Zeit sehr gut gebrauchen konnte und genau das habe ich bekommen. Kein Kontakt nach Hause, dafür jede Menge fremde Leute. Die mich nicht kennen und bei denen ich mich so zeigen kann, wie ich möchte, egal ob ich wirklich so bin oder nicht. Die hoffentlich nach dem Wochenende eine gute Erinnerung an mich mitnehmen, selbst, wenn sie meinen Namen nie erfahren haben. Und auf die Momente, in denen ich wirklich einsam war, folgten meist direkt Begegnungen, die mir gezeigt haben, dass ich das nicht sein brauche.

Wer Lust hat, so etwas auch einmal zu erleben, im September habt ihr die Chance auf euer ganz eigenes Sommerjung!

Alle Fotos aus diesem Beitrag stammen von Katrin und Sandra, zwei unglaublich liebenswerten Frauen, die den Blog Little Blue Bag unterhalten, schaut doch mal vorbei! Sie haben auch einen tollen Artikel über das Camp geschrieben.

Bis bald und gute Reise!

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