Auf Hundeschlitten durch Lapplands Wildnis: Erfahrungsbericht Äkäskero – Teil 1

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Sechs Jahre. Sechs Jahre lang habe ich mir gewünscht, diese Reise zu machen. Seit ich das allererste mal auf einem Hundeschlitten stand wusste ich, ich will mehr. Ich will mehr über Mushing wissen, mehr darüber lernen und vor allem: Länger unterwegs sein. Nicht nur Tagestouren machen, sondern unterwegs sein, tagelang, von Hütte zu Hütte. Mit meinem Huskyteam vor mir und dem weiten Himmel Lapplands über mir.

Und deswegen bin ich jetzt hier, im Äkäskero Dog Camp in Nordfinnland. Denn hier soll dieser Traum Realität werden.

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Das wichtigste zuerst: Äkäskero ist ein Hundeparadies! Das Unternehmen legt Wert auf seine tierischen Mitarbeiter und das spürt man. Obwohl 500 Hunde zum Kennel gehören, ist alles sauber und ordentlich. Das Füttern funktioniert durch schlaue Konstruktionen schnell und effizient. Es ist ein Tierarzt vor Ort, der alle größeren und kleineren Verletzungen behandeln kann. Und die alten, nicht mehr arbeitsfähigen Hunde werden nicht abgestoßen oder getötet, sondern können hier ruhig und friedlich ihren Lebensabend verbringen. Dieser Punkt macht mich ganz besonders glücklich. (Und verleitet mich am Ende der Reise dazu, eine Patenschaft zu übernehmen.)

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Die Anlage des Camps ist hübsch und gut durchdacht. Die einzelnen Gehege sind nach Regionen benannt wie Canada, Neuseeland, Südpol oder Ellesmere. Die Gebäude sind zum Teil brandneu oder gut gepflegt. Untergebracht wird man in einem geräumigen, hellen Mökki. Man hat sein eigenes Zimmer, lernt aber direkt seine Gruppe für die Wildnistour kennen, was ich persönlich sehr schön finde.

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※ Tag 1 ※

Vor unserer ersten Tour bekommen wir eine kurze Einführung und lernen, wie man ein Geschirr anzieht, die Hunde am Schlitten einhakt und Bremskralle und -matte benutzt. Jeder bekommt seinen eigenen Schlitten mit vier Hunden. Als unser Guide erklärt, dass wer hinten fährt sozusagen die Gruppe absichert und im Zweifel am längsten ohne Hilfe auskommen muss, zeigt mein Freund direkt grinsend auf mich. Ich grinse zurück, mit der „Red Lantern“, also dem Fahren als Schlusslicht, habe ich nun wirklich kein Problem. Denn erstens heißt das, dass man tun und lassen kann, was man möchte und nur auf Signale von vorne achten muss. Und zweitens hat es den großen Vorteil, dass man den bestausgefahrensten Trail hat. Ich lasse also schön die anderen den Tiefschnee für mich planieren.

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Der zweite Teil des Plans meines Freundes geht aber nach hinten los. Als nächstes bittet er den Guide nämlich, dass er vor mir fahren darf. So würden wir uns während dieses Urlaubs wenigstens ein bisschen sehen. Aber irgendwie scheint es ein Missverständnis zu geben, denn er bekommt den Schlitten ganz vorne. Im Nachhinein stellt sich heraus, dass es sich wohl um Absicht handelte. Unser Guide meint nämlich: „Pärchen trennen wir immer. Die Männer neigen dazu, ihren Frauen das Mushing nicht zuzutrauen und wollen eingreifen, womit sie alles durcheinander bringen.“ Mein Freund lacht und sieht mich liebevoll an: „Die da das nicht hinkriegen? Niemals!“

※ Tag 2 ※

Gestern haben wir praktisch nur einen Trainigslauf gemacht, heute brechen wir auf um mehrere Tage in der Wildnis Lapplands mit unseren Hundeteams zu verbringen. Als ich am Morgen zu meinem Schlitten komme muss ich allerdings feststellen, dass über Nacht mein Motor ausgebaut wurde. Elim und Zephyr, meine Wheeldogs (direkt vor dem Schlitten laufend) vom Vortag, sind verschwunden. Auf Grund eines Ausfalls wegen verletzter Pfoten haben sie das Team gewechselt. Stattdessen blicken mich nun Jakal und Zonky vertrauensvoll an. Das ist wohl der geeignete Moment, um euch das Team vorzustellen, das mich über 200 Kilometer begleiten wird.

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Spannend ist, dass wir eine Art Privileg genießen. Der Äkäskero-Kennel besteht nämlich aus einem Touristen- und einem Rennkennel. Normalerweise befinden sich die Hunde, die zu letzterem gehören, beim Eigentümer und werden von diesem trainiert und eingesetzt um, wie der Name vermuten lässt, Rennen zu laufen. Aus welchem Grund auch immer haben wir aber das Glück, eine Touritour mit genau diesen Hunden machen zu dürfen.

Mein Team

Ulvang

Ulvang sieht ein bisschen aus wie ein Fuchs, sein oranges Fell leuchtet in der Sonne und er ist einer der hübschesten und ungewöhnlichsten Huskies, die ich je gesehen habe. Nur sein eines Ohr fehlt zur Hälfte, er hat es wohl in einem Kampf verloren. Er scheint der intelligenteste meiner Hunde zu sein, er reagiert prompt und intuitiv auf meine Kommandos. Daher ist er auch mein Leithund, läuft also ganz vorne. Wenn ich stark bremse wirft er mir über die Schulter einen Blick zu, als wolle er meine geistige Gesundheit in Frage stellen. Leider scheint er kein großes Nähebdürfnis zu haben und wahrt eine Art professionelle Distanz zu mir, während ich kaum die Finger von ihm lassen kann. Gut, dass er sich nicht offiziell über Belästigung am Arbeitsplatz beschweren kann.

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Urengoi

Urengoi und Ulvang sind Brüder, auch wenn man das optisch nicht vermuten würde. Er ist schwarz-weiß mit vielen kleinen Sprenkeln und wirkt deutlich massiver als der Fuchs. Im Gesicht hat er eine schwarze Maske mit weißem Scheitel. Urengoi ist ruhig und friedlich, nur beim Start nicht. Da knurrt er minutenlang und sein ganzer Körper ist gespannt wie eine Bogensehne. Allerdings vermute ich, dass das daran liegt, dass ihn sein springender und bellender Hintermann nervt. Sobald ich mich neben ihn stelle und ihm die Hand auf den Kopf lege, hört er auf und stupst mich liebevoll an. Hach.

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Jakal

Hinter Urengoi läuft Jakal, der Berserker. Er sieht ein bisschen aus wie eine Fledermaus mit seinen großen Ohren. Beim Start rastete er aus und weiß sich vor Freude nicht zu halten, mit seinen stechend blauen Augen fixiert er mich, bis ich mein „Okay“ rufe. Jedes Bremsen meinerseits bringt mir ein verachtendes Funkeln ein und ab und an beißt er Ulvang vor Ungeduld in den Schwanz. Aber wenn er rennt, dann rennt er. O-beinig, kraftvoll und ausdauernd. Ein wirklich würdiger Ersatz für den ebenfalls irren Zephyr.

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Zonky

Erst gibt mir Zonky ein bisschen zu denken. Man hat mir gesagt, dass er mit seinen 10 Jahren eigentlich schon fast zu den Oldies gehöre und am ersten Tag muss ich ihn auf alle Viere hieven, um ihm sein Geschirr anzuziehen, weil er sich nicht überwinden kann, aufzustehen. Aber sobald es losgeht zeigt er mir, was ein erfahrener Schlittenhund ist. Seine Tugline (die Leine, die das Geschirr mit dem Schlitten verbindet) ist immer straff, er befolgt jedes Kommando ruhig und geduldig und das allerbeste: In den Pausen stellt sich heraus, dass er eine echte Schmusebacke ist! Außerdem liebe ich es, seinen dichten goldenen Pelz zu bewundern und mich an seinem rechten Ohr zu erfreuen, das in der Mitte geknickt ist und beim Laufen die ganze Zeit auf und ab flappt.

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Mein Freund hingegen benennt sein Team ganz pragmatisch einfach selbst, statt nach den Namen zu fragen. Er nennt sie Schön, Schlau, Stark und Dumm. Letzteres führt zu ernsthaften Entrüstungsstürmen bei unserem Guide. Gut, ich glaube auch, dass es nicht besonders schmeichelhaft ist, allerdings muss ich zugeben, dass es schlauere und…nicht ganz so schlaue Hunde gibt. Humor scheint hier oben bei manchen außerdem ein Fremdwort zu sein.

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So vorbereitet brechen wir in die verschneite Landschaft auf, in den Schlittensäcken Gepäck und Verpflegung für uns und die Hunde. Pro Tag stehen wir zwischen fünf und sechs Stunden auf den Kufen, trotzen Wind und Schnee und genießen die Ruhe. Bei den einfachen Hütten, die uns Unterkunft für die Nacht bieten, halten wir schließlich, versorgen erst die Hunde und dann uns. Geschlafen wird immer zusammen in einem großen Raum in Stockbetten. Strom oder fließend Wasser gibt es nicht. Ach ja und nachts sollte man eine Stirnlampe mit zur Außentoilette nehmen. Oder die Tür auflassen, damit genug Licht hereinfällt um das Klopapier zu finden.

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※ Tag 3 ※

Heute ist es sehr warm und die Hunde leiden, weshalb wir unsere Route etwas kürzen. So bleibt aber ein warmer Nachmittag im Sonnenschein um die Hüttenveranda und die Umgebung zu genießen. Die Tage sind sonst gut gefüllt mit Fahrt, Holz hacken, Hütte und Sauna befeuern, Wasser holen, kochen, Klamotten trocknen und Hunde versorgen. Man gewöhnt sich schnell an die Einfachheit des ganzen und mir macht keine der Aufgaben etwas aus. Allerdings muss man sich darüber im Klaren sein, dass eine solche Reise am besten funktioniert, wenn man als Team zusammenwächst.

Bestes Beispiel dafür: Das Wasser muss aus einem relativ tiefen Brunnenloch geschöpft werden. Wer hier kopfüber reinrutscht, hat verloren. Also hängt mein Freund sich in den Brunnen, ich setze mich auf ihn drauf um ihn zu stabilisieren und eine Mitreisende kippt das geschöpfte Wasser in den großen Eimer. Irgendwie habe ich hierbei allerdings die gechillteste Aufgabe. 🙂

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Ich würde gerne noch mehr lernen, noch mehr wissen. Ich würde gerne helfen, die Hunde auf Verletzungen zu untersuchen, mehr über ihr Leben als Rennhunde erfahren. Allerdings ist unser Guide diesbezüglich nicht besonders gesprächig. Und so bleibt meine einzige Betätigung als Hundekrankenschwester, dass ich an einem der Hunde, der den Abend mit uns in der Hütte verbringt, beim Kuscheln eine Verletzung entdecke. Das Geschirr hat das Fell unter seiner Achsel weggerieben und die Haut aufgescheuert. Ich reibe die Stelle mit Salbe ein, betüddel den Hund und versichere ihn meiner ewig währenden Liebe, während ich höre, wie hinter mir mein Freund damit aufgezogen wird, dass er diese Nacht wohl alleine schlafen muss. Gar nicht wahr, in meinem großen Herzen ist genug Platz für meine Menschen UND alle Tiere!

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Teil 2 des Berichts folgt in Kürze! 🙂

Wer von Schlittenhunden nicht genug bekommen kann, der sollt mal bei Finntastic – die finnomenale Website vorbeischauen, da gibt es auch Dog-Content!

Dietrich Bender: Von Trollwegen und abenteuerlichen Huskysafaris durch Lappland:
https://finntastic.de/trollwege/

Hans-Joachim Gruda: Über Wanderungen durch Sápmi, Huskyrassen und Schlittenhundetouren im Schnee:
https://finntastic.de/hans-joachim-gruda/



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