Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land! – Mein Unfall im Berchtesgadener Land

Hot’s di g’schmissn?

Ja, mich hat’s geschmissen. Und zwar ganz doll. Nicht umsonst wirbt das Berchtesgadener Land wohl mit dem Spruch: Wen Gott liebt, den lässt er fallen in dieses Land!

Also entweder liebt Gott mich ganz besonders, oder er ist ziemlich sickig auf mich. Da ich ihn mein Leben lang konsequent ignoriert habe, fällt es mir leichter, an letzeres zu glauben. Fallen gelassen hat er mich auf jeden Fall, durchaus auch im Berchtesgadener Land. Allerdings vom Fahrrad. Und deswegen sitze ich jetzt im schönen Kreiskrankenhaus Berchtesgaden in der Notaufnahme und werde gefragt, obs mi g’schmissen hot.

Aaaaber der Reihe nach. Ich habe mich nach drei Jahren mal wieder in den schönen Freistaat gewagt, um zu überprüfen, ob denn jetzt auch in jeder Behörde ein Kreuz hängt. Okay, das stimmt nicht. Ich bin gekommen, um wieder Berge zu sehen, Seilbahn zu fahren (da hatte ich zuletzt etwas Pech) und um endlich die Hütte im Obersee zu sehen, die schon lange auf meiner Bucket-List steht.

Am Morgen war noch alles in Ordnung

Und bis zu diesem Nachmittag lief auch alles wie am Schnürchen. Ich habe drei perfekte Tage voller Sonnenschein, spektakulärer Wanderungen und schöner Radwege hinter mir. Doch dann mache ich den Fehler, mit meinem Rad um die Kurve zu fahren, dabei nach hinten zu gucken und auch noch zu bremsen. Die Packtasche tut ihr übriges und Perdauz! Ich lerne mit meiner rechten Körperhälfte Bayern hautnah kennen. Auf Schotter. Wenn schon, dann richtig.

Nun ja, bin ich Mädchen oder Memme? Ich humpel also zurück zum Fluss, wasche notdürftig Kies und Blut von den Händen und prüfe mal die Hilfsbereitschaft der Bayern. Während die Sache mit dem Kreuz aus meiner Sicht ziemlicher Mumpitz ist, bin ich voll dabei, wenn es um die Mitführpflicht von Verbandskästen geht. Denn die sorgt dafür, dass ich zumindest mit verpflasterten Pfoten zurück nach Berchtesgaden radeln kann. Trotz schmerzender Knie und geprellter Schulter schaffe ich die 5 Kilometer, am Fuß des Berges nach Bischofswiesen ist dann aber Schicht im Schacht. Da komm ich nicht hoch. Unsere Unterkunft liegt aber leider auf der anderen Seite.

Wie praktisch, dass ich es genau bis zum Roten Kreuz von Berchtesgaden ausgehalten habe. Denn hier lässt uns ein freundlicher Mitarbeiter unsere Räder unterstellen und verrät uns die Nummer des örtlichen Taxidienstes. Nach einem Blick auf meinen doch recht lädierten Zustand legt er uns auch dringend ans Herz, im Krankenhaus vorbeizuschauen, das wäre ihm wichtig. Na gut, da will man ja nicht so sein. Wenn es ihm doch wichtig ist. Und ich muss gestehen: So richtig scharf bin ich nicht darauf, mir den Dreck selbst aus Handflächen und Arm zu pulen.

Also fahren wir ins Krankenhaus, das, wie ich nicht unerwähnt lassen möchte, urkundlich ausgezeichnet ist! Der Service ist auf jeden Fall 1A, alle sind nett und freundlich und ich sitze nur etwa 10 Minuten in der Notaufnahme, bis ich mein Date mit dem Bergdoktor habe. Der nimmt sich auch Zeit, hört mich ab, wärend eine Schwester sich mit Pinzette und Schere  ans Werk macht. Zum Schluss wird sogar noch mein Arm geröntgt um ganz sicher zu sein, dass nichts gebrochen ist.

Während ich dann vor dem Begutachten der Aufnahmen wieder im Wartezimmer sitze, spricht mich ein anderer Wartender an. Zuvor hat er sich in einer mir fremden Sprache (türkisch? tschechisch? polnisch?) mit seinem Kollegen unterhalten, aber dann kommt in astreinem Bayerisch die zu Anfang genannte Frage. Ich bejahe und bekomme aufmunternde Worte. Immerhin bin ich nicht der junge Mann, der den Unfall mit der Holzsäge hatte. Das stimmt, da bin ich Gott doch dankbar, dass er mich nicht darein hat fallen lassen.

Gut, dass Rosas kleine Schwester zum Trösten dabei ist!

PS: An dieser Stelle möchte ich eine Lanze für die Outdoormarke mit dem Fuchs brechen. Achtung, das ist KEINE Werbung. Ich habe mir die verdammt teure Trekkinghose selbst von meinem Geld gekauft. Aber ich muss sagen, sie ist es wert. Denn obwohl ich mit der Hose ein ganzes Stück über den Schotter gerutscht bin und meine Knie ordentlich geprellt, zum Teil sogar aufgeschürft waren, hat die Hose gehalten. So soll Outdoorkleidung funktionieren! <3

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