Grönland

Grönland Rosas ReisenTundra
Über Nacht hat uns unser Kapitän Kim in den Kuanerssuit suvdluat gebracht, einen langen, eisfreien Fjord. Nach dem Frühstück begeben Weiterlesen
Groenland-Rosas-Reisen-Qeqertarsuaq
Um sechs Uhr werde ich vom Geklapper der Teller und des Bestecks neben mir wach. Unsere Crew bereitet das Frühstück Weiterlesen
Gorenland-Rosas-Reisen-Cape-Race
Nach einer Nacht voller Sonnenschein (die Sonne geht so hoch im Norden momentan gar nicht unter) lerne ich bei einem Weiterlesen
Grönland Ilulissat
Mit dem letzten Artikel habe ich das Pferd ja so ein bisschen von hinten aufgezäumt. Aber der musste als erste Weiterlesen
Grönland Eisberge
Es ist ein Uhr nachts und die Sonne steht hoch am Himmel über West-Grönland. Ich sitze an Deck der MS Weiterlesen
Rosas-Reisen-Farmstay-Finnland-Auslandsaufenthalt-Volunteering
Gute Kleidung, die warm hält, ist im hohen Norden das absolute A und O. Doch wo bekommt man die passende Weiterlesen
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Grönland-Reisebericht: Die Tundra und das Inuksuk

Über Nacht hat uns unser Kapitän Kim in den Kuanerssuit suvdluat gebracht, einen langen, eisfreien Fjord. Nach dem Frühstück begeben wir uns mit den Zodiacs an Land. Auf den ersten Blick sieht es so aus, als sei das Ufer nicht weit entfernt, doch nachdem es einfach nicht näherkommt, die Cape Race hinter uns aber immer kleiner wird, dämmert mir, wie riesig der Fjord sein muss. Am Ufer wollen wir zuerst ein paar Wasserfälle erkunden und uns dann auf die Suche nach warmen Quellen machen, die für eine ganz besonders üppige Vegetation sorgen. Querfeldein geht es los über die Tundra.

Tundra. Ein Wort wie ein Trommelschlag. Ein Wort, das ich schon sehr, sehr lange kenne, zu dem ich aber nie ein wirkliches Bild hatte. Nie hätte ich geglaubt, dass ich einmal hier stehen würde. Der erste Schritt ist eine Überraschung, die moos- und flechtenbewachsenen Buckel sind ganz weich und mit jeder Bewegung sinke ich federnd in den nachgiebigen Boden, der durchsetzt ist von kleinen Tümpeln.

Auf unserer kleinen Wanderung kommen wir ganz nah an die großen Wasserfälle, die sich von den uns umgebenden Felswänden herabstürzen. Ganz oben liegt immer noch Schnee. Auch die Wasserfälle sehen wieder kleiner aus, als sie in echt sind. Ich kann es mir natürlich nicht nehmen lassen, noch ein bisschen näher zu kommen, als die anderen, bis ich schon den Wassernebel auf der Haut spüre.

Wir lernen jede Menge Pflanzen kennen, zum Beispiel das Wollige Läusegras. Oder war es das Lausige Wollgras…mmmh. Ich bin ja nicht so die geborene Botanikerin. Trotzdem beeindrucken mich diese kleinen Blümchen, die überall den Boden der Tundra sprenkeln. Es ist nicht einfach zu wachsen, wenn man nur ein paar Wochen Sommer und viele Monate Schnee hat.

Kurz darauf sichten wir kanadische Wildgänse und schnuppern an würzigen Nadelgewächsen, die man für Tee verwenden kann. Was wir nicht finden sind die warmen Quellen, aber das macht gar nichts, schließlich erleben wir Grönland hier mit allen Sinnen. Ich könnte Stunden über die Tundra hüpfen. Da bin ich aber eher die Ausnahme und so rufen wir per Funk eines der Zodiacs. Während des Mittagessens an Bord sichten wir dann doch noch die Quellen.

Am Nachmittag stecken wir unsere Nasen in eine im Sommer genutzte, spartanisch ausgestattete Jagdhütte der Einheimischen und schauen uns zwei weitere Ruinenhügel an. Die sind immer noch nicht so wahnsinnig spannend. Erneut streifen wir durch die Tundra mit ihren kräftigen Erdfarben und hinter jedem Hügel tun sich neue, unglaubliche Ausblicke auf.

Nirgendwo sind Menschen zu sehen, außer uns, wir sind ganz allein in diesen unglaublich endlosen Weiten. Es gibt keine Wege oder Straßen, nur unberührte Natur. Man könnte meinen, dass man sich hier, ohne irgendwelche Menschen im Umkreis von vielen, vielen Kilometern, einsam fühlt. Ich fühle mich frei. So frei wie lange nicht mehr.Wir kommen zu einem kleinen Turm aus aufgeschichteten Steinen und Sven erklärt mir, dass das ein Inuksuk ist. Das bedeutet wörtlich “wie ein Mensch aussehend”. Dieses Türmchen hat einerseits den ganz praktischen Zweck, Tiere zu verunsichern und sie so auf bestimmte Wege zu bringen um sie besser jagen zu können.

Andererseits haben sie auch eine spirituellere Bedeutung. Sie sind Wegweiser und das nicht nur im geografischen Sinn, sondern auch um den Weg zu sich selbst zu finden. Man nimmt den obersten Stein und berührt damit sein Herz. Wenn man das beides weiß, ist einem völlig klar, warum es die Grönländer massiv stört, wenn Touristen diese Türmchen aus Jux und Dollerei einfach irgendwo errichten.

Was bisher geschah:

Ankunft in Ilulissat // Der Eisfjord und die MS Cape Race // Auf Qeqertarsuaq

Wie es weitergeht:

Lost Place Qullissat // Die Arktis ist mein Spielplatz // Der Eqi-Gletscher und mein Bad im Polarmeer // Stupid, reckless things // You’re now leaving the Arctic – come back soon!

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Grönland-Reisebericht: Zwischen Fußballfeldern, Wasserfällen und Walen in Qeqertarsuaq

Um sechs Uhr werde ich vom Geklapper der Teller und des Bestecks neben mir wach. Unsere Crew bereitet das Frühstück vor. Noch etwas verschüchtert schleiche ich mich an Jack, Emmet und Marko vorbei zur Dusche und wieder zurück und mache mich fertig. Man kann sich auf der Cape Race sogar die Haare föhnen, welch ein Glück! Schließlich möchte man auch in der Arktis gut gestylt zum Frühstück, nech? Vor allem, wenn man dazu jedes Mal an den einzigen Menschen U30 an Bord vorbei muss.

Doch noch bevor ich auch nur einnen Happen frühstücken kann, erweist sich Heikes Kauf einer Walflossen-Kette in Ilulissat als Omen: Sie sichtet den ersten Wal auf unserer Reise. Weit vor uns taucht ein schwarzer Buckel aus dem Meer auf und eine Wolke von Dunst schießt heraus. Ein Wal. Einfach so. Da vorne. Grönland flasht mich. Lange kann ich so ohne Jacke aber nicht an Deck bleiben um geflasht zu werden. Schön, dass es jetzt erstmal warmes Porridge mit Äpfeln, Zucker und Zimt gibt, mein Kompliment an die Küche. Gar nicht mal so unkomfortabel, das Kreuzfahrtleben. 

Wir liegen jetzt vor der Bucht von Qeqertarsuaq (=große Insel, grönländische Bezeichnung sowohl für die Disko-Insel selbst, als auch für die größte Stadt darauf) vor Anker. Mit den Zodiacs landen wir an und laufen durch den Ort.

Zu unser aller Überraschung finden wir direkt dahinter ein makellos grünes Fußballfeld, hinter dem die Eisberge auf dem Meer treiben. Grönland versucht nun, genau wie zum Beispiel die Färöer-Inseln, an internationalen Wettbewerben teilzunehmen. Durch eine Änderung der Vorgaben darf nämlich mittlerweile auch auf Kunstrasen gespielt werden. Das freut mich für die Grönländer, trotzdem wirkt das grüne Feld mit den Eisbergen im Hintergrund recht surreal für mich.

Groenland-Rosas-Reisen-Qeqertarsuaq
Groenland-Rosas-Reisen-Qeqertarsuaq

Wir gehen runter zum Strand und hier erwarten uns jede Menge Fische, die Sven uns per Google als Lodde identifiziert. Leider erwarten uns selbige nicht nur im Wasser, sondern auch an Land, wo sie verenden. Unsere Guides stellen verschiedene Theorien auf, wie es dazu kommt. Sind die Wale Schuld, die die Fische in Panik versetzen? Oder ist es wie mit den Lachsen, die zum Laichen und Sterben den Fluss hinaufziehen? Vielleicht bringt aber auch das süße Schmelzwasser der Eisberge die Fische durcheinander?

Weiter geht es mit unserem Spaziergang zu einem beeindruckenden Wasserfall, an dem wir eine Pause einlegen und die Aussicht genießen. Erst sieht der Wasserfall klein aus, aber als ich näher komme, wird mir klar, wie riesig er ist. Man kann das ganz gut im zweiten Bild sehen, Anuschka for scale. Natürlich muss das Spielkind mal wieder gaaanz naaah ran und versetzt damit Onkel und Tante in leichtes Unwohlsein.

Nach unserer Rückkehr zum Schiff gibt es ein warmes Mittagessen und als zweiten Ausflug eine Fahrt mit den Zodiacs zur Basaltküste von Qeqertarsuaq. Elke zeigt uns die verschiedenen Gesteinsformen und wie sie entstanden sind, zwischendurch duscht sie uns unter Miniwasserfällen. Wir setzen Robin, unseren zweiten Offizier, zum Spaß auf einer kleinen Felsnase aus, Brigitte und Hartmut wird es mulmig, als ich drauf und dran bin, auch auszusteigen. Wir holen uns einen Drehwurm und fahren immer wieder durch einen besonders spektakulären Steinbogen während unter uns Massen von Fischen dahinschwimmen.

Groenland-Rosas-Reisen-Qeqertarsuaq

Zum Schluss verfolgen wir noch einen Wal, der Fangen mit uns spielt. Dabei begegnen wir einem anderen Boot, dessen Steuermann funkelnde Augen bekommt, als er hört, dass wir einen Zwergwal (Minky!) gesehen haben. „Bitte nicht töten!“, denke ich nur. Aber ich bin ja auch nicht darauf angewiesen um hier zu überleben. Ich gehe heute Abend wieder auf ein Schiff und kriege leckeres Essen von einem serbischen Meisterkoch serviert. Und da bin ich verdammt froh drüber, denn die Arktis macht es einem wirklich nicht leicht, in ihr zu überleben.

Was bisher geschah:

Ankunft in Ilulissat // Der Eisfjord und die MS Cape Race

Wie es weitergeht:

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Gorenland-Rosas-Reisen-Cape-Race

Grönland-Reisebericht: Der Eisfjord und die MS Cape Race

Nach einer Nacht voller Sonnenschein (die Sonne geht so hoch im Norden momentan gar nicht unter) lerne ich bei einem überraschend reichhaltigen und ultramodernen Frühstück (Ich sage nur: Kaffee per App!) im “Hotel Arctic” meine Mitreisenden näher kennen. Noch weiß ich nicht ad hoc alle Namen, aber das wird sich schon noch ändern. Wir sind ja nur elf. Und müssen uns erst mal beschnuppern. Eins kann ich aber schon sagen (ohne jemandem zu nahe treten zu wollen): Ich glaube alle sind mindestens 10 bis 40 Jahre älter als ich. Eine illustre Runde, das Einzige, was wir scheinbar gemeinsam haben, ist die Lust am Reisen. Nun ja, es gibt schlimmere Ausgangspunkte. Auch wenn ich bei den einsetzenden Kreuzfahrt-Vergleichen natürlich nicht mithalten kann.

Kurz darauf machen wir uns auf den Weg nach Sermermiut und zum Kangia-Eisfjord. Wir folgen Mathilde, einer Mitarbeiterin des Hotels, die aus Dänemark kommt und als Guide ihren Sommer hier verbringt. In Ilulissat zeigt sie uns einige Gebäude. Als sie gerade erklären will, wie ein grönländisches Schlittengespann funktioniert, knackt ihr Funkgerät. Und ich kann es natürlich nicht lassen. Ich muss einfach über die Dinge, die ich liebe, sprechen. Also übernehme ich und erkläre meinen Grönlandreisefreunden die Unterschiede zwischen grönländischen und finnischen oder alaskanischen Schlitten. Ich mag das. Wissen weitergeben. Leider mache ich mich damit selten beliebt. Hoffen wir mal, dass ich es mir noch mit niemandem ob meiner Besserwisserei verscherzt habe.

Groenland-Rosas-Reisen-Hundeschlitten

Raus aus der Stadt geht es über einen Holzsteg in die Tundra, wir nehmen die sogenannte blaue Route. Diese führt uns auch an den Ruinen von Sermermiut, einer ehemaligen Siedlung, vorbei. Ruinen…naja. Ein paar niedrige Erdwälle markieren, wo einst Grashäuser standen. Sehr viel spektakulärer ist dann die Aussicht als wir über eine kleine Kuppe steigen und damit den Eisfjord des Kangia-Gletschers erreichen.

Dicht an dicht drängen sich hier die Eisberge und schieben sich langsam aber stetig durch den Fjord. Der Horizont versinkt im weißen Dunst und ich kann nicht anders, als immer weiter runter zu klettern, um die Eisberge aus der Nähe zu sehen. Endlich, endlich bin ich hier. Erst als ich nur noch wenige Meter vom Fjord entfernt bin, kann ich die Bewegung wirklich mit dem Auge wahrnehmen. Und ich höre das Rauschen, wenn das Eis aneinader reibt.

Rosas-Reisen-Groenland

Der Sage nach haben sich alte Frauen, die der Dorfgemeinschaft nicht mehr von Nutzen sein konnten, in den Fjord hineingestürzt um niemandem zur Last zu fallen. Auch junge, unverheiratete Frauen, die schwanger waren, sollen so ihrem Leben ein Ende gesetzt haben. Alte Männer hingegen wanderten in die Tundra hinaus und starben dort einen ehrenvollen Tod, um dann als hilfreiche Geister ins Dorf zurückzukehren. Seeeehr sexistisch, wenn ihr mich fragt. Ob diese Geschichte im Grundsatz wahr ist, darf aber sowieso stark bezweifelt werden, da es sich bei den sozialen Verbänden in grönländischen Dörfern in der Regel um Matriarchate handelte. Aber schön tragisch klingt es trotzdem.

Wir laufen noch ein Stück auf der blauen Route und machen uns dann über die rote auf den Weg zurück nach Ilulissat. Nun geht es über die felsige Küste, die mich an meine Wanderung in Schweden erinnert. So müssen Wanderwege sein! Keine ausgetretenen Pfade, sondern einfach nur ein roter Punkt, dem man durch die Landschaft folgt.

Gorenland-Rosas-Reisen-Kangia-Gletscher

Zurück in Ilulissat gilt es, noch drei Stunden zu verbringen. Gar nicht so einfach in einer Stadt, die wir zu Hause wohl doch eher als Dorf bezeichnen würden. Wir besuchen das Kangia Café (Beste Bagel!) und später auch noch einmal das Café Iluliaq. Außerdem wandern ein neues Schlafshirt und eine Karte der Disko-Bucht in meinen Rucksack.

Dann ist es so weit. Die Cape Race ist bereit für uns. Die Zodiacs sind da und wir machen uns auf den Weg zum Schiff, unserem Zuhause für die nächste Woche. Zuerst bekommen wir einige Sicherheitsanweisungen: Immer mit dem Seemansgriff um den Unterarm beim Aussteigen helfen lassen. Immer erst auf den Ponton und dann auf den Boden des Zodiacs steigen. Immer, immer, immer die Rettungsweste im Zodiac tragen. Das Wasser soll kalt sein. (Wartet nur, bis ihr die Story hört, wie ich das persönlich rausfinde!) Reinfallen und Untergehen wäre also blöd.

Unser Zodiac verlässt den Hafen und nimmt Kurs auf die Cape Race. Ich habe auf der Website des Veranstalters bereits Fotos gesehen, deshalb weiß ich, womit ich es ungefähr zu tun haben werde. Trotzdem bin ich von den Socken. Kann man sich in Schiffe verlieben? Die Cape Race wurde 1963 gebaut und zunächst als Hochsee-Trawler genutzt. Sie hat zwar keine Eisbrecherklasse, ist aber dafür gemacht, die Gewässer der Arktis ganzjährig zu befahren. Kapitän Kim Smith verfügt über mehr als 40 Jahre Erfahrung auf See und hat mit der Cape Race bereits für die NASA gearbeitet.

Mittlerweile gehört das Schiff einem serbischen Eigner, der es liebevoll restauriert hat. Und das sieht man, an allen Ecken und Enden. Überall glänzt warmes Holz und goldfarbenes Messing. Der Anstrich ist brandneu und das Deck frisch geschrubbt für unsere Ankunft.

Gorenland-Rosas-Reisen-Cape-Race

Momentan fährt die Cape Race unter der Flagge der Cook Islands, obwohl sie dort noch nie gewesen ist. Das hat den „Vorteil“, dass nach den Tarifen der Cook Islands bezahlt werden kann, außerdem ist es so kein Problem mit einer internationalen Crew unterwegs zu sein. Was die Delle am Heck betrifft wird mir später mehrfach versichert, dass unsere Besatzung keine Schuld trifft. 😉

An Bord werden wir auf unsere Kabinen verteilt. Elke, unsere Expeditionsleiterin, nimmt mich zur Seite. “Ich hoffe, es macht dir nichts aus, Teil der Crew zu werden?” Dabei zwinkert sie mir zu. Hä? Wie, Teil der Crew? Da würde ich grundsätzlich mal “Nein, gar kein Problem” sagen, wenn ich die Cape Race so sehe. Es stellt sich heraus, dass meine kleine, urgemütliche Kabine direkt hinter der Küche und der Messe des Schiffs liegt. Ich muss also praktisch jedes Mal durch den Aufenthaltsraum der Crew, wenn ich da rein will.  Außerdem habe ich kein eigenes Bad, sondern teile mir eins mit der Crew und Wolfgang, dem zweiten Einzelkabinenbewohner. Was mich erst etwas skeptisch werden lässt, wird sich nachher als absoluter Glücksfall erweisen.

Auf meine Nachfrage bei Jack, einem der Service-Jungs an Bord, ob es denn einen Duschplan gäbe, lacht er nur. “You’re a guest. You have always priority.” Und Wolfgang duscht grundsätzlich nur abends. Na dann, alles perfekt! Sollte sich jemand in der Dusche befinden, wenn ich darunter will, schrei ich einfach “Raus da! Isch hab Preijoritti!”.

Auch an Bord gibt es nochmal ein Sicherheitstraining. Hartmut wird in einen Überlebensanzug gewurstet. Und wir erfahren, dass Schiffe sehr langsam sinken, wir hätten also im Fall der Fälle noch Zeit für eine Tasse Tee. Wie praktisch, dass ich direkt neben der Küche wohne. (Marko, machste mir noch’n Tässchen, das Schiff geht ja so laaangsam unter, mich fröstelt, denke ich. Marko ist übrigens unser Koch.)

“Wenn jemand ins Wasser fällt, lasst ihn nicht aus den Augen. Werft eure Jacke hinterher, damit man die Stelle besser sieht. Und ruft laut um Hilfe! Man over board!”
“Sollen wir nicht versuchen, ihn rauszuholen? Bis jemand kommt dauert das doch…”
“Ganz ehrlich? Die Jacke soll markieren, wo wir die Leiche bergen können. Die Cape Race hat zwar einen Rückwärtsgang, aber der braucht ein bisschen.”
Oh. Welcome to the arctic.

Gorenland-Rosas-Reisen-Cape-Race

Nach dem ersten gemeinsamen Abendessen im kuscheligen, holzgetäfelten Salon verbringen wir den Rest des Abends mit Eisbergbeobachtungen. Niemals, niemals, niemals werde ich müde mir diese Naturwunder anzusehen. Denke ich zumindest. Irgendwann fallen mir dann aber doch die Augen zu. Obwohl ich wahnsinnig aufgeregt bin, schlafe ich gut. Ich wache aber noch häufig auf, muss mich erst an das Brummen des Motors, der direkt unter mir stampft und uns auf’s Meer bringt, und an das ganz sanfte Schaukeln der See gewöhnen.

Die Passagiere
Anuschka
Brigitte & Hartmut
Bernd
Claudia & Kaja
Harry & Heike
Ingerose & Michael
Wolfgang
Die Crew
Kapitän                        Kim (Kanada)
Erster Offizier             Travis (Australien)
Zweiter Offizier          Robin (Schweden)
Maschinist                  Jaron (England)
Koch                              Marko (Serbien)
Service                         Jack (Kanada)
Service                         Emmet (Kanada)

Die Guides
Elke (Expeditionsleiterin)
Sven (Guide & Fotograf)

Was bisher geschah:

Ankunft in Ilulissat

Wie es weitergeht:

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Grönland Ilulissat

Grönland-Reisebericht: Ankunft in Ilulissat

Mit dem letzten Artikel habe ich das Pferd ja so ein bisschen von hinten aufgezäumt. Aber der musste als erste Verarbeitungsmaßnahme einfach raus. Nun aber der Reihe nach. Ihr könnt euch denken, dass ich in Grönland war. Auf diese Reise habe ich mich seit etwa drei Jahren wie blöde gefreut. Trotzdem hatte ich, die ich das Reiseziel ja ausgesucht hatte, nicht wirklich eine konkrete Ahnung, was mich dort erwarten würde.

Vielleicht war es gerade deshalb so, wie es war, vielleicht hätte aber sowieso niemand Grönland davon abhalten können, mit voller Wucht über mich hereinzubrechen. Seit ich dort war kann ich kaum noch einen klaren Gedanken fassen, mich kaum noch konzentrieren. Trotzdem habe ich versucht, meine Erinnerungen in eine einigermaßen logische Reihenfolge zu bringen, um sie mit euch zu teilen.

In den nächsten Wochen werde ich hier also mein Logbuch veröffentlichen. Dabei wird es weniger um Reisetipps á la “Das musst du gesehen haben”, als vielmehr um ein sehr persönliches Erlebnis gehen. Ich hoffe, ihr habt trotzdem Spaß und begleitet mich dabei. Ich kann euch versprechen, es wird nicht langweilig! Los geht’s!

Reistagebuch:
15. bis 23. Juni 2017

Umrundung der Disko-Insel an Bord der MS Cape Race

15. Juni 2017
Heute fliegen wir von Kopenhagen, wo wir die letzten Tage verbracht und uns ein bisschen auf den Norden eingestimmt haben, über Kangerlussuaq nach Ilulissat. Letzteres bedeutet auf grönländisch “Eisberge” und ich kann es kaum erwarten, diese endlich zu sehen. Drei Jahre lang freue ich mich auf diese Reise. Seit über einem Jahr zähle ich die Tage per Countdown auf meinem Blog. Und heute werde ich grönländischen Boden betreten. Endlich.

Auf dem Flug lerne ich unverhofft Nils kennen. Nachdem ich es schon habe kommen sehen, setzt sich zunächst natürlich der dickste, meist schwitzende Mann neben mich, der praktisch schon vor dem Start das erste Bier bestellen möchte. Sein Kumpel steigt dazu und setzt sich schräg hinter uns. Uneigennützig und freundlich wie ich natürlich bin, biete ich an, die Plätze zu tauschen. So sitze ich plötzlich neben Nils.

“I hope this is okay for you?”
“Sure, I think I made the better deal!”
Charmant!

Nils ist 68 Jahre alt, war sein Leben lang Offizier bei der dänischen Armee, hat vier Söhne und fliegt bereits zum siebten Mal nach Grönland. Er besucht dort seine zweite Frau, die als Krankenschwester mehrmals im Jahr dorthin reist um zu arbeiten. Nils erzählt mir viel über Grönland, darüber, wo es Eisbären gibt und wo nicht, wie verschiedene Orte entstanden sind und warum Kangerlussuaq der bedeutendste Flughafen Grönlands ist. Er fragt auch viel über mich, warum ich hier herkomme und was wir genau vorhaben.

“You remind me of my wife. Such love for Greenland, such lust for adventure. It’s good, that you will see it with your own eyes. Keep your enthusiasm, it’s lovely, dear.”

Er ist mir nicht nur wegen dieses lieben Satzes sehr sympathisch und am Ende des Flugs verabschieden wir uns mit einer Umarmung. Meine Neugier ist durch dieses Gespräch nur noch größer geworden.

Den zweiten Flug absolvieren wir in einer kleineren Propellermaschine und dann sind wir endlich, endlich da. Ilulissat. Brigitte und Hartmut, meine Tante und mein Onkel, die mir dieses unglaubliche Geschenk machen, haben auf dem längeren Flug bereits einen unserer Guides, Sven, kennengelernt. Auf der Kurzstrecke ist dann auch klar, mit wem wir die nächste Woche verbringen werden, wer also außer uns als Gast an Bord des Schiffes gehen wird.

Zunächst aber checken wir im “Arctic Hotel” ein und beziehen unsere Zimmer. Allein der Ausblick lässt mich vor Freude tanzen. Dort, auf der anderen Seite der Bucht, liegt Ilulissat. Bunte Häuser, die sich an Felshänge krallen und nur darauf warten, dass man zwischen ihnen umherstreift. Genau das tun wir dann auch. Vorbei an den im Sommerlager angeketteten Schlittenhunden, die wir leider, leider nicht streicheln dürfen, (Könnt euch vorstellen WIE schwer mir das fällt???) machen wir uns auf den Weg in die Stadt zu unserem ersten grönländischen Streifzug.

Grönland Ilulissat
Grönland Ilulissat

Und hinter der Kirche, am Ufer der Disko-Bucht sehen wir sie: Die ersten Eisberge. Ich kann das Gefühl gar nicht beschreiben. Aber mit dem Geheul der Schlittenhunde in den Ohren, der kalten Luft in den Lungen und der Sonne hoch über mir fühle ich mich, als wäre ich endlich nach Hause gekommen. So lange war ich nicht hier, im Norden. So lange habe ich einfach meinen Alltag gelebt und mir selbst gesagt, dass der Wahnsinn, der mich damals nach der ersten Finnlandreise überfallen hat, wohl abgeklungen sein muss. Woanders in Europa ist es ja schließlich auch schön. Aber hier und jetzt, da ist es wieder. Dieses Gefühl, dass mein Herz am liebsten aus meinem Brustkorb springen und in der kalten arktischen Sonne tanzen will. Und es schlägt lauter als jemals zuvor.

Grönland Ilulissat

Wie es weitergeht:

Der Eisfjord und die MS Cape Race // Auf Qeqertarsuaq // Die Tundra und das Inuksuk // Lost Place Qullissat // Die Arktis ist mein Spielplatz // Der Eqi-Gletscher und mein Bad im Polarmeer // Stupid, reckless things // You’re now leaving the Arctic – come back soon!

Grönland Eisberge

Grönland ändert alles

Es ist ein Uhr nachts und die Sonne steht hoch am Himmel über West-Grönland. Ich sitze an Deck der MS Cape Race und schaue zu, wie Eisberge an mir vorbeiziehen. Unglaubliche Giganten und kleinere Schollen. Gebirge und Ebenen, auf denen man eine ganze Stadt errichten könnte.

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Ausrüstungs-Tipp: Was zieh ich an, wenn ich in die Arktis reise?

Gute Kleidung, die warm hält, ist im hohen Norden das absolute A und O. Doch wo bekommt man die passende Ausrüstung her? Diese Frage stellte ich mir auch!

Es ist Sommer, 30° Außentemperatur. Alles schwitzt. Und ich habe die Zusage, dass ich bald ein Vierteljahr in Finnland verbringen darf. Wo es mal locker 70° kälter sein kann. Als sich die erste Euphorie legt, stellen sich praktische Überlegungen ein. Was nehme ich mit? Was brauche ich? Welche Kleidung hält mich da warm?

Hier findet ihr eine Liste der Dinge, die mir dort am nützlichsten waren, und die ich in der Arktis nicht missen möchte. Dabei geht es mir vor allem um extreme Bedingungen, also Temperaturen um -30°. Ich werde von keinem der Hersteller bezahlt und das soll keine Werbung sein, ich möchte einfach nur meine Erfahrung teilen.

Abenteuer Arktis: Die richtige Jacke

Das allerwichtigste Kleidungsstück ist für mich die Jacke. Ich habe sie jeden Tag getragen, sie musste Krallen, Zähne, Holzsplitter, Schnee, Wind und Regen aushalten. Also kam nur ein robustes Material in Frage. Zudem sollte sie mich natürlich warm halten und durfte nicht allzu schwer sein.

Daune – Das Beste, was die Natur zu bieten hat

Nach kurzer Recherche war klar, dass die beiden letzten Anforderungen am ehesten von Daunenfedern erfüllt werden. So weit so gut. Immer wenn ich in einem der vielen Outdoorläden nach einer sehr warmen Daunenjacke fragte, wurde mir ein buntes Etwas präsentiert, das mich fatal an einen Müllsack erinnerte. Besonders, was die Widerstandsfähigkeit anging. Diese Jacken waren für Bergtouren gedacht, nicht für die Arbeit mit Schlittenhunden. So kam ich nicht weiter.

Durch weitere Recherche entdeckte ich dann die Marke Canada Goose. Die Preise verschlugen mir den Atem, aber es schien genau das zu sein, was ich suchte! Expeditionskleidung, gemacht für extreme Kälte. Und optisch auch mein Fall: Schlicht und funktional, aber trotzdem schön: Der Expedition Parka.

Über die Homepage von Canada Goose kann man zertifizierte Händler finden. Oder ihr bestellt bei Canada Goose direkt. Ich bekam die Jacke in der gewünschten Farbe (navy) und Größe (m). Und was soll ich sagen? Sie hat mir sehr, sehr gute Dienste geleistet. Mit unzähligen Taschen bietet sie Stauraum für alles mögliche.

Das Fell an der Kapuze sorgt dafür, dass sich über dem Gesicht eine wärmere Luftschicht bildet und die Kapuze selbst hält den Kopf warm. Ich habe bis auf eine Ausnahme nie gefroren, die Jacke hat alle Härtetests bestanden und ist heute eines meiner liebsten Besitztümer. (Und mit Abstand das Teuerste 😉 )

ACHTUNG: Ich möchte anmerken, dass die Jacke, als ich sie gekauft habe etwa 850 € gekostet hat. Mittlerweile hat der Hersteller die Preise mehr als verdoppelt. Es gibt ähnlich gute Produkte zu günstigeren Preisen. Deutlich günstiger ist beispielsweise ein vergleichbares Modell von Fjällräven: (Damen) und Herren.

Tipp: Wenn ihr zum ersten Mal in die Arktis reist seid ihr in der Regel über einen Anbieter dort. Meist ist ein Overall oder eine Jacke leihweise im Preis mit inbegriffen, also gebt nur so viel Geld aus, wenn ihr wirklich müsst!

Women’s Expedition Parka, Canada Goose, Navy, Größe M

Rosas Reisen • Spitzbergen • Norwegen • Longyearbyen

Abenteuer Arktis: Die richtigen Schuhe

Fast genauso wichtig, wie eine gute Jacke, waren für mich die Schuhe. Schließlich hasst frau ja nichts mehr als kalte Füße. Hier waren die Nachforschungen geradezu simpel und schnell wusste ich, was ich wollte. Ein großes Paar lederner Überschuhe mit hoch reichender Gummierung und tiefem Profil, darin ein paar Innenschuhe aus Wolle mit extra isolierter Sohle. Ich habe mich für die Marke Sorel entschieden.

Das Modell Caribou für Damen* in der Farbe Tobacco hatte es mir angetan. Ich habe die Schuhe eine Nummer größer genommen, damit noch mindestens zwei Paar Socken reinpassen. Der Preis war überraschend annehmbar, nur das hohe Gewicht hat mich ein bisschen erschreckt. Aber letzten Endes hat es mich nicht gestört, ich hatte gar keine Zeit es zu bemerken.

Fakt ist, dass ich im Gegensatz zu meinen Mit-Volunteers immer warme Füße hatte. Auch als ich durch eine dünne Eisdecke gebrochen bin und bis zum Stiefelschaft im eisigen Bach stand, haben die Schuhe mich nicht enttäuscht. Alles blieb trocken. Und die Innenschuhe sind sogar waschbar! Zu bekommen sind sie bei Amazon*, Globetrotter* etc.

Caribou Damen Schneestiefel, Sorel, Tobacco, Größe 41

Wer schnell friert (so wie ich, seit mir einmal die Zehen eingefroren sind), für den ist vielleicht der Polarlobben der norwegischen Marke Protex etwas. Mein Freund hat sie mir letztes Weihnachten geschenkt und ich habe sie ehrlicherweise den ganzen Winter über als Hausschuhe getragen. Sie halten die Füße superwarm und ich kann kaum erwarten, sie endlich draußen zu tragen. Denn ich habe aus verlässlicher Musher-Quelle den Tipp erhalten und sie selbst in Aktion gesehen. Damit sollte es nie wieder kalte Füße geben! Es gibt auch noch Überschuhe, die die Filzstiefel schützen.

Abenteuer Arktis: Die richtige Hose

Ich habe es einfach nicht geschafft, vor meinem Abflug eine passende Hose zu finden. Allerdings hatte ich Anfang des Jahres ein Ski-Set bei Aldi (auch Tchibo und Lidl sind gute Anlaufstellen) gekauft, bestehend aus Hose und Jacke. Das habe ich mitgenommen und dann vor Ort noch eine Hose gekauft (Marke Everest).

Wichtig war mir, dass sie eine dunkle Farbe hat, damit man den Dreck nicht so schnell sieht, und dass sie Hosenträger hat. Die geben dem Ganzen noch mal etwas mehr Halt. Obwohl sie wirklich preiswert war, bin ich mit der Hose sehr zufrieden, besonders zu dem günstigen Preis! Ich habe sie immer mal wieder bei Ebay gesehen, Suchwort “Skihose Everest”.

Tipp: Wenn ihr länger vor Ort seid, müsst ihr nicht sofort alles parat haben. Nutzt die Gelegenheit die Locals zu fragen, wo sie shoppen und welche Produkte sie nutzen. An Orten wo solche Ausrüstung zum täglichen Bedarf gehört, ist sie oft günstiger.

Akaskero-Rosas-Reisen-Finnland-Lappland-Wildnistour-Hundeschlitten-Schlittenhunde-Huskies

Abenteuer Arktis: Die richtige Unterwäsche

Auch hier lautete die Devise: Hauptsache warm. Und da kommt man relativ schnell zu Merinowolle. Sie hat zudem den Vorteil, dass sie sehr schnell trocknet und auch nach mehrmaligem Tragen nicht müffelt, solange man sie über Nacht auslüftet. Hier hat Qualität einen stolzen Preis. Trotzdem habe ich mir ein Set Merino-Unterwäsche geleistet, bestehend aus Shirt, Hose und Socken (Ortovox* und Smart Wool*).

Um aber auch mal wechseln zu können habe ich außerdem noch günstigere Ski-Unterwäsche gekauft. Die gibt es zum Beispiel beim Discounter oder bei Revolution Race. Sie hat nur einen Bruchteil dessen gekostet, was ich für das andere Set ausgeben musste. Und trotzdem hat sie ihren Zweck erfüllt. Für wärmere Tage war sie genau richtig. Außerdem konnte man das Material auch mal eben per Hand waschen, weil die Kunstfaser noch schneller trocknet als Wolle. Ich will aber beide Sets auch nicht vergleichen, sie waren beide von Nutzen.

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Abenteuer Arktis: Die richtigen Handschuhe

Zwei Paar sind gut, drei sind besser!

Zuunterst empfehle ich ein paar Fleecehandschuhe mit Fingern, die eng genug sitzen, sodass man auch komplizierte Tätigkeiten (bspw. Einhaken von Halsbändern, Öffnen von Reißverschlüssen) damit ausführen kann. Meine habe ich bei Tchibo gekauft.

Die zweite Lage ist nicht unbedingt notwendig, wenn man beispielsweise nur einen Ausflug macht, bei dem man im Schlitten sitzt. Bei kälteren Temperaturen ist sie aber auf jeden Fall zu empfehlen. Am besten ist ein weiteres Paar Fingerhandschuhe, diesmal aber gefüttert und zumindest wasserabweisend. Mein uraltes aber taugliches Paar habe ich von meinem Onkel geerbt, es ist von der Marke Reusch*. Mittlerweile habe ich sie aber durch ein neues Paar mit echtem Leder ersetzt und nutze zusätzlich ein paar von North Face*.

Diese habe ich immer beim Training getragen. Für Füttern und Saubermachen eignen sie sich nicht so gut, sie schränken die Beweglichkeit zu sehr ein. Da ist ein richtiges Paar Arbeitshandschuhe aus Leder besser geeignet. Leider werden dadurch auch die Finger nass. Eine Lösung für dieses Problem habe ich nicht gefunden.

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Eine sehr hübsche Alternative als zweite Schicht, sind die traditionellen samischen Strick-Fäustlinge, mit Fleece gefüttert und bunten Bändern bestickt. In Rovaniemi gab es sie an jeder Ecke zu kaufen, sie kosten um die 15€. Sie sind allerdings zu schön, um sie bei der Arbeit mit den Huskies zu benutzten und deswegen eher etwas für Ausflüge in die Stadt.

Fäustlinge – Warm und praktisch

Kommen wir zur dritten Lage: ein Paar Lederfäustlinge. Diese sollten so groß sein, dass man mit den Handschuhe an den Händen einfach rein- und rausschlüpfen kann. Außerdem erwärmt sich mit genug Freiraum die Luftschicht zwischen den Lagen und sorgt so dafür, dass die Hände wirklich nicht kalt werden. Denn wenn das passiert, kann es nicht nur unangenehm, sondern sogar gefährlich werden.

Manchmal muss es aber schnell gehen, die Hunde haben sich in ihrem Geschirr verheddert und drohen sich zu verletzen oder ähnliches. Damit man dann die Hände einfach aus den großen Fäustlingen ziehen kann und sich keine weiteren Gedanken machen muss, habe ich auf etwas zurückgegriffen, das ich als Kind gehasst habe. Nämlich die Handschuhe mit einem Band zu verbinden, das man sich um den Nacken legt. So minimiert man das Risiko, sie zu verlieren. Und mit etwas Mühe kann die Kordel ja auch nett aussehen, ich habe sie selbst geknüpft und geflochten.

Ich habe meine für etwa 10 € in einem finnischen Baumarkt gekauft, daher möchte ich euch hier auch kein superteures Exemplar verlinken.

Abenteuer Arktis: Die richtige Mütze

Sucht euch eine schöne aus, denn ihr werdet sie immer tragen! Wie oft hab ich mir gewünscht, Luft an meine Haare zu lassen, den Wind auf der Kopfhaut zu spüren. Aber nix da, Mütze muss sein, sonst verliert man zu viel Wärme. Wenigstens ist die Auswahl groß, man kann sich nach Lust und Laune eindecken. Und da Mützen nicht so teuer sind, kann man auch ein paar mehr mitnehmen. So hat man wenigstens bei einem Kleidungsstück die Möglichkeit der Abwechslung.

Wichtig ist nur, dass es nicht nur eine Strickmütze sein sollte, am besten ist sie mit Fleece oder Teddystoff gefüttert. Sonst kommt der Wind durch und lässt die Öhrchen frieren. Außerdem kratzt es sonst oft. Ich habe ein Exemplar von North Face, eins von Jack Wolfskin und meine Lieblingsmütze ist von Sätila. Es müssen aber mit Sicherheit auch nicht solche Marken sein.

Abenteuer Arktis: Der richtige Rucksack

Hier muss ich gestehen, dass mein Exemplar nicht unbedingt das praktischste ist. Aber ich liebe das Design und deswegen stell ich ihn euch trotzdem vor. Es ist der No 21 von Fjällräven*. Zunächst die Vorteile: Er ist geräumiger, als er aussieht, hat innen ein Fach für den Laptop, eins für Geld oder Ausweis und eins für eine Flasche, außerdem bringt er ein kleines Sitzkissen mit. Das Material ist robust und gut verarbeitet und dadurch, dass alle Laschen mit Kordelzug oder Lederschnallen geschlossen werden, entfällt die Schwachstelle Reißverschluss.

Das ist aber zugleich ein Nachteil, man bekommt den Rucksack nicht schnell auf, schon gar nicht, wenn man auf dem Schlitten steht. Ein paar mehr Innenfächer würden auch nicht schaden.

Insgesamt bin ich ein großer Fan der Marke Fjällräven. Wenn man keine langen Strecken laufen muss, sondern nur etwas zum Transport braucht, ist auch der Kånken* gut geeignet, vor allen Dingen, da er sich komplett öffnen lässt. So kommt man an alles schnell ran. Ich besitze drei Modelle, den Mini*, den “normalen” und den Kånken No. 2*. Letzteren empfinde ich als am besten verarbeitet und am robustesten.

Zum Wandern empfehle ich hingegen den Osprey Tempest 9 for Women*. Unglaublich geräumig trotz des geringen Packvolumens, viele Extras wie ein Fach für die Trinkblase, eine Signalpfeife am Brustgurt etc. Dazu schmale Trageriemen und ein wirklich funktionierendes Belüftungssystem!

Abenteuer Arktis: Die richtige Ausrüstung

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Ausrüstung. Hiermit meine ich nicht das Notfallpaket, das man in der Arktis sowieso immer dabei haben sollte, sondern ein paar kleine nützliche Dinge, die ich immer für mich dabei hatte.

Thermoskanne

Als erstes die Thermoskanne mit heißem Tee. Ich denke, jedem ist klar, wieso. 🙂 Praktisch ist, wenn sie keinen Schraub-, sondern einen Druckverschluss hat, das macht das Ausgießen unter widrigen Bedingungen mit einer Hand möglich, wenn man zum Beispiel keine Möglichkeit hat, den Deckel beim Schlittenfahren zu Verstauen. Meine habe ich von Heesung*.

Eine unglaublich robuste, langlebig und qualitativ hochwertige Alternative, allerdings mit Schraubverschluss, ist die Marke Stanley*.

Stirnlampe

Außerdem sollte man immer eine Stirnlampe dabei haben. Ja, immer, auch im arktischen Sommer, in dem es nicht dunkel wird. Warum? Naja, wenn man zum Beispiel spontan einen Eiskeller oder eine Höhle erkunden möchte, nützt einem die Mitternachtssonne herzlich wenig. Die Stirnlampe ist hier der regulären Taschenlampe auch wieder aus praktischen Gründen vorzuziehen: Man hat die Hände frei.

Ich habe ein günstiges Modell von Petzl* mit zwei verschiedenen Helligkeitsstufen, das mit AAA-Batterien läuft. Wenn es etwas mehr sein soll empfehle ich die von Nitecore*. Sie ist etwas schwerer, hat aber ein Leuchtvermögen von 1200 Lumen. Es gibt vier Helligkeitsstufen und Stroboskop-, Flash- und SOS- Modus. Geladen wird die Lampe über einen Akku mit USB-Anschluss.

Messer

Okay, ich gebe es zu, ich bin eine kleine Messerfetischistin. Von fast jeder Reise bringe ich mir ein landestypisches Messer mit und schleppe auch so gerne welche mit mir rum. Ob für die Picknickpause, zum Zurechtschneiden von Pflastern oder dem Hacken von gefrorenen Fleischblöcken, ein passendes Messer erweist sich oft als nützlich.

Ob aus der finnischen Traditionsschmiede Marttiini*, ein klassisches Ulu der Inuit, das Schweizer Armeemesseroder einfach ein großes Jagdmesser – ich fühle mich damit sicherer und gut vorbereitet.

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