Der Leopoldsteiner See – Oder: Was mein Herz berührt

Wir schmeißen unser Gepäck in den Mietwagen, die Autotüren schlagen zu. Mit staubigen Schuhen und sonnenverbrannter Haut fahren wir los. Hinter uns liegt ein Wochenende am Erzberg. Hinter uns liegt das OTA Globetrotter Rodeo. Durch meine Adern rauscht immer noch das Adrenalin, ich bin aufgedreht von den ganzen neuen Erfahrungen und Bekanntschaften, dem Erfolg meines Vortrags und der Aussicht auf neue Reisen, die sich hier ergeben haben. Vor uns liegen zehn Stunden Fahrt zurück nach Köln. Genug Zeit, um runter zu kommen. Aber dann schlägt Carla vor, noch einen kleinen Abstecher zu machen. An den Leopoldsteiner See, direkt um die Ecke. Warum nicht?

Ich weiß nichts über den See, doch als wir unser Auto am Wegrand geparkt haben und dem Pfad zum Ufer folgen, flasht er mich. Ein Postkartenidyll, das ich so nicht erwartet habe. Grünes Wasser vor dem Bergpanorama der Steiermark.

Auf halber Strecke um den See legen wir eine Badepause ein. An der Unterseite meiner Oberschenkel fühle ich das raue, von der Sonne gebleichte und gewärmte Holz des Stegs, zwischen meinen baumelnden Zehen strömt das kalte klare Wasser. Vor mir erstreckt sich der See, am Horizont türmen sich die Wälder an der Flanke des Berges. Während ich die ganze Aufregung der letzten Tage verarbeite, merke ich, wie sehr mich dieser Anblick zum Strahlen bringt. Wie mir das Herz aufgeht. Das schaffen nur ganz wenige Orte und jedes mal ist es etwas besonderes. Und wenn es passiert, dann bringt es mich zum Nachdenken.

Grundsätzlich bin ich niemand, der wahnsinnig scharf aufs Erwachsenendasein ist. Denn es bringt Verpflichtungen und Sorgen mit sich, auf die ich gut verzichten könnte. Haftpflichtversicherung. Steuererklärung. Anlageberatung. Bäh.

Aber es hat auch zwei ganz gewaltige Vorteile: Freiheit und Selbsterkenntnis! Wie meine ich das denn jetzt? Mit Freiheit meine ich, die Möglichkeit selbst zu entscheiden, wie man seine Zeit gestalten will. Spontan sagen zu können: Ach, dann kommen wir eben zwei Stunden später nach Hause, dafür fahren wir jetzt noch an den See! Sich nur an seine eigenen Regeln halten zu müssen, macht das Leben so viel einfacher und schöner.

Und die Selbsterkenntnis? Tja. Je älter ich werde, desto besser verstehe ich mich selbst und weiß, was ich mag und was mich berührt. Grundsätzlich freue ich mich über jede Reise, die ich antrete und liebe es, Neues zu entdecken, egal wo.

Aber wenn ich die Wahl habe, dann zieht es mich immer eher in den Norden als in den Süden. Wanderschuhe, Rucksack und Lagerfeuer sind mir lieber als Shoppingtouren, Sightseeingbusse und Clubnächte. Und wenn ich mich entscheiden müsste, so würde mein Herz für die Berge, statt für Sandstrände klopfen. Und das wird mir hier am Leopoldsteiner See in der Steiermark ganz klar.

 

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