Camí de Cavalls – Ein Wanderweg rund um Menorca

Die 18 rattert in den Tunnel Richtung Hauptbahnhof. Der harte Plastiksitz unter mir vibriert, neben mir wackelt mein Wanderrucksack. Zwischen meinen in Wanderschuhen steckenden Füßen steht meine Reisetasche. Mir gegnüber lassen sich zwei Jungs auf die Sitze fallen.

Ey, fliegst weg?

Ja.

Wohin?

Nach Menorca.

Gei-hel, Mallorca, ey!

Nee, nicht Mallorca, Menorca!

Ja, Mallorca!

Nein. Me-nor-ca.

Was das, Alter?

Das ist eine andere der balearischen Inseln.

Hä? Geil auf jeden, isch würd auch viel lieber Mallorca als Schule! Viel Spaß!

Menor..ach was. Danke.

Ja, ich brauche definitiv Urlaub. Ich reise dieses Jahr sozusagen antizyklisch. Im Juni bin ich nach Grönland geflogen und dort zwischen den Eisbergen rumgehopst. Jetzt, wo der Herbst hier in Köln Einzug hält, zieht es mich noch einmal in die Sonne. Zusammen mit meiner Ma und meiner Tante fliege ich nach Menorca, innerhalb einer Woche wollen wir einen Großteil der Insel umwandern.

Wir starten in Mahón, der Hauptstadt der Insel. Ich selber habe von Menorca nur wenig mehr Ahnung als meine U-Bahn-Bekanntschaft und mache mich erst vor Ort mit den Gegebenheiten vertraut. Die zwei größten Städte, Mahón und Ciutadella, liegen sich am West- und am Ostende der Insel gegenüber, verbunden durch die große, etwa 45 Kilometer lange Haupstraße. Daniel, unser Fahrer, erklärt uns, dass Menorca wie ein Fisch sei: Mahón ist der Kopf, Ciutadella der Schwanz und die Straße das Rückgrat. Hier ist immer Leben, während die anderen Küstenorte im Winter wie ausgestorben sind.

Er erklärt uns auch, dass der mittig gelegene Ort Es Mercadal früher ein Markt gewesen sei (der Name ließ es bereits vermuten) heute aber sein Geld mit dem meistausgelösten Blitzer der Insel, wenn nicht ganz Spaniens verdiene. Selbst seine 67-jährige Mutter sei dort schon geblitzt worden! „Am Arsch“, wie Daniel mit schönstem spanischen Akzent lispelt.

So viel erstmal zum Grundegrüst der Insel, viel interessanter ist aber die Küstenlinie, denn diese hat uns hierher gelockt. Genauer gesagt: Der Camí de Cavalls, einer der schönsten Wanderwege Europas, der sich einmal rund um Menorca windet. Der „Pferdepfad“ besteht schon seit dem Mittelalter und ist heute offizieller Fernwanderweg. In der vor uns liegenden Woche wollen wir verschiedene, je etwa 15 Kilometer lange Etappen laufen.

An unserem ersten Tag starten wir am Leuchtturm des Cap Favarítx. Das Meer blendet uns unter der aufgehenden Morgensonne, während wir die schroffe Schieferküste hinaufklettern. Heute wandern wir an der Westküste in Nord-Süd-Richtung bis nach la Mesquida. Ich habe keine Ahnung, was mich erwartet, aber meine Beine wollen laufen und mein Kopf möchte alle Gedanken an Arbeit und Stress von der Meeresbrise rauspusten lassen.

Und was soll ich sagen, schon nach der ersten Wegbiegung ist alles andere vergessen, denn vor uns liegt eine wunderschöne Bucht mit weißem Sand und türkisfarbenem Wasser. Und das Beste: Keine Sau da!

Was interessieren mich da Deadlines, Pressemeldungen und PR? Pffff! Schuhe aus und ins Wasser getapst! Danach Schuhe an und weiter geht’s! Besser wäre es allerdings gewesen, sich den Sand zwischen den Zehen rauszupulen, denn so laufe ich mir die erste Blase meines Lebens. Und das am ersten Tag meines ersten reinen Wanderurlaubs. Gratulation, Anuschka!

Trotzdem genieße ich den Tag, der uns bis Es Grau und später an den Strand von Mesquida führt sehr. Es ist Ende Oktober und ich chille im Bikini am Strand. Um es mit den Worten meines U-Bahn-Freundes zu sagen: Gei-hel!

2 Gedanken zu “Camí de Cavalls – Ein Wanderweg rund um Menorca

  1. Ein sehr schöner Bericht und wieder tolle Bilder. Freue mich auf die nächsten Etappen. Ich war während deiner Wanderwoche auf Kreta und hatte ebenfalls das gei-hele Glück, im Oktober im Meer baden zu können und gleichzeitig auch bei den Wanderungen nicht ganz zu zerfließen. Kann man wiederholen, finde ich 😉

    1. Hey Pia,
      schön, dass dir der Artikel gefällt! 🙂 Auf Kreta war ich auch zweimal als Kind und ich habe die Insel in bester Erinnerung! Wo genau warst du denn?
      Und ja, ich muss auch sagen, nachdem ich letzten Herbst auf der Chalkidiki und jetzt eben auf Menorca war: Sommer im Herbst hat schon was! 😀

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