Von Island bis Kamtschatka: Interview mit Reiseleiter Dennis Hartke

Dennis Hartke (35) ist Vollblut-Reiseleiter und Wanderführer für die nördlichen Gebiete dieser Welt. Seit 10 Jahren führt er Gruppen durch Länder wie Grönland, Spitzbergen, Alaska und Russland. Eigentlich wollte er immer nach Hawaii aber als er das erste Mal auf Island war, wusste er wofür er geboren wurde…für den Norden.

Als er mir also eine E-Mail schreibt, ob wir für meinen Blog nicht irgendwas auf die Beine stellen wollen, bin ich sofort Feuer und Flamme. Oder eher Schnee und Eis, denn das Gefühl für den Norden geboren zu sein ist mir alles andere als fremd. Herausgekommen ist dabei ein Interview zwischen Köln und Spitzbergen!

Dennis, du hast mir erzählt, dass du schon 10 Jahre als Reiseleiter in den polaren Gebieten arbeitest. Wie ist es dazu gekommen? Hast du eine Ausbildung gemacht? Gibt es so etwas überhaupt?

Damals steckte ich in einer unbequemen Lebenssituation fest. Ich war Musiker und arbeitete nebenbei in einem CallCenter. Beides war nicht lukrativ genug, um zu leben und brachte mehr Ärgernisse mit sich, als Freude. Als ich nicht mehr weiter wusste, fiel mir ein Buch über Island in die Hände und ich entschloss kurzer Hand, dorthin zu reisen.

Als ich vor Ort war, lernte ich eine Reiseleiterin kennen und fuhr mit ihr durchs Hochland. Von diesem Moment an, wollte ich auch Reiseleiter werden. Als ich wieder in Deutschland war, meldete ich mich bei einem Ausbildungsseminar bei Travel To Life an. Ich wusste auch nicht, dass es sowas gibt, da ich immer dachte „Reiseleitung“ ist „kein“ Beruf, also ein Freiberuf. Heute bin ich selber Reiseleiter und Seminarleiter für die Ausbildungsseminare bei Travel To Life.

Und warum die polaren Gebiete? Warum faszinieren sie dich?

Als ich das erste Mal auf Island war, ist es um mich geschehen. Plötzlich fühlte ich die raue, schroffe Atmosphäre viel intensiver, als ein sonniges Gebiet mit weißem Sand mir geben konnte. Ich fühlte die Härte, die Kälte und die Leere ohne Menschen. Die Sucht nach dem Norden kann sich ganz schnell entwickeln, weil die Gefühle viel stärker transportiert werden als woanders.

Somit war Island nur der Anfang einer „nördlichen Verkettung“ von Ländern und Regionen die plötzlich mein Lebensinhalt wurden. Ich habe diese Veränderung nie wirklich gemerkt, denn es wurde einfach mein Leben.

Du hast mir erzählt, dass du auch schon in Kamtschatka unterwegs warst. Das kennen die meisten Menschen wohl nur vom Risiko-Spielbrett. Wo genau liegt diese Region und was hast du dort gemacht?

Wenn du dir Russland vorstellst und mit dem Finger immer weiter nach Osten gehst, dann kommt irgendwann ein letzter Zipfel. Manche sagen auch es sei der Balkon Russlands. Diese letzte Halbinsel bevor es in Alaska wieder „von Vorne“ mit der Welt losgeht, ist Kamtschatka. Also so ziemlich fern im Osten, Fernost halt.

Wir waren dort auf einer Rundreise mit Expeditionscharakter. Von dem Hauptort Petro Pavlovsk aus sind wir mit einem Kamaz (Truck) in die Wildnis gefahren und haben in Hütten und Zelten geschlafen und Vulkane bestiegen. Später sind wir per Raftingboot weitergereist und haben am Ufer der Flüsse gecampt. Es war eine wunderschöne Tour zwischen Vulkanen und Bären. Einmalig und unvergesslich.

Welchen Ort oder welche Aktivität würdest du dort besonders empfehlen?

Auf jeden Fall den Vulkan Tolbachik besteigen, so auch den Gorely und den Mutnovsky. Die Wanderungen können sehr lang sein aber dafür gibt es einmalige Einblicke in die Wildheit in einer Urwelt am Ende des Horizonts. Rafting ist auch eine schöne Sache, da man sich Lachse selber fängt, Abends grillt, der ein oder andere Braunbär am Ufer vorbeitrottet. Man ist in mitten der gewaltigen Natur, welche völlig menschenleer ist.

Wer ein bisschen mehr Menschen haben möchte, der sollte das Dorf Kozerevsk besuchen. Holzhäuser, Selbstversorger, große Gärten, Kühe die durch die sandigen Gassen laufen. Es ist ein Zeitreise dorthin. Einfach unübertrefflich.

Dein Job klingt ja schon nach einem Traumberuf. Bestimmt gibt es aber auch Schattenseiten, oder?

Kein Zweifel, für mich ist es der beste Beruf der Welt. Es gibt keinen anderen Beruf der so viel Kreativität, Freiraum und quasi das Tor zur Welt bietet. Abenteuer sind garantiert. Man verdient mit dem Reisen sein Geld.

Jedoch sollte jeder wissen, dass bei all den genialen Erlebnissen und den farbenfrohen Tagen unterwegs, es eine große soziale Spannung mit den Lieben zuhause gibt. Nicht jeder ist für den Kontakt in der Ferne bereit. Familie und Freunde leiden darunter, jede heimische, normale Situation wird quasi verpasst. Kein Kino, kein Grillen am See im Sommer mit Freunden, keine Hochzeit von deinem besten Freund usw. Darüber sollte man sich klar sein bevor man aufbricht.

Falls man trotzdem gerne beruflich eine ähnliche Richtung einschlagen möchte, hast du ein paar Tipps?

Neben dem, dass man gerne reisen sollte, sollte man Menschen mögen und gerne mit Menschen teilweise auf sehr privater Ebene zusammensein können, auch wenn es vollkommen Fremde sind. Man sollte sich der sogenannten „Dienstleistung“ bewusst sein. Heisst: Reiseleitung ist ein 24 Stunden-Job. Wir sind immer für die Gäste da.

Und damit man auf jegliche Situationen vorbereit ist, empfiehlt sich ein Ausbildungsseminar. Nur dort erhält man das essentielle Wissen für den Beruf. Wer die Welt sehen will und dort arbeiten möchte wo andere Urlaub machen, der findet in Reiseleitung seine Erfüllung.

Dennis, danke für dieses sympathische und informative Interview. Für jemanden wie mich, der selbst immer wieder mit dem Gedanken spielt, diesen Job auszuüben, war das wirklich hilfreich. Und dass ich jetzt von Kamtschatka träume ist ja sowieso klar. Um es mit deiner E-Mail-Signatur zu sagen: Wir sehen uns unterwegs!

Wer mehr über Dennis Hartke wissen will, wird auf seiner Homepage und bei Facebook fündig!

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