Mit Schlittenhunden durch die Dunkelheit Svalbards

Pic by Morten Rostille

Die Polarnacht auf Spitzbergen: Drei Tage im hohen Norden

Der Tag, an dem ich auf einem Schlitten durch die Dunkelheit Svalbards gleite
16. Dezember 2017

In den frühen Morgenstunden klingelt mein Handywecker, eine technische Absurdität in dieser rustikalen Umgebung. Mein zweiter Tag auf Svalbard beginnt. Und ich kann mich vor Aufregung kaum beherrschen, denn heute ist der Tag, an dem ich endlich wieder auf einem Hundeschlitten stehen werde!

Da ich nach meiner Nacht in der Trapperhütte mit nur dem Nötigsten ausnahmsweise mal keine Wahl habe, was mein Outfit betrifft, bin ich schnell angezogen. Auch die Katzenwäsche im Toilettenhäuschen ist fix erledigt. Über die Vintage-Ausstattung mit Waschschüssel in Belle-Epoque-Optik muss ich lachen. Sie steht doch in krassem Kontrast zur mobilen Plastiktoilette direkt daneben.

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Video: White Nights – Working with sleddogs

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Im Winter 2013 habe ich mich aufgemacht in den hohen Norden, nach Korvala, 60 Kilometer nördlich des Polarkreises. Ich wollte das Leben dort kennenlernen, ich wollte in Schnee und Eis arbeiten, Nordlichter sehen, vor allem aber wollte ich mit Schlittenhunden arbeiten.

Mit diesem Video habe ich versucht auszudrücken, welch unglaubliches Gefühl es ist, auf einem Schlitten zu stehen, ein Huskyteam vor sich, das darauf brennt in die weißen Nächte der Arktis zu laufen. Eigentlich ist das unbeschreiblich, aber ich hoffe, das Video vermittelt trotzdem einen Eindruck. Wenn ihr mehr über Meine Zeit in Finnland erfahren wollt:

Ein Tag in der Arktis I
Ein Tag in der Arktis II

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Vortrag über die Arbeit mit Schlittenhunden

Arbeit mit Schlittenhunden

Wer mir auf Facebook folgt, hat es vielleicht schon mitbekommen: Ich traue mich auf die Bühne! Am kommenden Donnerstag, den 5. Januar 2017, werde ich im schönen Hostel/Café/Bar Die Wohngemeinschaft einen Vortrag im Rahmen der Reihe Backpack-Stories halten. Und ihr seid alle herzlich eingeladen. Neben meiner gibt es noch weitere spannende Darbietungen, dabei dreht sich alles um den Zauber des Winters! Los geht’s um 19 Uhr.

Von beißender Kälte und tanzenden Lichtern

Ich werde den Abend beginnen, indem ich von meiner Arbeit mit den Schlittenhunden in der Arktis erzähle. Folgt mir nach finnisch Lappland, lernt 59 Huskies kennen und stellt euch auf die Schlittenkufen, zumindest in Gedanken. Es wird auch einen Mini-Workshop geben, in dem ihr lernt, was ihr für einen erfolgreichen Start eurer Musher-Karriere braucht! 😉 Die Tickets kosten im Vorverkauf 8 bzw. 13€ (je nachdem ob ihr nur die ersten zwei Vorträge oder alle sehen wollt), an der Abenkasse 10 oder 17€. Gebucht werden kann hier.

GEWINNSPIEL

Auf Facebook läuft jetzt auch ein Gewinnspiel, dort habt ihr die Möglichkeit 1×2 Tickets für Donnerstagabend zu gewinnen! Schnell mitmachen!

Ich freue mich wahnsinnig über jeden der kommt und Lust hat, mir zuzuhören. Ich werde mir die allergrößte Mühe geben, euch zu verzaubern und aus dem nassen Kölner Winter in die verschneite Landschaft des Nordens zu holen!

 

CSI: Lappland – Den Huskys auf der Spur

CSI Lappland (3)
Die Täter: Nuchi und Nanuk

Die Tür fliegt auf, ich blicke hoch. Direkt in Evelyns entsetztes, blutbesudeltes Gesicht. „Bitte! Helft uns! Sie töten Fassu!“ Ich springe auf und renne zum Ausgang.

※Yeeeeeah! Man stelle sich das rockige Intro einer Crime-Serie vor. CSI Lappland: Den Huskys auf der Spur! Ich drehe mich cool in die Kamera, während ich meine Fellkapuze aufsetze.※

Okay, Spaß beiseite, die Sache ist ernst. Echt ernst. Vier der Hunde liefern sich einen Kampf im Kennel. Durch den Maschendrahtzaun verbeißen sie sich ineinander, Blut fällt auf den weißen Schnee. Das laute Knurren und der Geruch versetzen die anderen Hunde in wahnsinnige Raserei. 60 Huskys springen wie verrückt in ihren Gehegen, jaulen und bellen. Nanuk, Nuchi und Hera haben Fassu durch den Zaun angegriffen und versuchen gerade sein Ohr abzureißen.

CSI Lappland (15)
Ohr? welches Ohr? Das ist Hera

Wir schaffen es, die Hunde auseinander zu drängen, ich packe Nanuk am Schwanz und ziehe ihn über den gefrorenen Boden, weg vom Zaun. Sally und Babette bringen den heftig blutenden Fassu in unsere Hütte, während Evelyn und ich versuchen, die überdrehten Hunde mit Futter zu beruhigen.

Das funktioniert einigermaßen und wir begeben uns daran, das Gehege kampfsicher zu machen. Brett um Brett wird angenagelt, damit keine geifernden Reißzähne mehr durchkommen. Nebenbei sehen wir uns nach der Spitze von Fassus Ohr um. Sie ist nicht da, aber Hera sieht mich so zufrieden mit dem Schwanz wedelnd an, dass ich mir sicher bin, sie hat es gefressen.

Unterdessen trifft das Taxi aus der Stadt ein, das Fassu, Sally und Babette zum Tierarzt bringen soll. Ausgerechnet an diesem Wochenende sind Jaana und Seppo, unsere Gast- und Arbeitgeber, nicht da und wir sind auf uns allein gestellt. Aber gut, was will man machen? Als Evelyn und ich unsere Arbeit im Kennel beendet haben, gehe ich allein zurück in unsere Hütte und ins Bad um mir die Hände zu waschen.

Und da trifft mich der Schlag.

Es sieht aus, als hätte ich die Wirkstätte eines Serienkillers betreten. Blut. Überall Blut. Am Türrahmen, in der Dusche, an der Toilette. Es läuft an den Wänden und am Waschbecken runter. Selbst an meiner Zahnbürste sind ein paar Sprenkel. Fassus Kopfwunde hat heftig geblutet, Sally und Babette sind mit ihm ins Badezimmer gegangen, damit nicht die ganze Hütte eingesaut wird.

Und da hat Fassu sich wohl ständig geschüttelt und unserer Nasszelle damit einen Dexter-Interior-Look verpasst. Armer Wauzi. Und arme Anuschka. Nach den körperlich und emotionl doch anstrengenden Momenten gehe ich jetzt nämlich auf die Knie und fange an, Blut von der Einrichtung zu schrubben. Dabei fühle ich mich leicht kriminell: Heimlich, still und leise beseitige ich die Spuren…

Das dauert, und als ich fertig bin vergehen nur noch Minuten und Sally und Babette bringen den Patienten nach Hause. Fassu ist leicht beduselt von den Medikamenten, aber das Ohr ist medizinisch versorgt und genäht. Er muss allerdings erst mal drinnen bleiben, schon aus psychologischen Gründen. Die Huskys, mit denen wir hier arbeiten, sind keine Schoßhündchen. Und haben sie einen Schwächeren ausgemacht, kann es sein, dass sie ihn erledigen. Also haben wir jetzt erst mal einen Gast. Außerdem wohnt ja auch schon Ivan, ein anderer Husky, in der Hütte. Weil er krank und leicht depressiv ist.

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Das Opfer nach der OP
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Jetzt braucht Fassu erst mal viel Liebe
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Wird ein bisschen voll, denke ich, als ich sehe, dass Fassu unter unseren Küchentisch pinkelt. Mann, Lappland macht mich echt fertig. Aber ich liebe es.

Bis bald und gute Reise!

Ein Tag in der Arktis II: Schneemobil und Schlittenhunde

sonnenaufgang-schlittenhunde-arktis-polarnachtHier geht’s zu Teil 1!

Die Schlitten gleiten den Hügel hinunter und ich springe mit beiden Füßen auf die Bremse. Die greift aber auf dem Eis kaum, wir werden nur wenig langsamer. Ich muss das Team um die Kurve lenken und dann schnell am Baum festbinden. Als das geschafft ist, bekommt jeder Husky eine Streicheleinheit, schließlich arbeiten sie hart, auch wenn sie ihren Job lieben. Weiterlesen