Ich will weg – aber ich will auch wieder kommen

liebe-deine-stadt-schild-koeln

Warum habe ich diesen Blog angefangen?

Es gab eine Zeit in meinem Leben, da war ich mir sicher, irgendwann wäre ich weg. Ganz weit weg. Ich würde auswandern, irgendwo ein neues Leben beginnen. Den amerikanischen Vorstadttraum leben, meine Kinder könnten Cheerleader und Quarterbacks sein. So wie ich mir das nach dem Konsum unzähliger Teenie-Filme für mich selbst gewünscht hatte. Auf jeden Fall würde ich ja wohl nicht mein ganzes Leben in Köln verbringen!

Ich dachte, ich müsste weg, um glücklich zu sein

Je älter ich wurde, desto weniger bürgerlich klangen diese Fantasien. Ich wollte die Welt sehen und ganz woanders zu Hause sein. Eine Blockhütte in Kanada, ein Holzhaus in Schweden, ein Zelt in der Mongolei; weniger Menschen, mehr Natur. Isolation und mir selbst genug sein. Aber in jedem Fall dachte ich, ich müsste weg, um glücklich zu sein.

Ich dachte, mein Glück hängt von anderen ab

Dann habe ich einen Menschen gefunden mit dem ich mir zum ersten Mal vorstellen konnte, nicht gehen zu müssen, um mein Glück zu finden. Der mir das Gefühl gab, ich kann auch hier in Deutschland glücklich sein. Und lange Zeit war ich sehr glücklich. Aber durch den Schmerz, den ich in einer sehr schwierigen Phase dieser Beziehung empfunden habe, ist mir klar geworden, dass ich mich selbst darin verloren hatte. Da bin ich bestimmt nicht die erste und werde auch nicht die letzte sein, trotzdem hat es gedauert, bis es mir klar wurde. Und vor allem bis ich gemerkt habe, wie wichtig diese Erkenntnis ist. Ich konnte nicht mehr nur ein „ich“ sein, ich war immer ein „wir“. Und darüber habe ich einige Träume aus den Augen verloren.

Der Ruf des Nordens

Letztes Jahr habe ich dann versucht, wieder zu mir zu finden und wenigstens einen kleinen Teil dieser Träume wahr werden zu lassen.
Anfang 2013 habe ich meinen ersten Winterurlaub in Lappland erlebt, in der Nähe von Ivalo, 300km nördlich des Polarkreises. Und was soll ich sagen? Der Norden hat mich gepackt. Schon vorher hatten mir die Geschichten von Jack London, Gary Paulsen und Jean Craighead George Dinge zugeflüstert, über Eiseskälte und tanzende Lichter in der Nacht. Und da war ich nun. Sah zum ersten Mal mehr als 5 cm Schnee und meine Zöpfe froren bei -30 Grad zu starren Gebilden. Als ich nach einer Woche wieder meine Tasche packen musste war mir klar: Ich will wieder in den Norden.

Da ich im Studium sowieso pausierte, um verschiedene Praktika zu machen, bot es sich an, ein weiteres Semester auszusetzen. Meine finanzielle Lage als Studentin ließ einen längeren Aufenthalt als Touristin im hohen Norden nicht zu, ich musste also irgendwo arbeiten. Und so bewarb ich mich schließlich bei einer Familie in Finnland, um den Winter über das zu tun, was ich mir unbedingt wünschte: Mit Schlittenhunden arbeiten.

Reisen macht mich glücklich – aber nach Hause kommen auch

Die drei Monate, die ich dann dort verbrachte, waren hart. Die Tage waren dunkel, aber angefüllt mit sehr harter Arbeit unter teilweise haarsträubenden Bedingungen und ich bin mehr als einmal an meine körperliche und seelische Belastungsgrenze gekommen. Trotzdem möchte ich die Zeit nicht missen. Und dort, im Nirgendwo an einem zugefrorenen See mit 62 Hunden um mich, habe ich endlich eine ganz wichtige Lektion gelernt. Ich will weg, ja. Ich will weit weg, ich will alles sehen, alles erleben. Ich will am Ende meines Lebens sagen können: Es hat sich gelohnt. Aber: Ich will auch immer wieder nach Hause kommen. Zu meiner Familie, in meine Heimat. Köln ist mein zu Hause und auch wenn ich es lange Zeit nicht wirklich gewusst habe, ich liebe es dort zu leben. Ich liebe auch Abenteuer und Herausforderungen. Nur eben nicht immer. Genauso sehr mag ich Komfort und Gemütlichkeit.

Mir das einzugestehen war gar nicht so leicht. Bin ich also doch nicht die große Abenteurerin, für die ich mich gehalten habe? Ich weiß es nicht. Als ich im Februar nach Hause gekommen bin, war ich erleichtert, habe mich über Internet, unbegrenztes warmes Wasser, schöne Kleidung und mein Lieblingsessen gefreut. Das Fernweh war erst mal gestillt. Aber seit einigen Tagen höre ich meinen Expeditions-Daunen-Parka verheißungsvoll in seiner Schonhülle unter meinem Bett knistern. Ich will wieder weg. Diesmal in dem Wissen, dass es okay ist, irgendwann auch wieder nach Hause zu wollen. Und wer mich auf meinen Reisen begleiten möchte, den möchte ich dazu einladen. Ich freue mich, über Erfahrungen, Tipps und Eindrücke. Ich möchte meine teilen und an euren teilhaben.

Bis bald und gute Reise!

sonnenuntergang-koeln-dom.jpg

13 Gedanken zu “Ich will weg – aber ich will auch wieder kommen

  1. Oh wie schön geschrieben.
    Und wie sehr ich mich darin wiederfinde. Ich liebe das Reisen, aber auch das nach Hause kommen. Eine Basis..eine Heimat haben. Von wo die Vorfreude gedeihen und blühen kann…das ist einfach schön.
    Könnte man seine Familie, Freunde, seine Kultur und alles was Erinnerungen in einen auslöst einpacken und einfach mitnehmen – dorthin wo es einen hinzieht – dann, ja dann wäre alles doch ein wenig anders…
    Sich einzugestehen dass man doch nicht die große Abenteurerin ist, von der man immer glaubte man sei sie, ist wahrscheinlich nicht einfach, aber doch befreiend. Ist es nicht schön immer wieder in die Welt zu ziehen und doch zu wissen man ist Zuhause auch glücklich?

    Ich liebe es durch die Welt zu tingeln und dann zurück zu kommen, mich aufs Sofa zu schmeißen, die Lieblingsserie zu schauen, Blog zu schreiben, zu kochen, tanzen zu gehen, ins Theater zu gehen (…)

    Abenteurerin auf Zeit. Ich finde das ist eine richtig gute Option. 🙂

    1. Liebe Janine,
      danke für diesen tollen, aufmunternden Kommentar! Ja, das war nicht einfach, zu sagen, ich bin vielleicht doch nicht so unabhängig und ungebunden. Aber das ist auch schön, denn das heißt, ich habe Wurzeln. Ich bin mir in den letzten Jahren mehr und mehr meiner engen Bindung an meine Familie bewusst geworden und ich weiß das unglaubliche Glück und die bedingungslose Liebe, die sie mir entgegenbringt, wirklich zu schätzen. Und deswegen weiß ich jetzt auch, dass ich nie zuuu weit von ihr weg sein möchte, zumindest eben nicht auf Dauer. Aber drei Monate Arktis hier und da, dass lässt mein Herz immer noch hüpfen! Und „Abenteurerin auf Zeit“, das klingt für mich heute nach dem perfekten Lebensziel! 🙂

  2. Du sprichst mir aus dem Herzen! <3 Erst gestern bin ich von einer Reise zurückgekehrt und musste feststellen, wie schön es doch ist, seine eigenen 4 Wände zu haben, im eigenen bequemen Bettchen zu schlafen und sich nach dem duschen in frisch gewaschenen Klamotten zu werfen. So sehr ich das Reisen liebe, so gerne komme ich auch wieder nach Hause. Trotzdem würde ich mich als reisesüchtig und Weltenbummler bezeichnen. Und dadurch, dass ich eben auch einen Alltag habe, kann ich den Moment, wenn ich dann wieder zu neuen Destinationen aufbreche umso mehr auskosten. Liebste Grüße, Kerstin

    1. Hey Kerstin,
      du hast völlig recht, erst dadurch, dass man Zeit zu Hause verbringt und den „Luxus“ genießen kann, weiß man auch die Reisen und andere Bedingungen zu schätzen. Würde man immer im Zelt leben, wäre es ja kein Abenteuer mehr! 🙂 Danke für deinen lieben Kommentar!

  3. Hi Rosa. Hier und auch sonst verstreut in deinem Blog gibt es viele tolle Gedanken zum Begriff Heimat und was der für einen ganz persönlich bedeuten kann. Vielleicht magst du dir ja mal die Homepage meiner Band The J Conspiracy ansehen. Wir verfolgen seit letzten Sommer einen ganz anderen Ansatz, die Gedanken anderer Menschen zum Thema Heimat in Bildform zu unserem Song „Place Called Home“ zu sammeln:
    http://thejconspiracy.net/be-part-of-it/
    Vielleicht magst du ja ein Foto beisteuern. DIe Zeppeline über Köln dürftens gerne sein – aber ruhig auch was ganz anderes, wenn du magst. Würde uns jedenfalls sehr freuen.
    LG von einem Ex-Kölner, der jetzt in der EIfel lebt.
    Christoph

    1. Hallo Christoph,
      danke für deinen lieben Kommentar und dein Interesse! Ich habe mich auf eurer Seite mal umgeschaut und mir auch den Song angehört. Klingt richtig gut! Allerdings möchte ich meine Bilder nicht so gerne ohne Hinweis auf mein „Urheberrecht“ durchs Netz schwirren lassen. Ich hoffe, das kannst du verstehen! Ich wünsche euch aber ganz viel Erfolg mit eurem Projekt und freue mich sehr über dein Interesse an meinem Blog. Ich werde eure Seite weiter verfolgen!
      Liebe Grüße
      Rosa

      1. Hallo Rosa.
        Erstmal Danke für das nette feedback. Und wir als Musiker finden natürlich auch toll, das dir nicht nur das Projekt, sondern auch der Song gefällt. Das mit dem Urheberrecht an Fotos verstehe ich natürlich. Wir haben halt versucht das so benutzerfreundlich wie möglich in den Teilnahmebedingungen – unter http://thejconspiracy.net/be-part-of-it/ nachlesbar – zu regeln. Die Fotos sollen natürlich auch weiterhin den Fotografen gehören! Aber klar: Wir wollen sie für einen öffentlichen Fotoslider verwenden. Nur als Hinweis für dich und vielleicht Andere, die das hier lesen und sich mit dem Gedanken tragen an unserem „Place Called Home“-Projekt mitzumachen: Viele Fotografen machen in ihr Bild einen sichtbaren Urhebernachweis als Icon oder www-Adresse. Wenn wir im Blog über ein Foto berichten, weil eine interessante Story dabei war, verlinken wir eh auf die Seite des Einreichers.
        LG
        Christoph

  4. Pingback: Anonymous
    1. Ach, mach dir keine Sorgen, sie hat bestimmt gerade einfach zu viel zu tun! Ich kenn das selber, manchmal muss man einfach so viele andere Dinge erledigen, dass der Blog zu kurz kommt! 🙂

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.