30 und jetzt? Das nächste große Abenteuer!

Es war still hier, denn manchmal ist das Leben so entsetzlich schmerzhaft und schön, dass man zunächst keine Worte findet. Und obwohl ich es liebe, die Welt teilhaben zu lassen, musste ich einige Dinge erstmal mit mir selber ausmachen. In den letzten Monaten ist mein Leben ganz schön durchgeschüttelt worden. Es gab traurige Momente und schöne, und mehr als einmal haben sie sich vermischt und es flossen Tränen der Traurigkeit, der Einsamkeit, des Glücks und des Friedens.

Mein Freund war beruflich im Ausland und ich brauchte Zeit, mit meinen Ängsten um ihn fertig zu werden. Er ist gesund zurückgekommen und wir brauchten Zeit, um wieder zueinander zu finden. Mein Job hat mich gefordert und Geld zu verdienen, um zu leben, hat Zeit gekostet. Meine Familie hat jemanden verloren und wir brauchten Zeit zu trauern. Ich hatte Zweifel, ich habe mit dem Schicksal, derer, die ich liebe, gehadert, ich habe geweint und mich gefürchtet.

Und in all dem bin ich 30 Jahre alt geworden

30, das ist ein Alter, dem gerade bei jungen Frauen oft eine große Bedeutung zugemessen wird. 30, das klingt nach Erwachsen sein, nach dem endgültigen Abschied von Jugend und Abenteuer. 30 kann einem schon ein bisschen Angst machen. Ich fühle mich nicht, als ob ich dieses 30 wäre. Aber meine Tante sagt, das ist mit 60 ganz genau so. Und seien wir ehrlich, die ersten grauen Haare und Falten hatte ich auch schon mit 29.

Ich kann nicht sagen, dass ich mich seit meinem Geburtstag anders fühle. Den Tag selbst habe ich in einem Freizeitpark verbracht. Ich habe mich auf Achterbahnen herumwirbeln lassen, Kuchen gegessen und einen Ballon bekommen. Könnte wohl auch ein 15. Geburtstag gewesen sein. Ich habe meine Freunde umarmt, mit meiner Familie gelacht und getanzt. Und ich habe ein unglaubliches Geschenk bekommen.

Das nächste große Abenteuer

Den ganzen Tag über drückten mir meine Gäste Puzzleteilchen in die Hand und am Abend fügte sich dann alles zusammen. Unter meinen Fingern entstand eine Eislandschaft. Einen Reim konnte ich mir nicht darauf machen, bis mein Freund, der all das organisiert hat, mir einen Umschlag in die Hand drückte. Darin war ein Scheck, darauf eine unglaubliche Summe. Und in seinen Augen ein Versprechen: Du und ich, wir fahren in die Arktis!

Aus diesem Versprechen ist heute Wirklichkeit geworden. 2020 werden wir an Bord eines Schiffes gehen, an Bord des Eisbrechers Plancius. Wir werden von Spitzbergen über Grönland nach Island reisen und mit etwas Glück werden wir Wale, Robben, Eisbären, Walrösser, Islandponies und jede Menge Eis sehen. Wir werden, wenn die Eisverhältnisse es zulassen, den 80. nördlichen Breitengrad überqueren.

Drei Wochen, die nur mir und ihm und meiner anderen großen Liebe, der Arktis, gehören werden. Dass ein Mensch dazu bereit ist, diesen Traum mit mir zu leben, das ist ein ganz großes Geschenk. Dass ich Freunde und Familie habe, die das unterstützen und ihren Teil dazu beitragen ist vielleicht mehr, als ich verdient habe. Und dass ich selbst dazu in der Lage bin, finanziell, körperlich, geistig diese Reise anzutreten, ist ein riesengroßes Privileg.

Und wieder könnte ich weinen, vor Glück, Dankbarkeit und Rührung. Ich weiß nicht, ob ich einfach ganz still sitzen oder tanzen will. Aber das Gefühl muss raus und deswegen sitze ich stattdessen hier und schreibe es mir von der Seele. Vielleicht auch für die schweren Momente, die bis dahin noch kommen mögen, um das Glück zu konservieren und festzuhalten. In dem Wissen, dass noch ganz viele Abenteuer da draußen auf mich warten.

Und was das Alter angeht, muss ich mir wohl auch keine Sorgen machen: An Bord werde ich bestimmt wieder das Nesthäkchen sein!

Polar Guide: Orte der Schlittenhund- und Expeditionsgeschichte in den Polargebieten

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Kennt ihr das? Ihr reist an einen Ort und hinterher findet ihr heraus, dass es dort etwas gibt, was ihr unbedingt hättet sehen wollen, ihr wusstet aber einfach nichts davon? So geht es mir ganz oft mit Orten, die die Polarexpeditionsgeschichte betreffen.

Ein Führer zu Museen, Statuen und Denkmälern weltweit

Daher versuche ich mich jetzt immer VOR einer Reise schlau zu machen, das ist aber gar nicht so einfach. Und wenn es etwas nicht gibt, man es aber haben will, dann muss man es wohl selber machen. Daher kommt hier mein Polar Guide mit einigen Highlights der Schlittenhund- und Expeditionsgeschichte. Er ist noch bei Weitem nicht komplett, soll aber fortlaufend ergänzt werden.

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Gletscherwanderung und Schneemobiltour auf Spitzbergen

Die Polarnacht auf Spitzbergen: Drei Tage im hohen Norden

Der Tag, an dem der Teufel mir einen Handel anbietet
17. Dezember 2017

Das moderne Zeitalter ist Segen und Fluch zugleich und gerade im Norden empfinde ich es eher als letzteres. Trotzdem kann ich mich seiner Anziehungskraft nicht erwehren. Nach meiner ersten Nacht im Basecamp in Longyearbyen wünsche ich mein Handy trotzdem zum Teufel. Ich habe ehrlich gesagt gedacht, dass ich hier oben eh keinen Internetempfang haben würde, aber da habe ich mich getäuscht. Die Norweger sind schon ein cleveres Völkchen. Sie wissen, dass die meisten Dinge, die an einem extremen Ort wie Spitzbergen funktionieren, es mit Sicherheit auch auf dem Festland tun. Äußerst reichweitenstarke Sendemasten zum Beispiel. Bald wird es auf der Insel 5G geben. Was zur Hölle…?

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Mit Schlittenhunden durch die Dunkelheit Svalbards

Pic by Morten Rostille

Die Polarnacht auf Spitzbergen: Drei Tage im hohen Norden

Der Tag, an dem ich auf einem Schlitten durch die Dunkelheit Svalbards gleite
16. Dezember 2017

In den frühen Morgenstunden klingelt mein Handywecker, eine technische Absurdität in dieser rustikalen Umgebung. Mein zweiter Tag auf Svalbard beginnt. Und ich kann mich vor Aufregung kaum beherrschen, denn heute ist der Tag, an dem ich endlich wieder auf einem Hundeschlitten stehen werde!

Da ich nach meiner Nacht in der Trapperhütte mit nur dem Nötigsten ausnahmsweise mal keine Wahl habe, was mein Outfit betrifft, bin ich schnell angezogen. Auch die Katzenwäsche im Toilettenhäuschen ist fix erledigt. Über die Vintage-Ausstattung mit Waschschüssel in Belle-Epoque-Optik muss ich lachen. Sie steht doch in krassem Kontrast zur mobilen Plastiktoilette direkt daneben.

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