Was zieh ich an, wenn ich in die Arktis reise?

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Es ist Sommer 2013, 30° Außentemperatur. Alles schwitzt. Und ich habe die Zusage, dass ich bald ein Vierteljahr in Finnland verbringen darf. Wo es mal locker 70° kälter sein kann. Als sich die erste Euphorie legt, stellen sich praktische Überlegungen ein. Was nehme ich mit? Was brauche ich? Welche Kleidung hält mich da warm?

Hier findet ihr eine Liste der Dinge, die mir dort am nützlichsten waren, und die ich in der Arktis nicht missen möchte. Dabei geht es mir vor allem um extreme Bedingungen, also Temperaturen um -30°. Ich werde von keinem der Hersteller bezahlt und das soll keine Werbung sein, ich möchte einfach nur meine Erfahrung teilen.

Abenteuer Arktis: Die richtige Jacke

Für mich das allerwichtigste war die Jacke. Ich habe sie jeden Tag getragen, sie musste Krallen, Zähne, Holzsplitter, Schnee, Wind und Regen aushalten. Also kam nur ein robustes Material in Frage. Zudem sollte sie mich natürlich warm halten und durfte nicht allzu schwer sein.

Daune – Das Beste, was die Natur zu bieten hat

Nach kurzer Recherche war klar, dass die beiden letzten Anforderungen am ehesten von Daunenfedern erfüllt werden. So weit so gut. Immer wenn ich in einem der vielen Outdoorläden in Köln nach einer sehr warmen Daunenjacke fragte, wurde mir ein buntes Etwas präsentiert, das mich fatal an einen Müllsack erinnerte. Besonders, was die Widerstandsfähigkeit anging. Diese Jacken waren für Bergtouren gedacht, nicht für die Arbeit mit Schlittenhunden. So kam ich nicht weiter.

Durch weitere Recherche entdeckte ich dann die Marke Canada Goose. Die Preise verschlugen mir den Atem, aber es schien genau das zu sein, was ich suchte! Expeditionskleidung, gemacht für extreme Kälte. Und optisch auch mein Fall: Schlicht und funktional, aber trotzdem schön. Gut, dass Geburtstag und Weihnachten nicht mehr fern waren und meine großzügige Familie mir diesen Wunsch erfüllen wollte.

Über die Homepage von Canada Goose kann man zertifizierte Händler finden. Der erste Laden war ein Reinfall, aber beim zweiten hatte ich Erfolg (KULT am Neumarkt in Köln). Ich bekam die Jacke in der gewünschten Farbe und Größe. Und was soll ich sagen? Sie hat mir sehr, sehr gute Dienste geleistet. Mit unzähligen Taschen bietet sie Stauraum für alles mögliche. Das Fell an der Kapuze sorgt dafür, dass sich über dem Gesicht eine wärmere Luftschicht bildet und die Kapuze selbst hält den Kopf warm. Ich habe bis auf eine Ausnahme nie gefroren, die Jacke hat alle Härtetests bestanden und ist heute eines meiner liebsten Besitztümer. (Und mit Abstand das Teuerste 😉 )

Women’s Expedition Parka, Canada Goose, Navy, Größe M

Abenteuer Arktis: Die richtigen Schuhe

Fast genauso wichtig, wie eine gute Jacke, waren für mich die Schuhe. Schließlich hasst frau ja nichts mehr als kalte Füße. Hier waren die Nachforschungen geradezu simpel und schnell wusste ich, was ich wollte. Ein großes Paar lederner Überschuhe mit hoch reichender Gummierung und tiefem Profil, darin ein paar Innenschuhe aus Wolle mit extra isolierter Sohle. Bei der Auswahl bin ich hauptsächlich nach der Optik gegangen (Ja, auch bei -40° trage ich gerne hübsche Schuhe. Naja, vergleichsweise „hübsche Schuhe“.) und habe mich für die Marke Sorel entschieden. Das Modell Caribou für Damen in der Farbe Tobacco hatte es mir angetan. Ich habe die Schuhe eine Nummer größer genommen, damit noch mindestens zwei Paar Socken reinpassen. Der Preis war überraschend annehmbar, nur das hohe Gewicht hat mich ein bisschen erschreckt. Aber letzten Endes hat es mich nicht gestört, ich hatte gar keine Zeit es zu bemerken. Und ich glaube auch nicht, dass ich am Ende eines Arbeitstages in Finnland mit leichteren Schuhe weniger erschöpft gewesen wäre. 🙂

Fakt ist, dass ich im Gegensatz zu meinen Mit-Volunteers immer warme Füße hatte. Auch als ich durch eine dünne Eisdecke gebrochen bin und bis zum Stiefelschaft im eisigen Bach stand, haben die Schuhe mich nicht enttäuscht. Alles blieb trocken. Und die Innenschuhe sind sogar waschbar! Zu bekommen sind sie bei Amazon oder z.B. Cold Season in Köln.

Caribou Damen Schneestiefel, Sorel, Tobacco, Größe 41

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Abenteuer Arktis: Die richtige Hose

skihose.jpgIch habe es einfach nicht geschafft, vor meinem Abflug eine passende Hose zu finden. Allerdings hatte ich Anfang des Jahres ein Ski-Set bei Aldi gekauft, bestehend aus Hose und Jacke. Das habe ich mitgenommen und dann vor Ort noch eine Hose gekauft (Marke Everest). Wichtig war mir, dass sie eine dunkle Farbe hat, damit man den Dreck nicht so schnell sieht, und dass sie Hosenträger hat. Die geben dem Ganzen noch mal etwas mehr Halt. Obwohl sie wirklich preiswert war, bin ich mit der Hose sehr zufrieden, besonders zu dem günstigen Preis!

Abenteuer Arktis: Die richtige Unterwäsche

skiunterwaesche-merino-synthetik.jpgAuch hier lautete die Devise: Hauptsache warm. Und da kommt man relativ schnell zu Merinowolle. Sie hat zudem den Vorteil, dass sie sehr schnell trocknet und auch nach mehrmaligem Tragen nicht müffelt, solange man sie über Nacht auslüftet. Hier hat Qualität einen stolzen Preis. Trotzdem habe ich mir ein Set Merino-Unterwäsche geleistet, bestehend aus Shirt, Hose und Socken (bei Globetrotter, Marke Ortovox und Cold Season, Marke Smart Wool). Um aber auch mal wechseln zu können habe ich außerdem noch Ski-Unterwäsche beim Discounter (Aldi, Marke Crane) gekauft. Sie hat nur einen Bruchteil dessen gekostet, was ich für das andere Set ausgeben musste. Und trotzdem hat sie ihren Zweck erfüllt. Für wärmere Tage war sie genau richtig. Außerdem konnte man das Material auch mal eben per Hand waschen, weil die Kunstfaser noch schneller trocknet als Wolle. Ich will aber beide Sets auch nicht vergleichen, sie waren beide von Nutzen.

Abenteuer Arktis: Die richtigen Handschuhe

Zwei Paar sind gut, drei sind besser!

Zuunterst empfehle ich ein paar Fleecehandschuhe mit Fingern, die eng genug sitzen, sodass man auch komplizierte Tätigkeiten (bspw. Einhaken von Halsbändern, Öffnen von Reißverschlüssen) damit ausführen kann. Meine habe ich bei Tchibo gekauft.

Die zweite Lage ist nicht unbedingt notwendig, wenn man beispielsweise nur einen Ausflug macht, bei dem man im Schlitten sitzt. Bei kälteren Temperaturen ist sie aber auf jeden Fall zu empfehlen. Am besten ist ein weiteres Paar Fingerhandschuhe, diesmal aber gefüttert und zumindest wasserabweisend. Mein uraltes aber taugliches Paar habe ich von meinem Onkel geerbt, es ist von der Marke Reusch. Diese habe ich immer beim Training getragen. Für Füttern und Saubermachen eignen sie sich nicht so gut, sie schränken die Beweglichkeit zu sehr ein. Da ist ein richtiges Paar Arbeitshandschuhe aus Leder besser geeignet. Leider werden dadurch auch die Finger nass. Eine Lösung für dieses Problem habe ich nicht gefunden.

Eine sehr hübsche Alternative als zweite Schicht, sind die traditionellen samischen Strick-Fäustlinge, mit Fleece gefüttert und bunten Bändern bestickt. In Rovaniemi gab es sie an jeder Ecke zu kaufen, sie kosten um die 15€. Sie sind allerdings zu schön, um sie bei der Arbeit mit den Huskies zu benutzten und deswegen eher etwas für Ausflüge in die Stadt.

Fäustlinge – Warm und praktisch

Kommen wir zur dritten Lage: ein Paar Lederfäustlinge. Diese sollten so groß sein, dass man mit den Handschuhe an den Händen einfach rein- und rausschlüpfen kann. Außerdem erwärmt sich mit genug Freiraum die Luftschicht zwischen den Lagen und sorgt so dafür, dass die Hände wirklich nicht kalt werden. Denn wenn das passiert, kann es nicht nur unangenehm, sondern sogar gefährlich werden.

Manchmal muss es aber schnell gehen, die Hunde haben sich in ihrem Geschirr verheddert und drohen sich zu verletzen oder ähnliches. Damit man dann die Hände einfach aus den großen Fäustlingen ziehen kann und sich keine weiteren Gedanken machen muss, habe ich auf etwas zurückgegriffen, das ich als Kind gehasst habe. Nämlich die Handschuhe mit einem Band zu verbinden, das man sich um den Nacken legt. So minimiert man das Risiko, sie zu verlieren. Und mit etwas Mühe kann die Kordel ja auch nett aussehen, ich habe sie selbst geknüpft.

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Abenteuer Arktis: Die richtige Mütze

Sucht euch eine schöne aus, denn ihr werdet sie immer tragen! Wie oft hab ich mir gewünscht, Luft an meine Haare zu lassen, den Wind auf der Kopfhaut zu spüren. Aber nix da, Mütze muss sein, sonst verliert man zu viel Wärme. Wenigstens ist die Auswahl groß, man kann sich nach Lust und Laune eindecken. Und da Mützen nicht so teuer sind, kann man auch ein paar mehr mitnehmen. So hat man wenigstens bei einem Kleidungsstück die Möglichkeit der Abwechslung.

Wichtig ist nur, dass es nicht nur eine Strickmütze sein sollte, am besten ist sie mit Fleece oder Teddystoff gefüttert. Sonst kommt der Wind durch und lässt die Öhrchen frieren. Ich habe ein Exemplar von North Face, eins von Tchibo und meine Lieblingsmütze ist von Jack Wolfskin. Es müssen aber mit Sicherheit auch nicht solche Marken sein. Wie erwähnt, kurz vor meinem Trip hatte ich Geburtstag, deswegen bot es sich an, mir solche Sachen schenken zu lassen.

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Abenteuer Arktis: Der richtige Rucksack

Hier muss ich gestehen, dass mein Exemplar nicht unbedingt das praktischste ist. Aber ich liebe das Design und deswegen stell ich ihn euch trotzdem vor. Es ist der No 21 von Fjällräven. Zunächst die Vorteile: Er ist geräumiger, als er aussieht, hat innen ein Fach für den Laptop, eins für Geld oder Ausweis und eins für eine Flasche, außerdem bringt er ein kleines Sitzkissen mit. Das Material ist robust und gut verarbeitet und dadurch, dass alle Laschen mit Kordelzug oder Lederschnallen geschlossen werden, entfällt die Schwachstelle Reißverschluss.

Das ist aber zugleich ein Nachteil, man bekommt den Rucksack nicht schnell auf, schon gar nicht, wenn man auf dem Schlitten steht. Ein paar mehr Innenfächer würden auch nicht schaden. Die Seitentaschen sind so flach, dass man kaum etwas hinein bekommt. Das größte Manko sind allerdings die sehr breiten Trageriemen: So viel Platz ist unter meinen Armen einfach nicht. Außerdem ist der Preis absolut überzogen. (Auch hier wieder einmal Family-Sponsoring)Trotzdem liebe ich den Rucksack sehr und möchte ihn nicht wieder hergeben. Auch wenn ich nicht genau sagen kann, wieso. 🙂

No 21, Fjällräven, Navy, Größe Medium

Abenteuer Arktis: Die richtige Ausrüstung

Zu guter Letzt noch ein paar Worte zur Ausrüstung. Hiermit meine ich nicht das Notfallpaket, das man in der Arktis sowieso immer dabei haben sollte (das bekommt noch einen eigenen Artikel), sondern ein paar kleine nützliche Dinge, die ich immer für mich dabei hatte. Als erstes die Thermoskanne mit heißem Tee (IKEA). Ich denke, jedem ist klar, wieso :). Dann meine Stirnlampe von Petzl. Mit zwei verschiedenen Helligkeitsstufen und verstellbarer Höhe sehr praktisch. Dazu noch mein Messer aus der finnischen Traditionsschmiede Marttiini. Ich hab mich damit ein bisschen sicherer gefühlt und konnte damit im Notfall die Hunde los schneiden oder es als Eispickel benutzen.

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Bis bald und gute Reise!

3 Gedanken zu “Was zieh ich an, wenn ich in die Arktis reise?

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