High Coast Hike 2015 – Unterm Dalsjöfallet

Der Dalsjöfallet

Soll ich? Soll ich nicht? Ich möchte schon irgendwie. Ach, warum nicht? Schnell werfe ich einen Blick über die Schulter, ob jemand den Pfad herauf kommt. Niemand. Also streife ich meine verschwitzten Klamotten ab und schlüpfe aus den Schuhen, in denen mich meine Füße heute weit getragen haben.

Seit zwei Tagen wandere ich durch die Wildnis Schwedens, als Teilnehmerin des High Coast Hikes: Insgesamt fast 400 Menschen aus allen Ecken und Enden der Welt nehmen daran teil und dürfen die Schönheiten des Skuleskogen National Park hautnah erleben. An drei Tagen werden etwas mehr als 40 Kilometer und unzählige Höhenmeter bewältigt. Geschlafen wird im eigenen Zelt, das Essen mit Campingkochern zubereitet. Und trotz der vielen Menschen ist man meist allein. Oder glaubt es zumindest zu sein…

Pause mit Blick auf die Höga Kusten
Pause mit Blick auf die Höga Kusten

Der erste Schritt in das rasch dahinfließende Wasser beweist mir, dass ich in Schweden bin und nicht am Mittelmeer. Kalt. Ganz. Schön. Kalt. Die Strömung zerrt an meinen Zehen und ich suche Halt auf den mit Algen bewachsenen Steinen. Vorsichtig taste ich mich vorwärts, bis ich endlich das Wasser des Dalsjöfallet auf der nackten Haut spüre. Hier schießt der Fluss über die bemooste Kante eines mächtigen Felsblocks und bildet so einen Vorhang aus unzähligen kleinen Perlen. Und er spült den Schmutz und den Schweiß der letzten Tage von mir ab. Außerdem kühlt er die vielen Moskitostiche.

Auf dem Weg zum Dalsjöfallet
Auf dem Weg zum Dalsjöfallet

Als ich mich endlich an die Temperatur gewöhnt habe, genieße ich die unverhoffte Dusche. Es klingt wie ein Punkt auf einer Bucket-List: Einmal in der Wildnis Schwedens nackt unter einem eisigen Wasserfall stehen.

Ich bin fast fertig, spüle nur noch meine Haare aus, da höre ich ein Geräusch hinter mir. Ich drehe mich um und sehe einen der anderen Hiker, der den Pfad herunterkommt. Er muss sich weiter oben gewaschen haben. Zuerst erschrecke ich und halte panisch meine Arme vor mich. Aber er ist ein Gentleman, und als er mich entdeckt, legt er extra eine Hand über die Augen und dreht den Kopf zur Seite. Schnell ist er im Wald verschwunden und plötzlich muss ich lachen. Ich fühle mich ein bisschen wie eine Sagengestalt, eine Wassernymphe vielleicht, die beim Baden überrascht wird. Eigentlich eine sehr schöne Vorstellung.

Skuleskogen National Park
Na, ist das eine Waldnymphe? Wohl eher nicht, mehr so verschwitzte Wanderin…

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Diese unglaublich tolle Erfahrung verdanke ich dem Norr-Magazin, denen meine Bewerbung so gut gefallen hat, dass sie mich nach Schweden schickten. Vom Kooperationspartner Fjällräven habe ich den tollen Rucksack, ein Zelt und Kleidung bekommen, während Verpflegung und Kochgas vom Hike-Veranstalter bereitgestellt wurden. Ein ganz besonderer Dank geht an Höga Kusten Destinationsutveckling, für die liebevolle und absolut zuverlässige Betreuung vor Ort. Zum Beispiel als der Rucksack nicht mit geflogen war… Die Bilder dieses Beitrags stammen von meiner ganz wundervollen Begleitung Lena Schimmele, die es auf sich genommen hat, eine schwere Kamera mitzuschleppen und mir die Ergebnisse dankenswerterweise zur Verfügung stellt!

Bis bald und gute Reise!

8 Gedanken zu “High Coast Hike 2015 – Unterm Dalsjöfallet

  1. Liebe Anuschka,

    gerne hätte ich diesen Beitrag weitergelesen, aber er konnte nicht geöffnet werden. Liegt das an mir oder an meinem Computer?
    Geht es dir wieder besser?

    Liebe Grüße
    Brigitte

    Von meinem iPad gesendet

    1. Mmmh, das ist ja doof! Vielleicht klappt es, wenn du nicht auf den Link in der Mail klickst, sondern über den Browser gehst und die Adresse manuelle eingibst?
      Besser geht es mir nicht wirklich, eher schlechter. Aber ich hoffe mal, dass es zum Wochenende wieder besser wird!
      Liebe Grüße
      Anuschka

    1. Och, da kann man Glück oder Pech haben, genau wie hier. An einem Tag schien die Sonne und wir hatten über 20 Grad, am nächsten regnete es ununterbrochen und es waren um die 13 Grad. 🙂

    1. Ach, ich war gar nicht immer allein 😀 Meistens war ich mit Lena unterwegs, die die Reise genau wie ich gewonnen hatte. Und das war super, ganz allein hätte ich mich auch nicht getraut! Ich weiß nur nicht, wie recht es ihr ist, wenn ich hier über sie schreibe, deswegen lass ich sie ein bisschen außen vor.
      Und außerdem hat man abends immer in der Gruppe gecampt!

  2. Toller Bericht. Ich hatte das im NORR-Magazin gelesen und kurz geliebäugelt. Aber da sieht man mal wieder: Gibt nix Gutes; außer man tut es. Und so. Liebe Grüße, Stefanie

    1. Danke, liebe Stefanie!
      Ich hätte auch nie und nimmer mit einer Zusage gerechnet, und als die kam, bin ich wie ein Flummi durch’s Wohnzimmer gehüpft! Manchmal muss man es wohl einfach versuchen!
      Liebe Grüße
      Rosa

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