Dancing in the dark – Robert F. Scott und die Polarlichter

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Der östliche Himmel war eine glänzende Masse zuckenden Südlichts, des lebhaftesten und schönsten, das ich bisher erblickt – dicht nebeneinander flammten die Bogen und Bündel in zitternder Lichtfülle auf und verbreiteten sich über den Himmel, um langsam zu verblassen und von neuem zu glühendem Leben aufzuflackern. Das stärkere Licht schien flüssig zu sein; jetzt ballte es sich zu verschlungenen Bündeln zusammen und sandte leuchtende Zungen aufwärts, dann wieder glitt es in Wellen durch die blasseren Lichtbahnen, als wolle es ihnen neues Leben eingießen. Es ist unmöglich, ohne das Gefühl heiliger Scheu Zeuge einer so wunderbar herrlichen Erscheinung zu sein! Und doch ist es nicht der Glanz der Erscheinung, der dieses Gefühl einflößt, sondern vielmehr ihre Zartheit in Licht und Farbe, ihre Durchsichtigkeit und vor allem ihr zitternder Formenwechsel.

– Eintrag aus Scotts Tagebuch zum 22. Juni 1911

Der Brite Robert Falcon Scott starb 1912 bei einer Expedition in die Antarktis. Zwar erreichte er den Südpol, doch sein norwegischer Konkurrent Roald Amundsen war ihm zuvor gekommen. Auf dem Rückweg fiel Scotts Mannschaft dann der Witterung, den Umständen und dem Nahrungsmangel zum Opfer. Sie erreichten das lebensrettende Depot nicht mehr, obwohl es nur wenige Meilen entfernt war.

So fern solche Ereignisse in Zeiten von GPS und Schneemobilen erscheinen, so nah geht mir seine Beschreibung der Aurora australis. Zwar habe ich bisher nur das Nordlicht (Aurora borealis) gesehen, trotzdem sind es die gleichen Gedanken. Die gleichen Gedanken, obwohl über 100 Jahre dazwischen liegen. So sehr das Schicksal Scotts berührt, viel näher geht mir, dass er schon so poetisch in Worte gefasst hat, was mir durch den Kopf ging, als ich die Aurora zum ersten Mal sah. Und wie ich hat er sich gefragt, was die Menschen wohl über die tanzenden Lichter dachten, als sie noch keine wissenschaftliche Erklärung für das Phänomen hatten. Tanzende Geister, kämpfende Dämonen?

Auch heute habe ich das Gefühl, diese Vorstellung wird den Lichtern eher gerecht, als „elektrisch geladene Teilchen der Magnetosphäre, hauptsächlich Elektronen, aber auch Protonen, auf einige schwere Ionen (Sauerstoff und Stickstoff) in den oberen Schichten der Erdatmosphäre treffen und Prozesse auslösen, die zu geänderten Elektronenkonfigurationen führen.“ (Wikipedia-Artikel zu „Polarlicht“)

2 Gedanken zu “Dancing in the dark – Robert F. Scott und die Polarlichter

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